Mit dem A380 möchte Lufthansa in Übersee Zeichen setzen
EADS und Airbus präsentieren gute Bilanzen für das zurückliegende Geschäftsjahr, die Lufthansa hat große Pläne für 2011. Die Konzerne profitieren voneinander - und planen einen Vorstoß auf dem US-Markt.
Anzeige
DANA HOFFMANN
New York Der A380 ist zu groß - zumindest für etliche Flughäfen, die nicht auf eine Spannbreite von 80 Metern eingerichtet sind. Auch in Frankfurt wurde es eng, als vergangene Woche zum ersten Mal eine A380-Maschine der Lufthansa zum New Yorker John F. Kennedy Airport (JFK) startete.
Mit dem A380 wollen Lufthansa und Airbus auch auf dem amerikanischen Markt landen. Foto: Firmenfoto
Gerade groß genug scheint der Flieger hingegen für die Pläne der Airline: Wachstum in Amerika, Ausbau des Kontinentalverkehrs, Erschließung strategischer Wachstumsregionen. "Die Lufthansa genießt in den USA ohnehin ein gutes Ansehen, der A380 aber steigert unsere Attraktivität noch", sagte Jens Bischof, bei der Lufthansa zuständig für Nord- und Südamerika, in New York. Der Doppeldecker soll freilich nicht nur die Fluggesellschaft beliebter; sondern auch die Kassen voller machen. 526 Passagiere finden im Lufthansa-Airbus Platz. Auf der Strecke von Frankfurt nach New York bedeutet das eine Kapazitätssteigerung von 30 Prozent im Vergleich zu anderen Maschinen. Mit Einführung des neuen Sommerflugplans fliegt er ab Mitte April täglich von Frankfurt zum JFK; Miami, Los Angeles, Chicago und Washington sind weitere potenzielle Ziele. Vorerst soll die Main-Metropole die einzige A380-Destination der Lufthansa bleiben. Allerdings soll der Verkehr von und nach Düsseldorf stärker ausgebaut werden, sagt Bischof. Berlin sei zudem als neues Lufthansa-Drehkreuz im Gespräch.
Beide Standorte spielen auch bei weiteren Plänen eine Rolle: "Wir wollen mit China, Indien und Südamerika ein wettbewerbsintensives Feld betreten", erklärte Bischof. Kürzlich wurde Bogota in den Flugplan aufgenommen, Rio de Janeiro und weitere Ziele sollen folgen.
Ambitionen hat die Lufthansa auch auf dem Heimatmarkt Europa, Angaben zum Ausbau konkreter Strecken gibt es allerdings nicht, auch Routen-Streichungen sind nicht ausgeschlossen. Grund dafür ist neben dem Preiskampf mit Billig-Airlines die neue Luftverkehrsabgabe. Seit Anfang des Jahres werden pro Kurzstreckenflug und Passagier 8 EUR fällig, auf mittleren Strecken sind es 25 EUR und für Langstreckenflüge 45 EUR. "Die Abgabe ist ein politischer Alleingang mit schwerwiegenden Folgen", meinte Bischof. Er rechnet mit bis zu 6 Mio. Umsteigern weniger in Deutschland - in den Niederlanden und in Frankreich ist der Abflug inzwischen wieder kostenlos und damit für Transit-Passagiere attraktiv. "Die Mehrkosten werden die Airlines nicht stemmen können." Bereits seit Herbst 2010 gibt die Lufthansa die Abgabe an die Kunden weiter, erst im Januar erhöhte sie zudem noch die Kerosinabgabe. Trotz einer lange erprobten Strategie der Preissicherung (Fuel Hedging) kann die Airline nun keine Stabilität mehr garantieren: Die aktuell sehr hohen Ölpreise könnten die Tickets nochmals teurer werden lassen. "Wir bleiben sonst auf den Kosten sitzen", sagte Bischof. "Das erschwert Investitionen in neue Maschinen."
Bis 2015 will die Lufthansa 15 Flugzeuge des Typs A380 in der Luft haben. Aktuell hat die Fluggesellschaft insgesamt 410 Aibus-Maschinen und ist damit der größte Kunde des Flugzeugbauers. Die Etablierung des A380 am Markt durch die Lufthansa sei strategisch wichtig, sagte Airbus-Sprecher Clay McConnell. "Lufthansa ist beliebt und ein Vehikel für unsere Marke." Vor allem die auch von der Lufthansa geflogene A320-Gruppe verhalf Airbus zu einem Marktanteil von 50 Prozent in Nordamerika.
Noch fliegt kein A380 für eine US-Airline. Doch die Flotten sind stark modernisierungsbedürftig. Langfristig, so der Airbus-Plan, sollen die alten A757er gegen A380-Maschinen ausgetauscht werden. Bislang haben 19 Kunden aus Europa und Asien insgesamt 244 der neuen Flugzeuge bestellt.
Von Airbus profitiert auch der Mutterkonzern EADS: Der Aufschwung im zivilen Luftverkehr bescherte dem Unternehmen ein Umsatzplus von 7 Prozent auf 45,8 Mrd. EUR. Der Auftragseingang verdoppelte sich dank der Nachfrage nach Airbus-Flugzeugen auf 83 Mrd. EUR. 2011 will EADS die Airbus-Auslieferungen von 510 auf bis zu 530 Maschinen steigern.
Der Plan, künftig auch in den USA Flugzeuge zu bauen, muss Airbus allerdings nach hinten verschieben: Nach langer Hängepartie wurde ein Auftrag der US-Regierung über 179 Tankflugzeuge an den Gleichauf-Konkurrenten Boeing vergeben. Airbus und EADS hatten mit 50 000 Jobs in der Fertigung gerechnet, viele davon sollten neu geschaffen werden. Ob EADS Widerspruch gegen das Vergabe-Verfahren einlegen will, ist noch offen.