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Sportsgeist statt Schiedsrichter beim Ultimate Frisbee

Bei „Live-and-Let-Dive-Turnier“ dominierten die Ulmer

Fünf gegen fünf Spieler, eine Scheibe, kein Schiri: Beim Tübinger Ultimate-Frisbee-Turnier traten acht Teams aus Baden-Württemberg gegeneinander an. Den Sieg machten die Ulmer unter sich aus. Doch ums Gewinnen ging es weniger als um Spaß und fairen Sport.

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Fabian Ziehe

Tübingen. Kein Pfiff, kein Gestikulieren am Spielfeldrand, kein Reklamieren auf dem Feld: Die Scheibe liegt auf dem Boden, der Spieler der Ulmer „Ulmtimates“ bespricht sich mit dem Gegenspieler der Tübinger „Maultaschen“. Kurzes Pow-Wow, sie einigen sich auf ein Foul, die Scheibe wechselt das Team. Abklatschen, weiter geht’s. Einen Schiri braucht es nicht: nicht beim dritten „Live-and-Let-Dive- Turnier“ in der Universitäts-Sporthalle, nicht bei irgend einem anderen Ultimate Frisbee-Spiel.

Acht Teams aus Ulm, Konstanz, Karlsruhe, Stuttgart und Aldingen waren am Sonntag zu dem eintägigen Turnier gekommen. Sie maßen sich in dem Mannschaftsspiel mit fliegender Scheibe, das im Spielprinzip Football und beim Passen Basketball ähnelt (siehe Kasten). Die Spieler betreiben einen Sport, der den „Spirit of the Game“ als Prinzip hat: Sportsgeist, Fairness und Respekt ersetzen den Unparteiischen. „Man muss ehrlich sein mit dem eigenen Spiel: Ob Foul oder nicht, da müssen sich die Spieler untereinander einigen“, erklärt Marie Mühe.

Die 29-jährige Promotionsstudentin der Geo-Wissenschaften ist so etwas wie ein Urgestein der Tübinger Ultimate-Frisbee-Szene: Nach ihrem Abi hatte sie mit Klassenkameraden die Sportart ausprobiert. Als sie vor sieben Jahren zum Studium nach Tübingen kam, schloss sie sich dem „Maultaschen“-Team des Hochschulsportes an. Das gibt es seit Anfang der 90er-Jahre, in der Zwischenzeit haben sie auch mal in der 2. Bundesliga gespielt.

Da konnte sich Sven Wolfsberger (links) vom Aldinger Schülerteam „UFA“ strecken, wie er ... Da konnte sich Sven Wolfsberger (links) vom Aldinger Schülerteam „UFA“ strecken, wie er wollte: Bei diesem Zweikampf um die Scheibe beim dritten „Live-and-Let-Dive-Turnier“ in der Tübinger Universitäts-Sporthalle angelte sich Marius Meissner vom Karlsruher Team „Gummibärchen“ das Frisbee aus der Luft. Bild: Ulmer

Vor zweieinhalb Jahren gab es einen Generationswechsel, die meisten der derzeit rund 25 festen Spieler sind mehr oder weniger frisch dabei. Mittlerweile sind die Maultaschen eine Abteilung des SV 03 Tübingen und trainieren drei Mal pro Woche. Der Uni-Sport bietet die Möglichkeit zum Schnuppern, wer richtig einsteigt, trainiert beim SV 03. Marie Mühe ist dort die Trainerin.

Lukas Fellhauer studiert seit einem Semester Wirtschaft und spielt seither bei den Maultaschen. „Ich finde es spannend, eine Sportart zu treiben, die sich noch entwickelt“, sagt der 21-Jährige. Er kommt vom Fußball – dort entwickle sich das Spiel aus der Bewegung heraus. Bei Ultimate Frisbee erfolgt der Pass aus dem Stand. Das bedeutet, die Mitspieler müssen sich frei laufen, sonst hat der Passgeber keine Chance. Das Körperbetonte des Fußballs entfällt – Berührungen sind nicht erlaubt. „Dafür ist der Sport strategischer als Fußball“, sagt Fellhauer.

Bei Ultimate Frisbee können Männer und Frauen zusammen spielen: Man wechselt so aus, dass beide Teams das gleiche Geschlechter-Verhältnis haben. Das bedeutet Rücksicht nehmen auf Mitspieler, die körperlich unterlegen sind. Für jemanden, der von anderen Sportarten das Primat der Leistung kennt, erfordert das ein prinzipielles Umdenken: „Das macht Ultimate Frisbee zu einer großen persönlichen Herausforderung“, sagt Mühe. Viele Lehrer schätzen deshalb das Spiel mit der fliegenden Scheibe für den Schulsport.

Artikelbild: Bei „Live-and-Let-Dive-Turnier“ dominierten die Ulmer

Das klingt pädagogischer, als es in der Praxis ist: Aus den Boxen in der Tübinger Sporthalle tönt entspannte Musik, auf dem Spielfeld wird geschwitzt und gewetzt, am Spielfeldrand gefiebert, geklatscht – und geplaudert. Man kennt sich in der Ultimate-Frisbee-Szene, die Turniere sind meist am Wochenende, das gemeinsame Essen und abendliche Feiern gehört dazu. Der Mix zwischen Wettkampf, gemeinsamen Spaß und Geselligkeit prägt den Sport – und somit die Tübinger Maultaschen: „Derzeit haben wir von den Persönlichkeiten her ein tolles Team“, schwärmt Mühe.

Ergebnisse: „Ulmtimates I“ (Ulm) bezwang mit 11:4 „Ulmtimates II“ im Finale. „Südsee“ (Konstanz) gewann gegen „Schwaben“ (Stuttgart) im Kleinen Finale mit 10:5. Die zwei Maultaschen-Teams (Tübingen) belegten Platz 5 und 6, gefolgt von „Gummibärchen“ (Karlsruhe) und „UFA“ (Aldingen).

Ein Sport mit Scheibe zwischen Football und Basketball
Die Ursprünge der Sportart liegen in den 1960er-Jahren an Hochschulen in den USA. Anfang der 80er-Jahre kam die Sportart nach Deutschland. Das Spielprinzip erinnert an American Football: Das Team muss die Scheibe so passen, dass sie ein Mitspieler in der Endzone fängt. Dabei darf die Scheibe nicht den Boden berühren oder im Aus landen. Das Spielfeld draußen ist so lang wie ein Fußballfeld, nur schmaler – man spielt sieben gegen sieben. Jeweils zwei Spieler weniger sind es in der Halle. Das Spiel ist laufintensiv, da der Werfer ähnlich wie im Basketball nur einen Sternschritt mit Scheibe in der Hand machen darf. Die Mitspieler müssen sich also frei laufen, das gegnerische Team die Räume zustellen. Übungspartien gehen in der Halle oft 30, draußen 40 Minuten. Wettkampf-Spiele (bis hin zu Weltmeisterschaften) dauern wie im Fußball zweimal 45 Minuten.


15.02.2012 - 08:30 Uhr | geändert: 15.02.2012 - 09:57 Uhr

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