3D ist der Publikums-Hit auf der Cebit. Dreidimensionale Bilder stehen vor dem Durchburch. Bereits jetzt gibt es Fernseher und Video-Kameras. Auch Städteplaner und Mediziner könnten profitieren.
Anzeige
KLAUS GÜRTLER, APN
Messebesucher betrachten mit 3D-Brillen einen Film auf dem Cebit-Stand der Telekom auf dem Messegelände in Hannover. Foto: dpa
Hannover Wenn Josef Kluger gestikuliert, scheinen seine Hände direkt aus dem Fernseher herauszureichen. "Das ist der kommende Boom", glaubt er. Der Geschäftsführer der KUK Filmproduktion präsentiert am Stand der Fraunhofer-Gesellschaft in der Halle 9 auf der Computermesse Cebit eine Fernseh-Live-Übertragung in 3D. Der Betrachter braucht für dieses Erlebnis nur einen modernen Fernseher mit 120 Hertz und eine 3D-Brille.
Kluger ist überzeugt, dass sich 3D dieses Mal wirklich durchsetzt. Dies liegt zum einen an der Weiterentwicklung der Technik, zum anderen aber auch daran, dass 3D massentauglich wird. Kluger verweist dabei auf die rund 500 Kinos allein in Deutschland, die 3D-Filme zeigen können. Und auch die Monitor-Hersteller bringen jetzt neue Displays auf den Markt, die 3D auch zu Hause möglich machen.
Bald stellt sich dann wohl nur noch die Frage: Soll es 3D mit oder ohne Brille sein? Wie die beiden Möglichkeiten konkret aussehen, zeigt die Cebit an ihrem kleinen Sonderstand "Next Level 3D" in Halle 16. Hier sind mehrere Hersteller versammelt, die Produkte rund um die 3D-Produktion anbieten. Wohl eher für kommerzielle Anwender oder für Forschung und Medizin interessant sind Bildschirme wie der 57-Zoll-Monitor von Tridelity, der rund 14 500 EUR kostet. Dafür braucht man auch keine extra Brille mehr, der Bildschirm sorgt selbst für das dreidimensionale Bild, er ist autostereoskopisch. Der Nachteil dieser autostereoskopischen Bildschirme ist oft, dass man nur aus einem bestimmten Blickwinkel ein optimales Bild hat.
Dieses Problem löst zum Beispiel die Firma Seefront, die Techniken entwickelt, um Produkte 3D-fähig zu machen. Der Seefront-3D-Bildschirm hat eine eingebaute Kamera, die dem Benutzer folgt und das Bild dem Standort des Betrachters anpasst. Man kann sich also nach links oder rechts, vor und zurück bewegen, und bekommt immer ein perfektes 3D-Bild.
Aber auch der normale Heimanwender kann schon heute 3D nutzen, zum Beispiel mit einer 3D-Brille und einem modernen Flachbildschirm, das ist allemal billiger als ein autostereoskopischer Monitor. Der Grafikkarten-Spezialist Nvidia führt am Stand ein Rennspiel für den Computer in 3D vor, bei dem der 3D-Eindruck schon sehr beeindruckend ist. Man hat wirklich das Gefühl direkt hinter dem Lenkrad zu sitzen.
Wer will, kann auch selbst schon 3D-Videos drehen. So zeigt der chinesische Hersteller Jingling Industries ein Moboview genanntes Set aus 3D-Kamera und 3D-Bildschirm zum Betrachten der Filme. Und FujiFilm präsentiert seine Finepix Real 3D für Fotos und Videos in 3D. Die Kamera nimmt mit zwei Objektiven gleichzeitig auf.
Wie jeder 3D-Bilder ins Internet bringen und damit seiner Website Glanz verleihen kann, das zeigen Forscher der Universität des Saarlandes an mehreren Ständen in Halle 9. In einem Forschungsprojekt haben Informatiker der Universität und des deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz die Ansicht der historischen Festungsstadt Saarlouis in 3D rekonstruiert. Das ist nicht nur hübsch anzuschauen, sondern ermöglicht auch Entwürfe von Städteplaner vorab als 3D-Modell zu realisieren.
Auch die Medizin könnte von neuen 3D-Techniken profitieren. Bioinformatiker in Saarbrücken und Tübingen haben dazu das Programm Ballview entwickelt, mit dem sich Moleküle, DNA und Viren berechnen, räumlich darstellen lassen. Sie hoffen, dass dadurch etwa Medikamente schneller entwickelt werden können.