Sparkassen im Südwesten verdienen rund 900 Millionen Euro
Die Sparkassen in Baden-Württemberg verdienen ganz ordentlich an ihrem soliden Ruf. Immer mehr Kunden legen bei ihnen ihr Geld an, private wie gewerbliche - trotz magerer Zinsen.
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ANDREAS BÖHME
Peter Schneider, Präsident des baden-württembergischen Sparkassenverbandes: "Die Kunden fragen vor allem nach der Sicherheit des Geldes." Archivfoto
Stuttgart "Sehr zufrieden" ist Sparkassenpräsident Peter Schneider angesichts der Bilanz des vergangenen Jahres: Unterm Strich bleiben den Sparkassen in Baden-Württemberg gut 900 Mio. EUR Gewinn, das sind 6,5 Prozent mehr als im vorvergangenen Jahr. Die Bilanzsumme von rund 175 Mrd. EUR ist minimal gestiegen, der Südwest-Verband bleibt damit der größte bundesweit.
Die Kundeneinlagen liegen jetzt bei 115 Mrd. EUR, knapp drei Viertel kommen von Privatpersonen, der Rest stammt im Wesentlichen von Unternehmen und Selbstständigen, die ihre Einlagen um fast die Hälfte erhöhten. Dabei geht Sicherheit vor Rendite: Die Kunden fragen seit dem Krisenjahr 2008 nicht mehr nur nach der höchsten Rendite, "sondern in erster Linie nach der Sicherheit des Geldes", sagt Schneider.
Erstmals überstiegen die Kreditvergaben die Grenze von 100 Mrd. EUR. Neu zugesagt wurde Baugeld von mehr als 6 Mrd. EUR, das entspricht dem durchschnittlichen Wert von mehr als 30 000 Bauvorhaben.
Gleichwohl müssen die Sparkassen mehr als 0,4 Mrd. EUR abschreiben, davon allerdings nur rund 50 Mio. EUR für faule Kundenkredite, dies ist der historisch niedrigste Wert. Der Löwenanteil der Wertberichtigungen geht vielmehr drauf für die 2007 getätigte Beteiligung an der Landesbank Berlin. Heute bereut der Verband das Engagement. "Wenn man aus der Kirche herauskommt, ist man eben schlauer als vorher", sagte Schneider. Das historische Ausmaß der Krise habe niemand vorhergesehen, der Einstieg sei erfolgt in einer Phase, "wo die Wertigkeit für Kreditanstalten eben noch hoch war."
Angesichts der guten Geschäftslage bekräftigte der baden-württembergische Sparkassenpräsident seine Kritik an der unter dem Stichwort Basel III geplanten stärkeren Bankenregulierung. "Auch wenn einzelne neue Vorschriften für sich genommen sinnvoll erscheinen, bilden alle Pläne zusammen ein solches Bollwerk, dass uns eine regulatorische Kreditklemme droht", sie die mittelständische Wirtschaft dramatisch verändern würde.
Änderungen seien dringend nötig, denn, so der CDU-Landtagspolitiker, "die Politik vergisst oft, dass das Geld für diese Vorhaben aus den Gewinnen abgezweigt werden muss und dann nicht mehr für die Kreditvergabe zur Verfügung steht".