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Übrigens

Bitte keine Spenden!

Wenn die Münze ins Mohrenkind hineinfällt, nickt es dankbar. Diese possierliche Gestalt, die jedes Jahr zusammen mit den Weggentaler Krippenfiguren Einzug in die Kirche hält, erregt immer wieder die Gemüter und wurde in dieser Woche auch auf unserer Leserbrief-Seite diskutiert. Sieben Jahre lang, von 1998 bis 2005, war „das Negerle“ sogar schon einmal aus dem Verkehr gezogen und zu einem tristen Magazin-Dasein ver dammt worden.

 
Artikelbild: Bitte keine Spenden! Postkoloniales Relikt oder Immigrant mit ewigem Bleiberecht: das „Nicknegerle“ an der Weihnachtskrippe im Weggental. Bild: Mozer

Dorthin, wo der Kolonialkitsch hingehört – jedenfalls nach Ansicht vieler Kritiker. Aber was können rationalistische Äußerungen über Kolonialmächte und Versklavung ganzer Kontinente gegen schöne Kindheitserinnerungen und strahlende Kinderaugen ausrichten? Ganze Rottenburger Kindergenerationen pilgerten zum „Nicknegerle“ vom Weggental. Und was ist auch gegen die unschuldige Freude der Kinder einzuwenden? Dagegen können doch nur jene notorischen Tübinger wettern, die kein Herz haben – weder für Kinder noch für Keramik-Mohren.

„Das Nicknegerle“ ist für viele nicht mehr als ein skurriler Wackeldackel oder eine Figur ohne jedes reale Vorbild. Eine Figur, die aus einem fernen Reich kommt, das irgendwo zwischen den sieben Märchenbergen und der Fasnetskleiderkiste liegt. Warum also nicht sein Vergnügen haben, sich die Freude mit einer kleinen Spende versüßen, dann das zustimmende Nicken einkassieren – und fertig. Müssen die Tübinger denn immer alles Schöne kaputt kritisieren?

Jeder Tübinger mit Herz für Kitsch wird solche Kritik am Kritiker verstehen und würde es selber auch bedauern, wenn die kleine Figur ganz der Kapelle verwiesen würde. Nicht nur, weil sie so niedlich anzusehen ist, sondern auch weil sie Nachfahre und Dokument jener kolonialen Zeiten ist, in denen man sich mit Exoten aus dem Menschen- und Tierreich schmückte und zugleich die „wilde Welt“ unterwarf und missionierte. Warum sollte man Zeugen dieser Zeiten einfach in die Dunkelkammer des Gedächtnisses verbannen?

„Das Nicknegerle“ muss weiterhin gezeigt werden und dem Publikum zunicken dürfen. Aber ganz kommentarlos sollte dies nicht geschehen. In seinem Fall täte ein kleiner volkskundlicher Steckbrief gewiss gut. Als Spendenwerber mit „Negerle“-Image müsste es aber dringend abdanken, sonst wird nur aus dem alten Klischeebild wieder Ernst. Ulla Steuernagel

11.01.2008 - 08:30 Uhr | geändert: 10.08.2009 - 16:39 Uhr
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