Bernd Hinderer berät Kandidaten bei der Bürgermeisterwahl
„Bürgermeister ist immer noch ein toller Job.“ Der Jurist Bernd Richard Hinderer vom Wahlbüro Südwest muss es wissen: Er berät und unterstützt Bewerber für diesen Job.
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Bernd Hinderer schreibt die Reden von Kandidaten bei der Bürgermeisterwahl. Bild: Keicher
Gomadingen. „Bürgermeistermacher“ wird er manchmal genannt. Das ist aber übertrieben, sagt der Mann im Hintergrund. Er entwickelt Strategien, entwirft Drucksachen, schreibt und trainiert Reden, hält den Kontakt mit der Presse. „Früher wurden ja auch Bürgermeister gewählt, das was ich mache, ist schon so was wie Aufrüstung.“
Dass Bürgermeister ein begehrter Job ist, zeigt sich schon daran, dass immer noch viele bereit sind, in den Wahlkampf zu investieren. Da kommt dann schon eine Summe im unteren fünfstelligen Bereich zusammen. Das dauert schon, bis das wieder hereingespielt wird bei einem Sprung vom Hauptamtsleiter, der nach A 12 bezahlt wird, nach A 14, der Gehaltsgruppe eines Bürgermeisters einer kleinen Gemeinde.
Bei vielen Kandidaten kommt aber der politische Spaß dazu, auch das Gefühl und der Genuss von Macht. Hinderers Urteil: „OB von Friedrichshafen zu sein, das ist der absolute Top-Job in Baden-Württembergs Rathäusern.“
„Ich will halt keinen Chef mehr über mir haben“, ist bei vielen nach Hinderers Beobachtung das Motiv. „Die Zeit der alten ‚Haudegen‘ ist zwar vorbei,“ sagt er, „die der hochfliegenden Pläne angesichts der Finanznot auch.“ Gestaltungsspielräume gibt es aber immer noch. Sei es nur bei der Rückführung der Schulden. Für den erfolgreichen Bürgermeister ideal sei der Typus des „aufgeklärten Monarchen“, der seine Verwaltung und den Gemeinderat im Griff hat und souverän genug ist, nicht ängstlich auf den Termin der Wiederwahl zu schielen.
Seit 1996 macht Hinderer Wahlkampf für Bürgermeister. Er ist Stratege und Coach, Redenschreiber und Rhetorik-Trainer. Mit einem Grafiker zusammen entwirft er Plakate und Prospekte, Wahlzeitungen und Internetauftritte. „Entscheidend ist, dass der Funke überspringt.“ Der Kandidat müsse zeigen, dass er souverän, sympathisch und kompetent ist. Hat er da ein Defizit, könne man das nur schwer zukleistern, „am ehesten noch bei der Kompetenz“.
Hinderer will nicht, dass sich seine Kunden verbiegen, authentisch sein, ist für ihn „das Wesentliche überhaupt“. Zynisch mit den Wählern umgehen nach dem Motto ‚Die Welt will betrogen werden‘, wolle er nicht. „Die Wähler spüren Aufrichtigkeit und honorieren sie.“ Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel.
Erfahrungen im politischen Geschäft hat Hinderer in den siebziger Jahren in der Jungen Union gesammelt. In seiner Heimatstadt Welzheim hat er einen Ortsverband gegründet, den er quer zu allen parteipolitischen Vorgaben geführt hat, gerade auch bei einer damals anstehenden Bürgermeisterwahl. Aus der CDU ausgetreten ist er schon lange, Übertritte in andere Parteien kamen nicht in Frage.
Lernen konnte er trotzdem viel bei diesem Ausflug in die Parteipolitik: „Ob Kommunalpolitik oder ‚große Politik‘ – die Spielregeln und Machtspiele sind dieselben“. Obwohl er inzwischen an die 80 Wahlkämpfe gemacht hat, ist er am Wahlabend fiebernd dabei. Bei einer Niederlage leidet er nicht weniger als der Kandidat. Trotz aller Professionalität wurde der Job keine Routine. Fred Keicher
„OB von Friedrichshafen zu sein, das ist der absolute Top-Job in Baden-