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Drei Säulen sollen den Strommarkt stabilisieren

Stadtwerke mit integriertem Konzept

Die Stadtwerke wollen bei der Energiewende für mehr Markt und Wettbewerb sorgen. Dafür haben sie ein umfassendes Modell erarbeitet.

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DIETER KELLER

Berlin Erträgliche Strompreise, Versorgungssicherheit und Umweltverträglichkeit unter einen Hut zu bekommen, ist ein schwieriges Unterfangen. Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU), in dem über 1 400 Stadtwerke und andere kommunale Betriebe zusammengeschlossen sind, wagt sich an diese Herausforderung: Er hat den "ersten wirklich integrierten Vorschlag" erarbeitet, sagte VKU-Präsident Ivo Gönner gestern in Berlin. Die Stadtwerke stünden zur Energiewende und seien offen, neue Dienstleistungen zu übernehmen, betonte der Ulmer Oberbürgermeister.

Artikelbild: Stadtwerke mit integriertem Konzept VKU-Präsident Ivo Gönner: Die Stadtwerke stehen zur Energiewende. Foto: Lars Schwerdtfeger

Die Stadtwerke versorgen nicht nur mehr als die Hälfte der Haushalte mit Strom. Sie erzeugen auch selbst 13 Prozent davon. "Uns läuft die Zeit weg", befürchtet VKU-Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Reck angesichts der "erratischen Einzeldebatten" über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Zwar dürfte vor der Bundestagswahl im September nicht mehr viel entschieden werden. Aber innerhalb von drei Jahren müssten die Weichenstellungen erfolgen. Das Konzept besteht aus drei Säulen:

Leistungsmarkt: Für die Versorgungssicherheit beim Strom gibt es derzeit kein Geld. Die Folge: Es werden zu wenig konventionelle Kraftwerke, etwa für Gas, gebaut. Denn sie rechnen sich nicht mehr, weil die Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien Vorrang hat. Der VKU will für die Bereitstellung von gesicherter Stromerzeugung ein Entgelt einführen. Der Preis dafür soll sich am Markt bilden. Dafür werden Leistungszertifikate ausgegeben, die auf einem Marktplatz gehandelt werden.

Förderung der erneuerbaren Energien: Der VKU will sie fortsetzen, wenn sie wie Solar- oder Windstrom noch nicht wirtschaftlich sind. Allerdings soll es für neue Anlagen nicht mehr 20 Jahre lang eine Garantie für Abnahme und Preis geben, sondern Investitionskostenzuschüsse, und das unterschiedlich je nach Technologie und Region. Den Strom sollen die Anlagenbetreiber selbst vermarkten. Damit hätten sie einen Anreiz, dass die Anlagen auch tatsächlich laufen.

Regulierung der Stromnetze: Das Konzept setzt bei den örtlichen Verteilnetzen auf einen "intelligenten" Um- und Ausbau, um die schwankende Einspeisung aus erneuerbaren Energien zu bewältigen. Dazu müssen die Netzbetreiber investieren, und hierfür benötigen sie Investitionssicherheit. Eine intelligente Steuerung und bessere Abstimmung von Stromerzeugung und -verbrauch kann vermeiden, dass erzeugter Strom nicht genutzt werden kann. Zudem ist dies im Bereich niedriger und mittlerer Stromspannungen eine Alternative dazu, viele neue Kabel zu verlegen, was nach Aussage von Experten doppelt so teuer wäre. Zusätzliche Übertragungskapazitäten wären nur bei Überlandleitungen erforderlich.

Das alles erfordert bis 2050 mindestens 100 Mrd. EUR Investitionen einschließlich des Baus von Ersatzkraftwerken. Allein der Ausbau der Verteilnetze könnte etwa 15 Mrd. EUR kosten. Bei den Hochspannungs-Übertragungsnetzen wird mit doppelt so viel gerechnet. "Der Strom wird sicher nicht günstiger", dämpft Reck Hoffnungen. Ziel sei eine Dämpfung der Preisentwicklung: "Wir müssen mit moderaten Zuwächsen rechnen."

Das Konzept will Gönner in der nächsten Woche im Kanzleramt vortragen. Der VKU gibt sich gesprächsbereit mit allen Beteiligten.

02.03.2013 - 08:30 Uhr | geändert: 04.03.2013 - 18:34 Uhr

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