Ist Griechenland nun gerettet? Darüber gehen die Meinungen auseinander, wie diese erste Reaktionen auf das neue Hilfspaket für Athen zeigen.
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DPA/AFP
Berlin/Brüssel Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sprach gestern von einem gut zu verantwortenden Paket. Er sieht eine "überwiegende Chance, dass Griechenland mit dem Programm über einen längeren Zeitraum seine Wettbewerbsfähigkeit zurückerlangen könne. Die Bundesregierung werde dem Bundestag empfehlen, der Lösung zuzustimmen.
EU-Kommissionschef José Manuel Barroso lobte das jüngste Paket als entscheidenden Schritt: "Dies schließt die Tür für die Möglichkeit einer unkontrollierten Pleite." Er sei "sehr zuversichtlich", dass eine große Anzahl der privaten Gläubiger Griechenlands auf das Angebot eines Anleiheumtauschs eingehen werde. Auf die Frage, warum er an den Erfolg glaube, sagte er: "Die Wahrheit ist, dass es keine Alternative für Griechenland dazu gibt, Erfolg zu haben."
Der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, bleibt skeptisch. "Der Plan, Griechenland im Euro radikal zu sanieren, ist illusionär." Der Experte macht seit geraumer Zeit keinen Hehl daraus, dass er die Zukunft Griechenlands statt beim Euro bei der Drachme sieht.
Viele Volkswirte erwarten, dass früher oder später ein noch größerer Schuldenschnitt nötig wird. Dann würden alle privaten und öffentlichen Geldgeber den Großteil ihres Geldes verlieren. Jörg Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank glaubt, dass Athen ohne tiefgreifende Reformen nicht voran kommen kann. Doch werden diese gelingen? "In der zweiten Jahreshälfte ist die Wahrscheinlichkeit beträchtlich, dass eine frustrierte Staatengemeinschaft den Geldhahn zudreht." Auch die private Berenberg Bank ist skeptisch. Deren Volkswirt Christian Schulz sagt: "Unserer Meinung nach bleibt die Gefahr hoch, dass sich Griechenland in die wirtschaftliche Depression spart, in die Insolvenz schlittert und aus der gemeinsamen Währungsunion austreten muss."
Der britische Finanzminister George Osborne dagegen spricht von einem "wirklich signifikanten Schritt" zur Lösung der Krise in der Eurozone. Die britische Volkswirtschaft werde davon profitieren, wenn die Probleme der Eurozone behoben seien.