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Wahlkampf erschwert das Gegensteuern

Auch die Briten sitzen auf hohen Schulden

Nicht nur in Griechenland laufen die Schulden aus dem Ruder. Auch Großbritannien häuft Verbindlichkeiten in einem alarmierenden Ausmaß an.

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JANE WARDWELL, APN

London Die Staatsschulden schnellen nach oben, das Haushaltsdefizit steigt. Die Wirtschaft müht sich ab, die Rezession hinter sich zu lassen. Die Politik spricht von Ausgabenkürzungen und höheren Steuern. Die Gewerkschaften sind gereizt. Der Wert der Währung sinkt. Nein, die Rede ist hier nicht von Griechenland. Es geht um Großbritannien.

Das Vereinigte Königreich, etwa sechs mal größer als Griechenland, häuft die Schulden noch schneller an als das derzeitige Krisenland Nummer eins in Europa. Die prekäre Lage Londons zeigt, dass Europas Probleme weit über die traditionell strukturschwachen Regionen Südeuropas hinausgehen.

Im Gegensatz zu den fast bankrotten Griechen haben die Briten aber zwei wichtige Vorteile auf ihrer Seite: Sie haben ihre eigene Währung. Und sie genießen bei den internationalen Ratingagenturen hohes Ansehen, was in der immer noch famosen AAA-Bewertung britischer Anleihen zum Ausdruck kommt.

Erschwert wird die Situation aber von der bevorstehenden Unterhauswahl im Mai. Nach Umfragen können weder die regierende Labour Party noch die Konservativen mit einer absoluten Mehrheit rechnen. Es wäre das erste Mal seit 1974, dass im Unterhaus eine Koalition oder eine Minderheitsregierung notwendig würde. Die Durchsetzung harter, unpopulärer Sanierungsmaßnahmen wird der nächsten Regierung angesichts unklarer Mehrheitsverhältnisse und bislang vager Aussagen der Parteien zu Rezepten gegen die Krise daher schwer fallen.

Die britischen Schulden wachsen in alarmierendem Tempo. Allein im Januar lieh sich die Regierung 4,3 Mrd. Pfund (4,7 Mrd. EUR). Wirtschaftsexperten warnen, dass sich das Land auf dem besten Weg befindet, im Jahr 2009/10 ein Defizit von 12,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) anzuhäufen. Die Gesamtverschuldung wird in diesem Jahr schätzungsweise auf 82 Prozent des BIP steigen.

Das Defizit ist großteils auf die riesigen Summen zurückzuführen, die die Regierung zur Bekämpfung der Finanz- und Wirtschaftskrise ausgegeben hat. Der Staat hat zwei ins Schlingern geratene Hypothekenfinanzierer übernommen und hält Mehrheiten an zwei Großbanken, der Royal Bank of Scotland und der Lloyds Banking Group.

12.03.2010 - 08:30 Uhr
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