Wer seinen Namen hört, denkt unwillkürlich an Dübel - und natürlich an Konstruktionsspielzeug: Doch Artur Fischer hat noch viel mehr entwickelt. Der Tüftler in Ruhestand feiert morgen seinen 90. Geburtstag.
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KAREN EMLER
Erfinder und Firmengründer Artur Fischer und sein Nylon-Dübel. Foto: dpa
Waldachtal Manche singen morgens unter der Dusche, andere denken sich nutzbringende Tüfteleien aus. Zu den Zweiteren zählt - nach eigenen Angaben - Artur Fischer. Der Gründer des gleichnamigen Familienunternehmens wird an Silvester 90 Jahre alt.
In den letzten 60 Jahren hat der heutige Ruheständler 1100 Erfindungen zum Patent angemeldet. Mit 570 erteilten Schutzrechten allein in Deutschland zählt der ehemalige Unternehmer zu den innovativsten Köpfen des Landes. Sein Unternehmen, das er Anfang 1980 in die Hände seines damals 29-jährigen Sohnes Klaus gelegt hat, bringt es heute mit 3850 Mitarbeitern auf 560 Mio. EUR Umsatz. Sitz der weltweit aktiven Gruppe ist nach wie vor das Schwarzwalddorf Tumlingen, der Geburtsort des Erfinders.
Artur Fischer hat wie so viele seiner Generation einen steinigen Weg hinter sich: Der Sohn eines Schneiders lernte in den 30er Jahren zunächst Schlosser. Nach Kriegseinsatz und Gefangenschaft kehrte er 1946 in sein Heimatdorf zurück. Ein Jahr später heiratete Fischer, ein weiteres Jahr darauf machte er eine Werkstatt auf. Mit Webstuhlschaltern und elektrischen Glühzündern ging er bei den Bauern der Umgebung hausieren. Statt Geld gab es dafür oft Brot, Butter und Speck. Das tauschte Fischer gegen neues Werkzeug ein.
"Jede Erfindung muss den Menschen dienen", pflegt Artur Fischer zu sagen. Alltagsprobleme dienten ihm als Initialzündung. So auch die Weigerung einer Fotografin, 1948 seine neugeborene Tochter zu fotografieren. Die Frau hatte Bedenken, den damals üblichen Magnesiumblitzbeutel mit Zündschnur in der niedrigen Mansardenwohnung einzusetzen.
Damit war Fischers Erfindergeist geweckt: Er entwickelte das erste Synchronblitzgerät, das mit einem Spezialauslöser gleichzeitig den Kameraverschluss betätigte. Das Gerät ließ er sich patentieren. Zwei Jahre später erhielt er dafür einen Großauftrag des Agfa-Konzerns. Das machte aus dem kleinen Werkstattbetrieb in rasantem Tempo eine Fabrik mit 100 Mitarbeitern.
Seinen wohl bedeutendsten Einfall hatte Artur Fischer übrigens weder zu Hause und schon gar nicht unter der Dusche, sondern in seiner Werkstatt. Es soll an einem Samstag im Jahr 1958 gewesen sein, als er nach einer einfacheren Lösung suchte, um Schrauben in Wänden einen sicheren Halt zu geben. Bis dato hatte man dazu ein Loch in die Wand geschlagen, einen Holzklotz eingegipst und dann nach der Trocknung die Holzschraube reingedreht.
Fischer nahm eine Feile zur Hand und bearbeitete ein Rundstück aus Polyamid (Nylon). Heraus kam dabei der Fischer-Dübel, der ein überwältigender Markterfolg wurde und den Grundstein für die neue Geschäftssparte Befestigungstechnik legte.
Bekannt machte ihn auch die Entwicklung des Konstruktionsspielzeugs Fischertechnik, das er 1965 ursprünglich als Weihnachtsgeschenk für die Kinder von Geschäftsfreunden entwickelt hatte. Viele erfolgreiche Erfindungen folgten.
Als Artur Fischer sich im Alter von 60 Jahren aus der Unternehmensführung zurückzog, war aus der einstigen Werkstatt ein namhafter Mittelständler mit 1480 Mitarbeitern und umgerechnet rund 80 Mio. EUR Umsatz geworden.
Erfindergeist prägt das Unternehmen übrigens bis heute: Mit jährlich 14,41 Patentanmeldungen pro 1000 Mitarbeiter liegt die Fischer Gruppe in der deutschen Tüftler-Statistik auf Platz drei.