Die Maschinenbauer hat die Krise extrem getroffen. Der Rückschlag fiel mit minus 25 Prozent so stark aus, wie zuletzt in den 50er Jahren. Die Branche hätte 100 000 Stellen streichen müssen.
Anzeige
ROLF OBERTREIS
Die Maschinenbauer sehen wieder Licht am Ende des Tunnels. Im Bild nimmt ein Mitarbeiter des Bielefelder Maschinenbauers Gildemeister in einer Werkzeugmaschine Maß. Foto: dpa
Frankfurt Die deutschen Maschinenbauer schöpfen zwar wieder Hoffnung und wollen die Produktion jetzt nach einem Einbruch um 25 Prozent im vergangenen Jahr zumindest halten. Eine Garantie für die Arbeitsplätze ist dies allerdings nicht, wie Manfred Wittenstein, Präsident des Branchenverbandes VDMA, in Frankfurt verdeutlichte.
"Aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht hätten die Unternehmen 2009 vermutlich über 100 000 Mitarbeiter abbauen müssen", sagte Wittenstein, der auch Chef der Igersheimer Wittenstein AG ist. Tatsächlich haben die Maschinenbauer vor allem dank Kurzarbeit und dem festen Willen vieler Firmen, bewährte Mitarbeiter zu halten, nur rund 34 000 Stellen gestrichen, so dass Ende Dezember noch 920 000 Menschen beschäftigt wurden. Eine Beschäftigungsprognose für 2010 wagt er nicht.
Ob es wieder moderat zugeht, hängt nach Ansicht von Wittenstein nicht nur vom Auftragseingang ab, sondern auch von der Bereitschaft der Banken, Betriebsmittelkredite zu gewähren. "Nur damit können viele Maschinenbauer die Produktion vorfinanzieren. Es gibt aktuell keine Kreditklemme, aber die Finanzierungsbedingungen sind schwieriger geworden."
Die Banken sollten nicht zu sehr auf die Vergangenheit schauen, "sondern viel stärker die langfristige Stabilität in den Mittelpunkt stellen." Dass die Maschinenbauer noch über Liquidität verfügen, liegt laut VDMA-Präsident auch daran, dass sie in den letzten Jahren das Eigenkapital kontinuierlich verstärkt hätten. Die Quote stieg von 30 Prozent im Jahr 2000 auf 34 Prozent im Jahr 2008.
Auch wegen dieser Stärke haben die Unternehmen den dramatischsten Produktions- und Umsatzeinbruch der Nachkriegszeit im vergangenen Jahr bislang mit überschaubaren Blessuren überstanden. "Selbst für den Maschinenbau, der starke Ausschläge gewohnt ist, kam es 2009 knüppeldick," sagt Wittenstein. Die Produktion brach um knapp 25 Prozent auf 151 Mrd. EUR ein, der Umsatz ebenfalls um 25 Prozent auf rund 160 Mrd. EUR. Der Auftragseingang rutschte um 38 Prozent ab. Die Anlagen waren zeitweise zu weniger als 70 Prozent ausgelastet. Die Netto-Umsatzrendite rutschte von 5,8 auf 1,5 Prozent ab.
Allein Zuwächse von gut 4 Prozent im Geschäft mit China verhinderten ein noch schlechteres Ergebnis. China ist mittlerweile mit einem Anteil von gut 10 Prozent wichtigster Exportmarkt für die deutschen Maschinenbauer vor den USA, die bei knapp 8 Prozent liegen, aber 2009 um ein Drittel abgerutscht sind. Schlimmer als Deutschland hat es unter den führenden Maschinenbauländern nur Japan erwischt. Hier brach der Umsatz 2009 um 40 Prozent ein.
Die Aussichten für 2010 sind nach Ansicht von Wittenstein besser, aber nicht rosig. Der aktuelle Auftragsbestand reicht noch dreieinhalb Monate. Die Talfahrt sei zwar im Spätsommer 2009 beendet worden, aber auch die ersten Monate 2010 werden noch schwierig. Erst danach sieht der VDMA-Präsident wieder Plus-Zeichen bei der Produktion, so dass insgesamt das Niveau von 2009 gehalten werden könne. "Die Impulse kommen dabei inzwischen eindeutig aus dem Ausland." Insgesamt sei die Investitionsneigung aber immer noch gering. Mittel- und langfristig hofft Wittenstein, dass die deutschen Maschinenbauer von Klimaschutz und dem Druck zu mehr Energieeffizienz deutlich profitieren.
Extrem unzufrieden sind die Maschinenbauer mit der Bundesregierung. Wittenstein klagt über "Richtungsstreit und Orientierungslosigkeit," hält die Mehrwertsteuersenkung für Hotels für "skandalös". Er warnt die Regierung davor, Opel erneut unter die Arme zu greifen. Wenn jedes Unternehmen seine eigenen Interessen verfolge, sei der Staat überfordert. "Würden die Maschinenbauer bezogen auf ihre Beschäftigten ähnliche Forderungen stellen, müssten wir einen Antrag auf Staatshilfe in Höhe von 54 Mrd. EUR einreichen."