Stühle, Tische, Schränke, die Tafel und die Wände – ihr ganzes Klassenzimmer hat die 4a der Tübinger Silcherschule in Zeitungspapier eingepackt und damit den Titel unseres Projekts „TAGBLATT in der Schule“ ganz wörtlich genommen. So schön ist das Zeitungszimmer geworden, dass wir das Foto davon als Titelbild für diese Sonderausgabe gewählt haben.
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Bei ihrer Verpackungsaktion haben die Viertklässler von der Druckfarbe ganz schwarze Hände bekommen. Dass bei ihnen aber mehr von der Zeitung hängen geblieben ist als nur Farbe, das haben sie am Abend gezeigt. Da diente das Zeitungsklassenzimmer als Kulisse für einen besonderen Elternabend, bei dem die Schüler die Ergebnisse ihrer Langzeitstudien präsentiert haben. Schließlich haben sie die Zeitung ja nicht nur drei Monate lang jeden Vormittag gelesen, sie haben auch mit ihr gearbeitet. Wie rund 800 andere Schüler im ganzen Landkreis Tübingen auch.
„Forschungsaufträge“ nannten die Fünftklässler der Friedrich-Liest-Realschule in Mössingen diese Studien. Und sie haben wirklich geforscht. Eine uns namentlich nicht bekannte Schülerin hat zwei riesige bunte Blätter gestaltet, voller Besprechungen von Fernsehsendungen. Ihr Klassenkamerad Arif Said Dogan hat die interessantesten Sportnachrichten gesammelt und in Kurzform zusammengefasst. Viertklässler der Nehrener Kirschenfeldschule haben aus ihren Studien sogar richtige kleine Wissenschaftsarbeiten gemacht. Einige davon sind in dieser Sonderausgabe abgedruckt und leicht am Logo von Sepp Buchegger zu erkennen: Ein auf einem Bleistift vorbeizischender Schüler.
Neben ihren Studien haben die Schüler mit der Zeitung auch gearbeitet und eine Menge gelernt. Was macht eine gute Überschrift aus? Was ist eine Rubrik und welche Artikelformen gibt es? Wie schreibt man einen Artikel?
Dass sie’s wirklich gelernt haben, zeigen die Texte auf den folgenden Seiten. Alle sind sie von Schülern verfasst. Mal in kleinen Gruppen, mal von der ganzen Klasse gemeinsam, mal von einzelnen Schülern. Doch vor dem Schreiben kam das Recherchieren. Und das hieß: Raus aus der Schule, hin zu Experten. Zum Glück gibt es eine ganze Menge Experten. Für jedes Thema mindestens einen. Da ist zum Beispiel der Schwimm-Meister, der sich wie kein Zweiter im Hallenbad Nord auskennt. Da ist der Bank-Filialleiter, der weiß, wie Geld gemacht wird. Die Erzieherin, die von ihrer Ausbildung und ihrem Alltag berichtet. Und ein Gärtner, der das Alphorn bläst.
Eine Klasse wollte von Marktkauf-Mitarbeitern wissen, wie es war, als sie ihre Kündigung befürchten mussten. Eine andere Klasse hat – anfangs mit viel Bammel – ausländische Mitbürger über ihr Leben in Deutschland befragt. Und die Klasse 6b des Uhland-Gymnasiums hat sich in die Schul-Vergangenheit gebeamt. Mehr als Recherche hat auch deren Parallelklasse betrieben. Die Schüler haben im Tierheim so viel Mitleid mit den armen Katzen und Hunden bekommen, dass sie sich spontan zu einer Spendenaktion entschlossen haben – mit Erfolg.
Vor der Recherche steht aber auch eine Menge Arbeit an. Da müssen zum Beispiel die Experten erst einmal gefunden werden. Man braucht einen Termin. Und es sollen ja auch nicht alle Klassen dasselbe Thema bearbeiten. Dazu kommt, dass auch die Lehrer erstmal wissen müssen, was Schüler mit der Zeitung alles machen können, was sich bewährt hat und was nicht.
Das alles – von Lehrerseminaren bis zur Organisation der Termine – hat das Izop-Insitut in Aachen übernommen. Dieses Institut ist der Erfinder von „Zisch“ und hat schon jahrelang Erfahrung damit. Unterstützung haben wir, wie auch schon beim ersten „TAGBLATT in der Schule“, von der Kreissparkasse und den Stadtwerken Tübingen bekommen. Vor allem aber von den vielen Lehrerinnen und Lehrern, die das Projekt in ihre Klassen gebracht und bei den Kindern die Lust an der Zeitung geweckt haben. Die nämlich war überall zu spüren: In Aktionen, in Artikeln, in Zeichnungen und Fotos. Als Dankeschön an die Schülerinnen und Schüler gibt es heute ein großes Fest mit vielen Überraschungen im Sparkassen-Carré.