Bremerhavener BLG Auto-Tech passt Importautos an die Wünsche der Kunden an
Die größte Autowerkstatt Europas steht in Bremerhaven. Bei der BLG Auto-Tech lassen vor allem viele Hersteller aus Übersee ihre Fahrzeuge den Sonderwünschen ihrer deutschen Kunden anpassen.
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Ein Mitarbeiter der BLG Auto Tec, Eurpas größter Kfz-Werkstatt, baut ein Faltdach in ein Auto ein. Foto: ddp
Bremerhaven Wie am Fließband rollen in Bremerhaven die Neuwagen aus Japan, Korea und den USA von Bord der Transportschiffe. Doch bevor die Fahrzeuge über die Autohändler an die Kunden in ganz Europa ausgeliefert werden, müssen sie in die Werkstatt. Dort werden sie zunächst gründlich gecheckt. Wenn der Kunde Sonderausstattungen wünscht, werden diese in Bremerhaven eingebaut, auch Sonderserien werden hier endgefertigt. Dafür betreibt die BLG Auto-Tech auf dem Autoterminalgelände nach eigenen Angaben Europas größte Autowerkstatt.
In dem Technikzentrum würden zurzeit zwischen 300 und 700 Fahrzeuge pro Tag für die Kunden vorbereitet, sagte der BLG-Beauftragte für Qualitätsmanagement, Frank Berger. Boomt der Import, können auch bis zu 1500 Autos täglich bearbeitet werden. Die Fahrzeuge werden zunächst vom Transportschutz befreit und gewaschen. Anschließend erhalten sie ihre erste Inspektion, bei der vom Blinker bis zum Radio alles getestet wird. Mit prüfendem Blick geht Kontrolleur Jörg Soller um eine weiße Nobelkarosse herum. Soller schaut nach eventuellen Transportschäden wie Kratzern im Lack, öffnet die Autotüren, um in den Innenraum zu gucken, und klappt den Tankdeckel auf und zu. Er macht den Job seit fast 20 Jahren und kennt jeden Fahrzeugtyp. "Das ist einfach Erfahrungssache", sagt Soller. In diesem Fall ist alles in Ordnung.
"Kleinere Schäden werden von uns sofort repariert", sagt Berger. Auch könne es schon mal vorkommen, dass eine ganze Lieferung eines Fahrzeugtyps an der gleichen Stelle eine kaum sichtbare, daumennagelgroße Delle aufweise. "Das kann dann ein Pressfehler vom Werk sein, den wir beheben", erläutert der Qualitätsbeauftragte. Der Fehler wird dem Werk mitgeteilt, so dass er schnell behoben werden kann. Bei größeren Schäden werde ein Gutachter hinzugezogen. Dann gingen die Fahrzeuge entweder zurück ins Werk oder würden nicht mehr als Neu-, sondern als Unfallwagen ausgewiesen.
"Wir stehen ständig mit den Werken in Kontakt", sagt Berger. Die Sonderwünsche der Kunden werden von den Werken elektronisch übermittelt - im günstigsten Fall sobald das Transportschiff etwa vom US-Hafen Brunswick (Georgia) auslaufe. Dann blieben zehn Tage Zeit, um Teile zu bestellen und die Arbeiten zu planen. Ganz oben auf den Wunschzetteln der Kunden stehen nach Angaben von Berger Navigationssysteme, Radios und Anhängerkupplungen. Häufig würden auch Sonnendächer, Klimaanlagen, Ledersitze, Sportfelgen oder Spoiler eingebaut.
Das Bremerhavener Technikzentrum verfügt über acht Hallen mit mehr als 40 Hebebühnen und einer Lackiererei, in der rund 100 000 Farbtöne gemischt werden können. Zudem gibt es zahlreiche Werkstattplätze, dort werden etwa Standheizungen eingebaut oder die Stoffbezüge der Sitze gegen Leder ausgetauscht. "Die Hersteller nutzen uns als verlängerte Werkbank", sagt der Geschäftsführer der BLG Auto-Tech, Uwe Wülbers. Einige der Autobauer lieferten die Fahrzeuge nur als Standardmodelle an, und Auto-Tech statte sie individuell aus.
Dieses Outsourcing sei für die Hersteller von Großserien kostengünstiger als die Eigenleistung. Der Autoterminal, einer der größten der Welt, biete Verkehrs- und Stellflächen von 2,4 Mio. Quadratmetern. Über die Autodrehscheibe läuft der Ex- und Import von Fahrzeugen aller Art.
Im Rekordjahr 2008, als der Gesamtumschlag in Bremerhaven bei über 2 Mio. Fahrzeugen lag, bearbeitete Auto-Tech nach Angaben von Wülbers 450 000 Importautos. Wegen der Wirtschaftskrise und der Nachwirkungen der Abwrackprämie würden für dieses Jahr nur bis zu 250 000 Pkw erwartet, sagt der Auto-Tech Geschäftsführer.
Deshalb gebe es auch für die 350 Kfz-Mechaniker, Lackierer und Spezialisten derzeit zu wenig Arbeit. 120 Kollegen müssten vorübergehend an andere Arbeitsplätze innerhalb der BLG Logistics Group gesetzt werden. Da die Perspektive für 2011 noch schlechter sei, müsse man für die Zukunft auch auf andere Geschäftsfelder schauen, sagt Wülbers. Im Visier ist dabei auch die Windkraft. ddp