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Ware Bewertung

Im Internet wird oft geschummelt

Urlaubsplanung steht an. Auf wen kann man sich verlassen? Das Reisebüro? Den Urlaubskatalog? Am besten auf jemanden, der schon dort war. Bewertungsportale wollen das bieten. Aber es wird gemogelt.

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THOMAS VEITINGER
Artikelbild: Im Internet wird oft geschummelt

Ulm Wenn einer eine Schifffahrt macht, dann kann er was erzählen. Etwa das: "Das Personal hat auf dem gesamten Schiff einen insgesamt unqualifizierten und nicht geschulten Eindruck hinterlassen." Dies schreiben "Michaela&Uwe" auf dem Internet-Bewertungsportal Holidaycheck. "Die Rettungsübung: Der Supergau überhaupt", heißt es da weiter. Während der Übung habe es ein großes Durcheinander um die Rettungsboote gegeben. Kein Wunder: Michaela und Uwe beobachteten im Dezember 2011 etwas, das sie einen Monat später auch als Ernstfall hätten erleben können - auf ihrem Schiff, der Costa Concordia.

Artikelbild: Im Internet wird oft geschummelt

Diese Bewertung und ihre schlechten Noten für Service und Gastronomie haben möglicherweise Interessenten von einer Buchung auf dem später gekenterten Kreuzfahrtschiff abgehalten. Bewertungsportale im Internet wollen Interessenten informieren und Veranstalter, Wirte, Hoteliers oder Produkt-Hersteller dazu bringen, besser zu werden. Heute gibt es kaum eine Ware oder Dienstleistung, die nicht irgendwo besprochen wird. Ob Kreissäge, Windel, Malerarbeit oder der Kaiserschmarrn im österreichischen Restaurant drei Straßen weiter: Es gibt immer einen, der was zum Loben und zum Kritisieren hat.

Besonders beliebt sind Reisebewertungen: Von den 49 Mio. Deutschen mit Internetzugang informieren sich 35 Millionen online über ihren Urlaub, berichtet der Verband Internet Reisevertrieb (VIR). Auf Bewertungsportalen wie Tripadvisor, Hotelkritiken oder Holidaycheck lassen sich die Erfahrungen der Gäste nachlesen und manchmal sogar Bilder und Videos vom Hotel, Zimmer, Buffet oder der Umgebung betrachten. Im Idealfall vermeiden Reisende in den schönsten Wochen des Jahres dreckige Betten, laute Straßen oder nervende Animationen.

Dabei geht es aber auch um viel Geld. Die Abteilung ECC Handel der Universität Köln hat herausgefunden, dass sich die Kaufwahrscheinlichkeit bei Webshops mit guten Bewertungen um fast 40 Prozent erhöht. Entsprechend groß scheint die Versuchung, durch selbstverfasste Meinungen nachzuhelfen. So, wie auf anderem Gebiet Helmut Hoffer von Ankershoffen Lobeshymnen auf sein eigenes Produkt, den iPad-Konkurrenten We Tab, im Online-Shop Amazon verfasste, prompt damit aufflog und seinen Posten räumen musste. Oder eine Agentur auf dem Preisvergleichsportal von T-Online anscheinend selbst Bewertungen anfertigte, um eine rege Debatte vorzutäuschen.

Experten gehen davon aus, dass 10 bis 30 Prozent aller Reise-Bewertungen falsch sind. Dabei übernehmen Portale in einer digitalisierten, globalisierten Welt das, was früher von Freunden, Kollegen oder Nachbarn stammte: Die direkte persönliche Empfehlung. In einer Umfrage halten 95 Prozent der Nutzer die Online-Meinungen für richtig - gleichzeitig rechnet die Hälfte mit Manipulationen.

Falk Murko von der Stiftung Warentest erkennt aber keine massiven Fälschungen im Internet. "Die Gefahr völlig unterschiedlicher Einschätzungen ist größer." So werden manche Hotels von den Gästen gegensätzlich bewertet. Murko: "Das ist wie bei der Partnervermittlung auch." Ein Problem, das Ulrich Cramer kennt. "Manche finden eine supermoderne Einrichtung gut, andere Gelsenkirchener Barock", berichtet der Sprecher von Holidaycheck, das in Bewertungsportal-Vergleichen der Stiftung Warentest zweimal vorne lag. "Wichtiger ist die in Bewertungen geschilderte Stimmung und Atmosphäre."

2000 Bewertungen werden auf Holidaycheck abgegeben - täglich. "Wir beschäftigen 60 Mitarbeiter, die nach auffälligen Bewertungen schauen." Software kontrolliert 16 verschiedene Bereiche, um Hoteliers zu finden, die sich selbst loben oder ehemalige Gäste, die den Oberkellner als Affen oder Schlimmeres bezeichnen. Beschimpfungen, Rassistisches und Sexuelles sollen keinen Platz finden.

Kommt ein Manipulations-Verdacht auf, wird von Holidaycheck auch schon mal beim Verfasser angerufen und nach der Rechnung gefragt. 33 000 Hoteliers der bewerteten 131 000 weltweiten Unterkünfte können auf Bewertungen reagieren und etwa online Verbesserung versprechen. Wenn der Besitzer eines Hotels beharrlich zur Tastatur greift und Falsches über sich verbreitet oder sogar eine Service-Agentur beauftragt, Schlechtes besser zu machen, dann hat Holidaycheck seit neuesten noch ein schärferes Schwert: Die Hinweise "Verdacht auf Manipulation" oder als weiteren Schritt "Achtung, Manipulation" können bei den Bewertungen eingeblendet werden. Als letzte Stufe wird strafrechtlich gegen Fälscher vorgegangen. "Doch das ist ein absoluter Einzelfall", sagt Cramer.

Mehr als 2,2 Mio. Hotelbewertungen wurden mittlerweile allein auf Holidaycheck verfasst. 21 000 für Schiffe kommen noch dazu - unter ihnen die von Michaela und Uwe, die die Überschrift trägt "Schlechteste Kreuzfahrt mit Costa" und die Worte enthält: "Oh, oh."

Info http://www.holidaycheck.de; http://www.tripadvisor.de; http://www.hrs.de; http://www.qype.de; http://www.my-hammer.

de; https://arzt.weisse-liste.de/ (erst im Januar gestartet)

28.01.2012 - 08:30 Uhr

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