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EU ohne Großbritannien?

Das Thema Europa spaltet das Königreich

Die britische Regierung spielt mit der Idee, aus der EU auszutreten. Während die Finanzbranche über die EU-Regelungswut klagt, fürchtet die Realwirtschaft die Folgen. Denn es gibt enge Verknüpfungen.

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DPA

London Ist der Umgang von Großbritanniens Premierminister David Cameron mit der EU volkswirtschaftlicher Selbstmord, wie viele Kritiker meinen? Oder ist sein gewagtes Spiel mit dem möglichen EU-Austritt seines Landes vielleicht sogar heilsam für die angeschlagene heimische Wirtschaft? Die Meinungen auf der Insel sind gespalten. Cameron bekommt für seine eurokritische Haltung nicht nur von der Finanzindustrie, sondern auch von kleinen Unternehmen ohne Exportambitionen Rückendeckung. Sie fühlen sich von der EU überreguliert, geradezu gegängelt.

Das gilt auch für viele Banker und Börsianer. "Camerons Vorstoß sei gut fürs Geschäft und gut für Jobs in Großbritannien", schreiben sie. Durch europäische Regelungen wie zur Finanztransaktionssteuer oder zur Bankenunion fühlt sich die zuletzt schwer geschrumpfte Londoner City in die Enge getrieben. Brüssel hindere sie nur an Geschäften mit der weiten Welt. "Wir sehen uns als ein globales Land, mit globalen Interessen und globaler Reichweite", sagte Cameron gestern.

Für große Teile der britischen Realwirtschaft mit Handelsbeziehungen zum Kontinent ist ein Verprellen von EU-Partnern dagegen Gift. Allein die Jahre andauernde Verunsicherung, dass Großbritannien nach 2017 die Union verlassen könnte, hat das Potenzial, immensen Schaden anzurichten. Vizepremier Nick Clegg von den europafreundlichen Liberaldemokraten warf Cameron deswegen auch vor, sein eigenes, parteipolitisches Süppchen zu kochen. "Ich glaube, das entmutigt Investoren, hemmt Wachstum und blockiert neue Arbeitsplätze, was unsere oberste Priorität bleiben muss", sagte Clegg.

Sollte das britische Volk bis zum Jahr 2017 tatsächlich für einen Ausstieg aus dem ungeliebten Projekt EU stimmen, könnte für die Briten damit auch eine Abkehr vom Binnenmarkt verbunden sein - eine Vision, die im Vereinigten Königreich derzeit niemand voraussagen mag. Schließlich bedeutet Europa auch die Kaufkraft von rund 500 Mio. Menschen.

Rund 50 Prozent der britischen Exporte von insgesamt 473 Mrd. US-Dollar gingen 2011 in Länder der EU. Zölle und Handelsschranken würden Milliarden verschlingen, vermutlich deutlich mehr als die 5,6 Mrd. EUR, die Großbritannien derzeit als Nettozahler in den EU-Topf einspeist.

Vielleicht noch schlimmer: Großbritannien wäre dann auch nicht mehr Teil von Freihandelsabkommen der EU, etwa mit Südkorea. Einem geplanten Abkommen mit den USA hat Cameron selbst gestern eine enorme Bedeutung beigemessen. Es könnte die Volkswirtschaften der EU um 50 Mrd. Pfund (rund 60 Mrd. EUR) wachsen lassen. Für Investoren aus Übersee wäre der Standort Großbritannien um eine Attraktion ärmer: die Brückenkopffunktion in Europa. Der japanische Autobauer Toyota soll seine Ansiedlung in Großbritannien nahezu ausschließlich diesem Grund untergeordnet haben.

Doch auch für die EU hätte ein Austritt Großbritanniens - vom politischen Flurschaden ganz abgesehen - auch enorme wirtschaftliche Folgen. Für Länder wie Irland ist die Nachbarinsel der größte Handelspartner. Auch Deutschlands Auslandslieferungen gehen zu mehr als 11 Prozent auf die Insel. 2011 hatte Deutschland Waren für umgerechnet 65 Mrd. EUR ins Königreich geliefert und Güter für knapp 45 Mrd. EUR von dort gekauft.

25.01.2013 - 08:30 Uhr

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