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Ehrenrettung für den Einzelhandel

DM bezieht Position beim Mindestlohn

Schleckers umstrittene Zeitarbeit fällt offenbar auf die ganze Branche zurück. DM grenzt sich ab - aber auch von staatlichen Mindestlöhnen.

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HELMUT SCHNEIDER

Karlsruhe Die Sache sei ein bisschen "diffizil", sagte Erich Harsch gestern vor der Presse. Die hatte der Chef des Drogeriemarkt-Unternehmens DM gestern weniger wegen der aktuellen Halbjahreszahlen in seine Zentrale nach Karlsruhe geladen - DM äußerte sich zu einem Thema, das nicht zuletzt der große Konkurrent Schlecker in die politische Diskussion und sich selber dabei in Verruf gebracht hatte: der Mindestlohn im Einzelhandel allgemein und in der Drogerie-Branche im besonderen.

Diffizil ist die Sache für DM deshalb, weil das Unternehmen selber - anders als Schlecker - keine negativen Schlagzeilen mit Leiharbeitern in fragwürdigen Zeitarbeitsfirmen gemacht hat und auch mit Mini-Löhnen nichts zu tun hat. Dennoch wolle man nun Stellung beziehen, "denn Schlecker berührt uns alle", sagte Harsch. In der Öffentlichkeit werde nämlich der Einzelhandel und die Drogisten-Branche mit schlecht bezahlten und behandelten Mitarbeitern in Verbindung gebracht. Dieses Zerrbild will DM zurechtrücken.

Der Karlsruher Konzern bündelt seine Position in vier Punkte:

Die Mitarbeiter im Einzelhandel müssen von ihrem Einkommen auskömmlich leben können.

Ein gesetzlicher Mindestlohn wäre ein Rückschritt hinter die soziale Errungenschaft differenzierter Tarifverträge.

Die Politik darf keine Löhne und Gehälter bestimmen, auch keine Mindestlöhne. Sie ist zu weit von der Wirklichkeit in den Betrieben und Branchen weg.

DM ist für die Allgemeinverbindlichkeit der jeweiligen Branchentarifverträge - aber anders als der Hauptverband des Einzelhandels (HDE) nicht nur beim Basisentgelt, sondern bei den verschiedenen Stufen der Entgelttabelle.

Harsch hob auf eine Unternehmensphilosophie ab, die den Mitarbeiter nicht nur als Kostenfaktor sieht, sondern als Schlüssel zum Unternehmenserfolg. DM wurde bekanntlich von Götz W. Werner gegründet, der mit seinem Modell des bedingungslosen Grundeinkommens einen viel beachteten Beitrag zur Umgestaltung des Sozial- und Steuersystems lieferte.

Bei DM sei nicht Größe, Expansion und die Gewinnmaximierung das Ziel. Man verfolge vielmehr auch bei der Mitarbeiterführung eine gewissermaßen nachhaltige Politik - der wirtschaftliche Erfolg sei dann eher eine Folge davon. In Zukunft, so Harsch, vermutlich noch mehr, weil die Kunden eine sozial nachhaltige Unternehmensphilosophie honorierten: "Die Menschen spüren die Grundhaltung, die ein Unternehmen hat."

Bei DM liegt der durchschnittliche Stundenlohn zwischen 12 und 13 EUR. Die Mitarbeiter kommen darüber hinaus in den Genuss einer Erfolgsbeteiligung, die 1 bis 2 Prozent oder auch mehr des Jahreseinkommen ausmachen kann.

15.04.2010 - 08:30 Uhr

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