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„Popolski Show“: Polkaparty im Sudhaus

Erst haben sie sich ins WDR-Fernsehen gehackt, jetzt touren sie durch die Republik: Die Popolski-Familie sieht sich als Keimzelle des Pops. Am Freitag rockten die „bekloppsten“ Polen das Sudhaus.

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Tübingen. „Wir trinken jetzt eine Runde Wodka auf der alte polnische Sitte“, ruft Pawel Popolski in einwandfrei gebrochenem Deutsch am Freitagabend in die Menge der rund 400 Zuschauerinnen und Zuschauer. Hinter seiner schnauzbärtigen Maske versteckt sich Achim Hagemann, der langjährige Begleiter Hape Kerkelings. Während Bassist Janusz und Trompeter Henjek – deren wahre Identitäten ebenso geheim bleiben wie die der anderen Musiker – in den vorderen Reihen kleine Plastikbecher mit Wodka verteilen, erklärt der Frontmann des deutschen Comedy-Ensembles in seiner Rolle als Familienpatriarch das Prozedere: „Wir nehmen das Glas in unsere rechte Wodkahand, zählen bis vier, trinken den Wodka und werfen das Glas über unsere Schulter.“ Leises Gelächter schwappt durch das noch verhaltene Publikum, dann geht’s los: „Raz, dwa, trzy, cztery,“ zählt Pawel und die Gläser fliegen durch den Saal. Pech hat, wer genau dahinter steht: Vor dem Wodka-Regen gibt es kein Entkommen.

Zum ersten Mal spielen „The Pops“ – wie sich die neun Musiker um Achim Hagemann nennen – in Baden-Württemberg. Nachdem sie sich zum Geheimtipp des WDR-Spätprogramms gemausert haben, treten sie nun live den Beweis an, dass alle westlichen Pophits geklaut sind: In Wahrheit stammten die Charterfolge der letzten Jahrzehnte aus der Feder von Opa Popolski. Leider, so Schlagzeuger Pawel, fielen die insgesamt 128 000 Top-Ten-Hits in Hände eines skrupellosen Gebrauchtwagenhändlers, der sie an kaufwillige Weststars verramschte. „Dieter Bohlen hat gestohlen alle Hits aus Polen“, lautet deshalb eine alte Familienweisheit.

Während der gut zweistündigen „Popolski Show“ rücken die „bekloppste“ Familie ihre „nach Strich und Faden verhunzten Meisterwerke“ wieder ins richtige Licht. So wird aus „I’m outta love“ von Anastasia eine Schunkelnummer und aus dem Big-Brother-Song „Großer Bruder“ eine Ballade vom blinden Danucz an seinen Bruder Pawel. Sänger Andrzej, der mit blonden Locken und rotem Samtanzug auch als Gottschalk-Double durchgehen könnte, fordert das Publikum zum Mitmachen auf: „Seid ihr dobrze?“ ruft er immer wieder.

Um die Stimmung noch weiter anzuheizen, kommt „Cousinetta Dorota“ in einem glitzernd-roten Abendkleid von „Dolski und Gebanski“ auf die Bühne. Die laszive Schönheit hat während ihres ersten Songs gleich „eine unglaubliche Idee: Ich möchte gern, dass alle Männer singen mit mir ‚I’m a lady'!“ Und tatsächlich fiepsen sofort alle männlichen Zuschauer den Refrain, so dass Pawel anschließend befürchten muss: „Die meisten hier in Tübingen sind um diese Zeit hackedicht!“

Die Popolski-Sippe lässt im Folgenden keinen Klassiker aus dem Familienerbe aus: Der „Bekloppste“ Mirek spielte auf seiner dreihälsigen Gitarre bei der Metal-Version von „We have a dream“ ein wirres Solo, die Zwillinge Henjek und Stenjek improvisierten den „Ententanz“ auf ihren Blasinstrumenten und selbst der schüchterne Publikumsliebling Janusz kam bei „Cherry, cherry lady“ als halbnackter Crossover-Rocker im Stile von „Rage against the machine“ zum umjubelten Soloauftritt. „Hier geht der Post ab durch der Decke“, freut sich Pawel, als die Band für zwei Zugaben noch einmal auf die Bühne kommt.

01.02.2009 - 16:34 Uhr | geändert: 10.08.2009 - 20:16 Uhr

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