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Winterkorn redet Klartext

VW-Konzernchef kritisiert mangelnde Ideen in der Nutzfahrzeugsparte

Die Zahl der Auslieferungen und der Umsatz sind drastisch eingebrochen. Konzernchef Martin Winterkorn sieht daher Handlungsbedarf für die VW-Nutzfahrzeugsparte. Doch die Lage bleibt schwierig.

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ANDREAS HOENIG, DPA
Artikelbild: VW-Konzernchef kritisiert mangelnde Ideen in der Nutzfahrzeugsparte Ein VW T5 Transporter rollt im VW-Nutzfahrzeug-Werk am Standort Hannover über das Produktionsband. Foto: dpa

Hannover Martin Winterkorn nahm kein Blatt vor den Mund. Als der VW-Konzernchef bei einer Konferenz der Top-Manager auf die Lage der Nutzfahrzeugsparte zu sprechen kam, redete er Klartext. Bei VW Nutzfahrzeuge fehle es an Ideen und Konzepten, die Marke müsse ein besseres Ergebnis vorlegen, sagte Winterkorn nach Darstellung von Teilnehmern. VW Nutzfahrzeuge zählt derzeit neben der spanischen Tochter Seat zu den größten Baustellen im Konzern.

Bei Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN) mit Sitz in Hannover bestehe "Handlungsbedarf", heißt es in Konzernkreisen. Im vergangenen Jahr brachen die Zahl der Auslieferungen und der Umsatz drastisch ein, das Ergebnis sank um 16,5 Prozent auf 313 Mio. EUR. Dabei polierte der Verkauf des brasilianischen Schwerlastergeschäfts an MAN die Bilanz noch auf. Ohne diesen Sonderertrag von 600 Mio. EUR wäre VWN - wie die Nutzfahrzeugsparten von Daimler und MAN - in der Krise in die roten Zahlen gerutscht.

Die Lage bei den leichten Nutzfahrzeugen bleibe zwar schwierig, sagte Winterkorn vergangene Woche. Mittelfristig aber werde das Segment stark wachsen. "Die damit verbundenen Chancen wird die Marke Volkswagen Nutzfahrzeuge in enger Zusammenarbeit mit Volkswagen noch gezielter nutzen." Im Klartext: VWN soll stärker mit der Zentrale zusammenarbeiten und deren Kompetenzen nutzen.

Die VW-Spitze fordere von der Nutzfahrzeugsparte eine Strategie, wie die Marke wachsen könne, verlautet aus Konzernkreisen. Leichte Nutzfahrzeuge - Transporter und Stadtlieferwagen - seien ein strategisch wichtiges Segment auf dem Weg zur Nummer eins weltweit. Während Hauptkontrahent Toyota pro Jahr zwei Mio. leichte Nutzfahrzeuge verkauft, waren es bei VW 2009 gerade mal rund 360 000. Es gibt also noch Luft nach oben. Schließlich will VW bis 2018 Toyota als weltgrößten Autobauer ablösen.

VW Nutzfahrzeuge habe bislang ein klares Zukunftskonzept vermissen lassen und sich von Wolfsburg abgenabelt, heißt es. Die Konzernführung um Winterkorn wolle bei VWN nun genauer hinschauen. In der Zentrale nämlich habe sich die Erkenntnis durchgesetzt, die Nutzfahrzeugsparte ein wenig "vergessen" zu haben - aufgrund des langen Übernahme-Machtkampfs mit Porsche und der eingefädelten Allianz mit Suzuki.

Die VWN-Spitze um den neuen Markenchef und Winterkorn-Vertrauten Wolfgang Schreiber soll eine Wachstumsstrategie erarbeiten. Wie die aussehen könnte, ist unklar. Als denkbar gilt, den Lieferwagen Crafter, den VWN von Daimler fertigen lässt, künftig selbst zu bauen. Zudem soll das Nutzfahrzeugwerk neben dem Transporter T5 ein zweites Standbein bekommen. Das hat das Unternehmen seit Jahren versucht - ohne Erfolg.

19.03.2010 - 08:30 Uhr | geändert: 19.03.2010 - 10:01 Uhr
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