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Geldbranche in der Krise

Commerzbank streicht 6000 Stellen

Die teilverstaatlichte Commerzbank streicht in Deutschland 4600 Stellen. Auch bei der Allianz-Bank und der Hypo-Vereinsbank fallen tausende Arbeitsplätze weg. Die Geldbranche steckt in Schwierigkeiten.

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ROLF OBERTREIS

Frankfurt Niedrige Zinsen, dümpelnde Konjunktur, schwaches Privatkundengeschäft, stagnierende Kreditnachfrage der Unternehmen: Die Zeiten für Banken bleiben schwierig. Deshalb sind weitere Kosteneinsparungen in den Augen der Vorstände unausweichlich. Die gestern bestätigte Streichung von weltweit bis zu 6000 Arbeitsplätzen - davon 4600 in Deutschland - bei der Commerzbank, das Aus der Allianz Bank zur Jahresmitte mit dem Verlust von 450 Stellen und der Abbau von vermutlich 600 Jobs bei der Hypo-Vereinsbank sind die fast logische Konsequenz.

Artikelbild: Commerzbank streicht 6000 Stellen Vor zwei Jahren übernahm die Commerzbank die Dresdener Bank und legte sich ein neues Logo zu (Foto). Seither hat die Bank mit ihren 1200 Filialen fast 10 000 Arbeitsplätze gestrichen. Und der Kahlschlag geht weiter. Foto: dpa

Möglicherweise werden auch Anshu Jain und Jürgen Fitschen, die Chefs der Deutschen Bank, auf der Jahres-Pressekonferenz am 31. Januar für ihr Haus weitere Einschnitte über den bislang bekannten Abbau von 2000 Stellen verkünden.

Gleichwohl ist der Kostendruck bei der teilverstaatlichten Commerzbank erheblich größer. Bereits in der vergangenen Woche war durchgesickert, dass bis 2016 zwischen 4000 und 6000 Banker gehen müssen, das sind rund 10 Prozent der gesamten Belegschaft. Vorstandschef Martin Blessing hatte schon im November einen solchen Personalabbau angedeutet.

Finanz- und Staatsschuldenkrise, Probleme mit der Schiffsfinanzierung, schwache Konjunktur und niedrige Zinsen hatten das Betriebsergebnis der Bank zuletzt belastet. Es war zwar im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen. Aber nur, weil im Jahr zuvor erhebliche Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen ins Kontor geschlagen hatten. Im eigentlichen Bankgeschäft aber hapert es massiv: Der Gewinn der Privatkundensparte rutschte um fast 40 Prozent ab.

Über die Details der Einschnitte soll ab Februar mit dem Betriebsrat verhandelt werden. Dort und bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi spricht man von "Horror-Katalog" und "Frontalangriff". Dies sei mit guten Bankdienstleistungen gerade im Kundengeschäft nicht vereinbar. Wie lange sich die Gespräche hinziehen werden, ist unklar. "Wenn wir unsere Ertrags- und Wachstumsziele unter anhaltend schwierigen Rahmenbedingungen erreichen wollen, sind Anpassungen der Personalstruktur notwendig", sagt dagegen Personalvorstand Ulrich Sieber.

Zumindest einen Teil des Abbaus kann die Bank über die natürliche Fluktuation, als normale Kündigungen sowie altersbedingtes Ausscheiden auffangen. Die Fluktuationsrate hatte 2001 bei 5,7 Prozent gelegen. Das entspreche aktuell etwa 3200 Stellen. Fest steht nur, dass die hochprofitable Direktbank-Tochter Comdirect und die dort beschäftigten 1200 Mitarbeiter ebenso von der Sparrunde ausgenommen werden wie die 6300 Beschäftigten bei der BRE-Bank, dem Commerzbank-Ableger in Polen.

Der Druck, der derzeit auf den Banken lastet, zeigt sich auch an der Schließung der defizitären Allianz-Bank, die der Versicherungskonzern gestern bekannt gab. Dort fallen Ende Juni 450 Stellen weg. Im hart umkämpften Privatkundengeschäft habe man nicht profitabel wachsen können, heißt es in München. Dem muss auch die Hypo-Vereinsbank Tribut zollen. Dort werden angeblich bis Ende 2014 rund 1000 der 17 000 Stellen in Deutschland gestrichen und etwa 45 der rund 780 Filialen geschlossen.

Beobachter schließen zudem nicht aus, dass auch die Deutsche Bank in der nächsten Woche, wenn sie die Zahlen für 2012 vorlegen, einen größeren Personalabbau bekannt geben. Beim größten deutschen Geldhaus sind im vergangenen Jahr schon 2000 Stellen gekappt worden. Die beiden Vorstandschefs wollen die Kosten bis 2015 um jeweils 4,5 Mrd. EUR pro Jahr drücken.

25.01.2013 - 08:30 Uhr

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