Ladenhüter sind auch im Modehandel mehr als unbeliebt. Aber was machen die Händler mit den Klamotten, die sie bis zum Ende der Saison nicht loswerden? Die Möglichkeiten sind begrenzt.
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Manchmal nutzen auch die Ausverkaufsschilder "Sale" nichts. Ladenhüter gibt es in jeder Saison. Foto: dpa
Köln Der Sommerschlussverkauf ist längst vorbei, aber eine Reihe von Trägerhemdchen und kurzen Hosen findet einfach keine Abnehmer. Einige Teile drohen zu ungeliebten Ladenhütern zu werden. "Viele Möglichkeiten, was er dann damit machen kann, bleiben dem Händler nicht", sagt der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands des Deutschen Textileinzelhandels (BTE), Jürgen Dax, in Köln. "Weiter reduzieren" sei meistens noch die beste von mehreren schlechten Alternativen.
So macht es auch Carl Jakob, Geschäftsführer des Traditionskaufhauses Pieper in Saarlouis: "Die Sachen werden so lange reduziert, bis sie einen Abnehmer finden." Diesen Sommer seien in seinem Haus zum Beispiel Espandrilles - Sommerlatschen - ein Flop gewesen. "Die mit den Schleifen wollte keiner haben. Dann haben wir sie von 20 EUR nach und nach immer weiter heruntergesetzt bis auf 1 EUR - und dafür gehen sie jetzt endlich weg." Dass er bei solchen Artikeln Verluste macht, sei nun mal nicht zu vermeiden, sagt Jakob. "Wir planen Reduzierungen schon beim Einkauf mit ein. Das muss in der Kalkulation berücksichtigt werden." So werde etwa bei der Damenoberbekleidung von vornherein einkalkuliert, dass am Ende 10 bis 20 Prozent der Ware nicht zum regulären Preis verkauft werden können.
Die Höhe dieser sogenannten Abschriftenquote im Modehandel schwanke und sei unter anderem abhängig von kaufmännischem Geschick, von Konsumfaktoren wie dem Wetter und vom "Modegrad", erläutert Dax. "Bei extrem modischen Teilen ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie am Ende übrig bleiben, größer als bei Klassikern wie blauen Jeans."
Bei der Kalkulation ist für den Händler auch entscheidend, ob er selbst die Kleidung günstig einkaufen konnte. Und je nachdem, wie viel er dann auf den Einkaufspreis draufgeschlagen hat, gibt ihm das mehr oder weniger Spielraum für Rabatte. "Wenn man nicht gerade mit sehr teurer Ware handelt, muss man 70 bis 80 Prozent davon zum regulären Preis loswerden, sonst rentiert sich das nicht", sagt der Verbandschef.
Wegen der schnellen Kollektionswechsel bringe es nichts, übrig gebliebene Klamotten zu horten, um sie in der nächsten Saison erneut anzubieten. "Die Mode ändert sich so schnell, da wollen die Kunden die alten Sachen nicht mehr haben", sagt Dax. Viel mehr als einen Rabatt-Ständer mit Vorjahres-Artikeln könne sich ein Händler in seinem Laden auch kaum erlauben. "Denn das sieht nicht schön aus, es gibt zu wenig Platz dafür und meistens ist die Ware ja auch von der Bank vorfinanziert." Manche Händler versuchen, reduzierte Ware mit Hilfe besonderer Verkaufsaktionen endgültig loszuwerden - zum Beispiel zwei Teile zum Preis von einem, oder ein kleines Geschenk als Zugabe.
Noch vor 20, 30 Jahren sei überschüssige Bekleidung containerweise in Richtung Osten verkauft worden - doch heute wolle dort längst niemand mehr die Sachen haben, erzählt Dax. Stattdessen tauchten solche Kleidungsstücke nun manchmal in Entwicklungsländern auf. Dies seien aber eher Einzelfälle, denn von Hilfsorganisationen werden solche Kleiderexporte kritisiert, weil sie die dortige Wirtschaft beeinträchtigen könnten. Eher ungern gäben die Geschäftsleute die Klamotten auch an die Kleiderkammern sozialer Einrichtungen, da dies steuerliche Nachteile bringe. dpa