Die Diktatoren sind vertrieben, doch von Normalität sind viele arabische Länder noch weit entfernt. Vor allem deshalb warten Reiseländer wie Ägypten oder Tunesien auf die Rückkehr der Gäste.
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Selbst die Pyramiden von Gizeh locken derzeit keine Touristen an. Im Bild geht ein ägyptischer Polizist auf einem Kamel Streife. Foto: dpa
Hannover Mit viel Sympathie und Solidarität haben viele Europäer Aufruhr und Umbruch in der arabischen Welt verfolgt. Doch auch ein Jahr danach ist die Region von der Normalität noch weit entfernt. Auch die europäischen Touristen sind noch nicht zurückgekehrt. Die Tauchparadiese am Roten Meer, die Königsgräber und Weltwunder des Altertums, die Sonnenstrände in Tunesien - überall gibt es genügend Platz für Feriengäste.
Die meisten Urlauber lassen sich von den wiederkehrenden Unruhen abhalten, obwohl die Lage in den Ferienregionen ruhig ist und Gäste mit keinerlei Einschränkungen rechnen müssten, wie immer wieder versichert wird. Besonders stark spüren aber Anbieter von Studien- und Rundreisen die Ängste der Gäste. Beim Veranstalter Gebeco etwa ging der Ägypten-Umsatz 2011 um mehr als die Hälfte zurück.
Zum Jahrestag des Sieges der Ägypter über das Regime des Diktators Husni Mubarak haben mehrere Airlines ihre Kairo-Flüge gestrichen. Es gebe wegen Sicherheitsbedenken kaum Nachfrage, hieß es am Flughafen Kairo. Europäische Urlauber seien zum Teil auch verunsichert, weil die Islamisten die Parlamentswahl gewonnen haben, meint der Reiseexperte Karl Born von der Fachhochschule Wernigerode. Sie könnten das noch nicht recht einschätzen. "Das muss nicht so bleiben", sagt Born. Für das laufende Jahr erwartet er aber noch keine Rückkehr des Reiseziels Ägypten zu alter Stärke.
Im Land des Nil ging die Zahl der Urlauber um mehr als ein Drittel zurück. Nach Zahlen des Tourismusministeriums haben 2011 über 9 Mio. das Land besucht, ein Jahr zuvor waren es fast 15 Millionen. "Der Tourismus ist mit einem Bruttosozialprodukt-Anteil von 11,6 Prozent und 12 Prozent Anteil am nationalen Arbeitsmarkt eine der Hauptsäulen der ägyptischen Wirtschaft", sagt der Chef der Tourismusabteilung des Ägyptischen Generalkonsulats, Mohamed Gamal.
Und er fügt hinzu: "Wir sind sehr optimistisch, dass wir 2012 auf Vorrevolutionsniveau zurückkehren können." Allein aus Deutschland besuchten vor dem Fall des Mubarak-Regiemes jährlich rund 1,2 Mio. Urlauber das Land.
Noch deutlich langsamer als in Ägypten erholt sich der Tourismus in Tunesien. Reiseveranstalter wie der europäische Marktführer Tui in Hannover gehen davon aus, dass die Entwicklung auch 2012 schleppend bleibt. Die Touristikkonzerne haben ihr Angebot entsprechend angepasst. "Derzeit sind wir nicht auf dem Stand von vor der Revolution, passen die Kapazitäten aber flexibel der Nachfrage an", sagt eine Tui-Sprecherin.
Die UN-Tourismusorganisation UNWTO verzeichnete 2011 in Nordafrika ein Minus bei den Gästezahlen von 12 Prozent. Die Zahlen für einzelne Länder sind in dieser Statistik nicht enthalten. Weltweit waren Nordafrika und der Nahe Osten die einzigen Regionen, in denen die Zahl der ausländischen Besucher sank. Weltweit stieg die Zahl der Touristen um 4,4 Prozent auf den Rekordwert von 980 Millionen. Für 2012 wird ein Wachstum von 3 bis 4 Prozent erwartet.
Im laufenden Jahr könnten die arabischen Länder nach Einschätzung der UNWTO die Verluste einigermaßen wettmachen. "Eine genaue Prognose können wir aber nicht geben, weil die politischen Entwicklungen nicht abzusehen sind", sagt UNWTO-Generalsekretär Taleb Rifai.