26.02.2013 Drucken Empfehlen
 per eMail empfehlen


   

Studie: Autofahren viel zu billig

Allgemeinheit trägt hohe Kosten - Grüne wollen Lkw-Maut anheben

Eine Studie der TU Dresden beziffert die ungedeckten Kosten des Pkw-Verkehrs auf 88 Milliarden Euro pro Jahr. Die Grünen wollen nun die Lkw-Maut erhöhen, eine Pkw-Maut fordern sie aber nicht.

Anzeige


GUNTHER HARTWIG

Berlin Im Auftrag der Grünen im Europa-Parlament und im Bundestag hat das Institut für Verkehrsökologie der Technischen Universität Dresden eine Gesamtrechnung der "externen Kosten des Pkw-Verkehrs" aufgestellt, die nicht durch Steuern, Abgaben und Versicherungen der Fahrzeuginhaber gedeckt sind. Danach verursachen sämtliche Pkw in der Bundesrepublik jährlich ungedeckte Kosten von rund 88 Mrd. EUR, jeder Pkw 2100 EUR. Pro gefahrenen Kilometer sind das 14,8 Cent.

Professor Udo Becker nannte bei der Präsentation der Studie in Berlin als Hauptursachen für die Summe der ungedeckten Kosten: umwelt- und gesundheitsschädigende Folgen von Lärm und Abgasen, Unfallschäden, die nicht von Haftpflichtversicherungen aufgewogen werden, mittel- und langfristige Klimaschäden, Energieverbrauch und Emissionen bei der Automobilproduktion und der Herstellung von Kraftstoffen, Entsorgungskosten, Natur- und Landschaftsverbrauch durch Straßenbau.

Mit der Summe von 88 Mrd. EUR ungedeckter Kosten im Jahr liegt Deutschland an der Spitze aller 27 EU-Mitgliedsländer. Becker: "Die Auto-Kosten sagen nicht die Wahrheit." Vielmehr würden alle Steuerzahler zur Kasse gebeten, wenn es um die Folgekosten des motorisierten Straßenverkehrs gehe - oder die Kosten, etwa für Umwelt- und Klimaschäden, würden auf nachfolgende Generationen abgewälzt: "Je länger man die Zeche auflaufen lässt, umso teurer wird es und umso größer wird der Ärger über dann notwendige politische Maßnahmen."

Öko-Experte Becker sprach sich allerdings nicht dafür aus, die externen Autokosten eins zu eins durch höhere Steuern und Abgaben hereinzuholen. Allein durch mehr Transparenz könnten Kosten vermieden werden: "Wenn die tatsächlichen Kosten sichtbar werden und die Preise die Wahrheit sagen, versucht jeder, diese zu vermeiden." Auch die Auftraggeber von den Grünen wandten sich dagegen, alle Autofahrer künftig noch stärker zur Kasse zu bitten.

Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses, Anton Hofreiter, kündigte an, im Wahlprogramm seiner Partei für die Bundestagswahl im September werde zwar die Erhöhung der Lkw-Maut gefordert, nicht aber die Einführung einer Pkw-Maut: "Die vom Bundesverkehrsminister Ramsauer (CSU) vorgeschlagene Vignette ist sozial ungerecht und ökologisch blind." Dem Minister warf Hofreiter vor, im Bundesverkehrswegeplan "mit falschen Kostensätzen zu operieren", um Straßenbauprojekte durchzusetzen.

Der verkehrspolitische Sprecher der Grünen im EU-Parlament, Michael Cramer, kritisierte die Subventionierung des Luftverkehrs in Europa zu Lasten des Auto- und Schienenverkehrs. Allerdings gebe es auch bei der Finanzierung des motorisierten Verkehrs eine Schieflage: "In Berlin hat nur jeder zweite Haushalt ein Auto, aber alle Haushalte zahlen für den Autoverkehr."

Die SPD begrüßte die Initiative der Grünen für mehr Transparenz bei den Folgekosten im Verkehrsbereich. Ihr bahnpolitischer Sprecher Martin Burkert wies auf Berechnungen hin, nach denen jeder Lkw in Deutschland mit über 5000 EUR vom Steuerzahler subventioniert werde: "Das beweist einmal mehr, dass die Schiene endlich gestärkt und Bahnfahren steuerlich entlastet werden muss. Der Güterverkehr auf der Schiene ist zu verdoppeln."

26.02.2013 - 08:30 Uhr

Anzeige

(c) Alle Artikel, Bilder und sonstigen Inhalte der Website www.tagblatt.de sind urheberrechtlich geschützt. Eine Weiterverbreitung ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlags Schwäbisches Tagblatt gestattet.

Bildergalerien und Videos

Abschied von Walter Jens - Requiem in der Stiftskirche

Relegation: TB Kirchentellinsfurt unterliegt Tuttlingen 1:4

Horber Maximilian-Festspiele: Tausende bei Ritterspektakel

Alles Okay am Anlagensee: Das Ract!-Festival 2013

Horb ist wieder in Ritterhand

Ract-Festival in Tübingen gestartet

Rundumblick im Tübinger Hesse-Kabinett - auch in 3D

Urkundlich bewiesen: Platanenallee wurde 1828 gepflanzt

Zum Tod von Walter Jens: Ein Rückblick in Bildern

Aufstieg perfekt: Der SV Wurmlingen schlägt SV 03 Tübingen II mit 3:1

Hartmann-von-Aue-Fest

Meister der Kreisliga A3: Der SV Wurmlingen

Meister der Fußball-Bezirksliga: TuS Ergenzingen

Rottenburger Heimattage

Das Bücherfest in Tübingen

Die Automobil-Messe in Tübingen 2013

150 Jahre Ergenzinger Feuerwehr

Zweite Automobil-Messe rund ums Sparkassen-Carré

Anzeige


Nachrichten aus ...
ReutlingenWannweilPliezhausenWalddorfh�slachAmmerbuchT�bingenDettenhausenKirchentellinsfurtKusterdingenGomaringenDusslingenOfterdingenMössingenNehrenBodelshausenHirrlingenNeustettenRottenburgStarzachHorb
Anzeige


Die Woche im Rückklick
Walter Jens 2001

Wissen, was war

Raubmord in Prag: Zwei Rottenburger festgenommen - Walter Jens starb Sonntagabend 90-jährig - Talheimer Steige monatelang gesperrt. Die Woche vom 8. bis 14. Juni

Zeitzeugnisse

Nach dem großen Regen: Wilhelmstraße wurde Freibad

Kreis Tübingen. Es war ein schwüler Nachmittag am 15. August 1972, die Luft hatte 90 Prozent Feuchtigkeit, da wurde es im Kreis Tübingen gegen 14.45 Uhr plötzlich stockdunkel.

Anzeige


Ihr Kontakt zur Redaktion

Single des Tages