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Es prüfe, wer sich vom Telefon-Partner scheiden lässt

Beim Wechseln des Anbieters kann Geld gespart werden - Vielleicht vergeudet man dabei aber auch nur seine Nerven

Nach einer Studie will fast jeder Dritte seinen Telekom-Anbieter wechseln. Zu hohe Preise sind dabei neben schlechtem Service der wichtigste Grund. Aber es gibt noch andere Möglichkeiten des Sparens.

THOMAS VEITINGER OLIVER HEIDER
Artikelbild: Beim Wechseln des Anbieters kann Geld gespart werden - Vielleicht vergeudet man dabei aber auch nur seine Nerven

Ulm Auch in Zeiten von Pauschal-Tarifen (Flatrates) lässt sich beim Telefonieren über das Festnetz Geld sparen. Die beste Möglichkeit: gar kein Telefon besitzen. In immer mehr Haushalten gibt es nur Handys. In Europa sollen bereits ein Viertel aller bestehenden Festnetzanschlüsse gekündigt worden sein, hierzulande sind es 10 Prozent.

Doch es ist nicht in jedem Fall günstiger, statt des Festnetzes nur noch das kleine Mobile zu nutzen. "Das hängt sehr vom eigenen Verhalten ab", sagte Jenny Braune, Tarifexpertin der Stiftung Warentest. Wer viel telefoniert, kann mit Pauschaltarifen für das Handy sparen. Aber: "Unbedingt auf den letzten Rechnungen gucken, wie oft, wie lange und in welche Netze man telefoniert", rät die Expertin.

Auf den Internet-Zugang werden die wenigsten Anwender verzichten wollen. Aber auch hier wird einem geholfen: Ein reiner Internet-Zugang ist möglich, selbst mit Handy-Flatrate (http://www.dsl-ohne-festnetz-online.de).

Schließlich bietet sich eine weitere Variante an: Telefonieren über Internet. Seit längerem gibt es Anbieter wie "ICQ" (http://www.icq.de) oder "Google Talk" (http://www.google.com/talk) für kostenlose (Video-)Gespräche über Computer. Mit "Skype" (http://www.skype.de) und "Sipgate" (http://www.sipgate.de) kann vom Computer via Internet auf Festnetz-Anschlüssen angerufen werden - doch das kostet wieder und lohnt sich deshalb vor allem fürs Ausland.

A propos Ausland. In dieser Zeitung und im Internet gibt es Call-by-Call-Rufnummern, mit denen über einen Telekom-Anschluss preiswert jenseits der Grenze und auch in Deutschland angerufen werden kann. Damit lässt sich jede Menge Geld sparen, aber nicht ganz ohne Risiko: Die Anbieter wechseln ihre Gebühren schnell und verlangen möglicherweise eine Verbindungsgebühr, wie Josefine Milosevic vom Telekommunikations-Magazin Connect warnt. In jedem Fall sollten nur Anbieter vertraut werden, die ihren Tarif vor dem Gespräch ansagen.

Wer altmodisch über einen einzigen Anbieter telefonieren will, kann ebenfalls sparen. Nicht immer ist die Flatrate die günstigste Lösung. Wer im Monat weniger als zwei Stunden ins Festnetz telefoniert oder nur ab und an surft, braucht kann mit Minuten-Tarifen Geld sparen. Doch aufpassen sollte, wer einen Router nutzt: Der wählt sich ins Internet ein, ohne dass der PC an ist. Hier ist eine Flatrate also ratsam.

Bleibt der Wechsel zu einem anderen Anbieter. Laut Marc Thylmann, Pressesprecher des Brancheverbandes Bitkom, sollten Verbraucher aber die Vorteile eines Alternativanbieters vorab genau prüfen. Licht in den Tarifdschungel bringen unter anderem Verbraucherportale wie Verivox, Teltarif oder Tariftip. Auf den Internetseiten der Telekom-Anbieter gibt es die genauen Vertragsbedingungen zum Ausdrucken. Werbewirksame Angebote gelten oft nur für die ersten paar Monate oder ein Jahr, während der Vertrag zwei Jahre läuft.

Beim Internet kann mit einer niedrigen Übertragungsgeschwindigkeit gespart werden. Wer hochauflösende Videos anschauen will, braucht eine Leitung mit 25 oder 50 Megabit pro Sekunde (VDSL). Gelegenheitssurfer, die E-Mails verschicken, im Internet einkaufen, Bankgeschäfte erledigen, kommen gut mit 2 Megabit (DSL 2000) hin.

Auch die Vertragslaufzeit sollte bei der Anbieter-Wahl eine Rolle spielen. Motto: je kürzer, desto besser. Laut der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg gibt es im Südwesten derzeit nur bei Alice und O2-DSL kurze Laufzeiten. Bei den anderen Providern sind es in der Regel 24 Monate. Akzeptiert man ein neues, günstigeres Angebot des bisherigen Anbieters, verlängert sich damit die Mindestvertragslaufzeit: Drum prüfe, wer sich länger bindet.

Wer sich zu einem Wechsel durchringt, sollte den neuen Anbieter mit der Kündigung des alten Vertrages beauftragen, rät Lina Ehrig vom Bundesverband der Verbraucherzentralen - am besten mindestens einen Monat vor Beginn der meist dreimonatigen Kündigungsfrist. Erledigt der neue Anbieter die Kündigung, erleichtert das auch die Rufnummermitnahme. Das geht nur innerhalb des Ortsnetzes (gleiche Vorwahl). Die Verbraucher müssen dem neuen Anbieter ihren Namen und alle Telefonnummern exakt mitteilen. "Schon ein Buchstabendreher kann ein riesiges Chaos hervorrufen", sagt Ehrig.

Was tun, wenn nach einem Anbieterwechsel der Anschluss tot ist? Anrufen oder - bei Anbietern mit teuren Service-Nummern - eine E-Mail schicken. Wichtig: Alle Daten wie Kundennummer, Telefonnummern bis hin zu einer detaillierten Beschreibung des Sachverhalts müssen drin stehen. Falls das nichts hilft: Eine ordentliche Frist von zwei Wochen setzen - schriftlich, am besten per Einschreiben und Rückschein. Falls das Problem noch nicht behoben ist, eine letzte Frist von einer Woche setzen. Erst danach ist eine fristlose Kündigung wegen Vertragsbruch möglich. Beratung gibt es unter anderem bei den Verbraucherzentralen.

Bei alldem gilt das Motto: "Never change a running system", ändere nie ein funktionierendes System. Wer mit seinem Anschluss, seinen Kosten und dem Service seines Anbieters zufrieden ist, hat eigentlich keinen Grund zum Wechseln. Denn wer monatlich ein paar Euro spart, aber unzählige Nerven vergeudet, gewinnt nichts.

19.03.2010 - 08:30 Uhr | geändert: 19.03.2010 - 09:45 Uhr
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