Nach der Krise muss der Wolfsburger Konzern drei Marken sanieren
Die Krise ist auch am VW-Konzern nicht spurlos vorüber gegangen. Immerhin schreiben die Wolfsburger jedoch noch schwarze Zahlen. Auf VW-Chef Winterkorn wartet dennoch viel Aufräumarbeit.
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VW-Chef Martin Winterkorn kann für 2009 Gewinn ausweisen. Foto: dpa
Wolfsburg Der VW-Konzern schreibt im Gegensatz zu anderen Autobauern keine roten Zahlen. Der Gewinn der Wolfsburger brach jedoch im Vergleich zum Vorjahr um rund 80 Prozent auf 911 Mio. EUR ein. Das operative Ergebnis sank um rund 70 Prozent auf 1,85 Mrd. EUR, der Umsatz um 7,6 Prozent auf rund 105,2 Mrd. EUR.
Konzernchef Martin Winterkorn steht nun aber vor vielen Baustellen: Drei Marken stecken tief in der Verlustzone, das Kerngeschäft wirft auch kaum Geld ab und bei der Integration von Porsche sind unliebsame Entscheidungen fällig. Die größten Hausaufgaben für Winterkorn heißen aber zweifellos Seat, Bentley und Nutzfahrzeuge. Alle drei Töchter verlieren Geld.
Für Seat kündigte der VW-Vorstand einen Sanierungsplan an: Seat fuhr 2009 einen operativen Verlust von 339 Mio. EUR ein, nachdem schon 2008 ein Minus von 78 Mio. EUR angefallen waren. Auch 2010 wird Seat die Gewinnschwelle nicht erreichen. VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch kündigte ein "umfassendes Programm" an, um die Marke wieder in die Gewinnzone zu führen. Seat ist seit Jahren der große Problemfall. Bei der britischen Luxustochter Bentley schob der Konzern den Einbruch auf die Krise, wie auch im Nutzfahrzeuggeschäft.
Die Hauptmarke VW verdiente zwar noch Geld, aber mit einem Nettogewinn von 160 EUR pro Auto nur wenig. Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer kommt zu dem Schluss, VW arbeite trotz Baukastenstrategie bei kleinen Fahrzeugen unrentabel und habe ein Kostenproblem. Die hohen Einsparungen aus der Epoche des früheren VW-Markenchefs Wolfgang Bernhard seien aufgebraucht. Winterkorn kündigte dagegen höhere Absätze wie auch höhere Gewinne an. Außerdem soll die Produktivität steigen.
Richtig Freude machen Winterkorn eigentlich nur Audi und China: Audi war größter Gewinnbringer im Konzern mit 1,6 Mrd. EUR. 2008 hatte der Gewinn aber noch 2,7 Mrd. EUR betragen. In China verdiente VW 774 Mio. EUR und verkaufte 1,4 Mio. Autos.
Winterkorn setzt auf neue Modelle: Er will im laufenden Jahr 70 Neuheiten auf den Markt bringen, darunter den Kleinwagen Audi A1 und die erneuerten VW Touareg und Passat. Bei der neuen Tochter Porsche muss Winterkorn neben der Finanzierung des Geschäfts vor allem die Integration in die VW-Modellpalette schaffen.
Der Konzernchef kündigte ein gemeinsames Sportwagenkonzept für Porsche und die anderen Marke an. Solche Pläne wecken in Stuttgart schnell Ängste wegen der Eigenständigkeit der selbstbewussten Marke. Winterkorn sagte, das neue Modell könne sich an der erprobten Zusammenarbeit bei den Geländewagen orientieren. Hier basieren der Porsche Cayenne, der VW Touareg und der Audi Q7 auf der selben Technik. Nun muss Winterkorn vor allem die Porsche-Kunden davon überzeugen, dass etwa ein VW-Scirocco, ein Audi TT und ein kleiner Porsche Brüder sein können, der Porsche aber ein paar Tausend Euro teurer.
VW hatte im vergangenen Jahr den Übernahme-Machtkampf mit dem Sportwagenbauer Porsche gewonnen. Das Stuttgarter Unternehmen soll nun als zehnte Marke in den Konzern integriert werden. Eine Allianz mit dem japanischen Konkurrenten Suzuki soll die Position in Asien und bei den Kleinstwagen stärken. "2009 war für Volkswagen ein echtes Schlüsseljahr."
Für den Zusammenschluss von Volkswagen und Porsche haben Winterkorn und Pötsch je 800 000 EUR Sonderprämie, die übrigen Vorstandsmitglieder 200 000 EUR für "besondere Leistungen" erhalten. Insgesamt verdienten die fünf Vorständerund 18,7 Mio. EUR. apn/dpa