Die Hüpfburg zum Fußballgucken
Hesse erfindet mit Luft gefüllte Leinwand für WM-Übertragungen
Bald wird wieder allerorts gemeinsam Fußball geschaut. Günter Ganzevoort hat eine Erfindung gemacht, die das Public Viewing relativ unaufwändig macht: den aufblasbaren WM-Würfel.
GESA COORDES, DPA
Guenter Ganzevoort präsentiert ein Modell seiner Erfindung. Foto: dpa
Friedensdorf Eigentlich interessiert sich Günter Ganzevoort gar nicht für Fußball: "Von mir aus müssen die nicht hinter dem Ball herrennen", sagt der in Deutschland aufgewachsene Holländer, der eine Firma in Friedensdorf bei Marburg betreibt. Nur wenn die Niederlande im Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft dabei sind, schaut er sich möglicherweise das Finale an. Aber nur vielleicht. Doch vor seiner größten Erfindung werden in den nächsten Wochen Tausende von Fußballfans stehen: Günter Ganzevoort hat einen aufblasbaren WM-Würfel erfunden, der für das Public Viewing in Dutzenden von Städten aufgebaut wird. Bis zu 12 000 Zuschauer können sich vor dem Gerät versammeln, das an einen Riesenfernseher aus Plastik erinnert.
Die Anfänge stammen noch aus den 90er Jahren. Damals hatte der ausgebildete Elektro-Installateurmeister eine eigene Firma im Marburger Hinterland, die sich auf Industriemontage spezialisiert hatte. Jeden Sommer baute er für die Marburger Kinos die Leinwände für das Open-Air-Kino auf. "Bei Wind und Wetter in zehn Metern Höhe Stangen zusammenzustecken, ist wirklich gefährlich", sagt Ganzevoort. Und es dauerte jedes Mal mehrere Stunden. Das müsste doch einfacher gehen, dachte er sich.
Ganzevoort entwickelte das Konzept für eine schnell aufblasbare Leinwand. Doch die Hüpfburgenbauer, bei denen er sie bauen lassen wollte, winkten ab. Mit Lkw-Planen und einer großen Nähmaschine fertigte er die 20 mal 10 Meter große Leinwand innerhalb von drei Monaten selbst. Für Jahre blieb die "Marburger Leinwand" ein Unikum.
Doch Ganzevoort entwickelte sie 2005 weiter: Eine Röhrenkonstruktion, deren Beamer von hinten gegen die Leinwand strahlt, erlaubt auch das Zuschauen bei Sonnenlicht. Bereits bei der letzten Fußball-WM stand er in mehr als 50 Städten - von Flensburg und Frankfurt bis Sydney, Singapur und Tokio. Der Aufbau dauert maximal 30 Minuten.
Inzwischen dient der WM-Würfel auch nicht mehr nur den Fußballern: Auf dem Times Square in New York wurde US-Präsident Obamas Antrittsrede für Tausende Amerikaner übertragen. Konzerte von Robbie Williams und Formel-1-Rennen wurden gezeigt.
Finanziell hat die Erfindung Ganzevoort nach seinen eigenen Angaben allerdings kein Glück gebracht. Zunächst wurde der aufblasbare WM-Würfel von einer Firma in Bad Endbach produziert, die er mit aufgebaut hatte. Doch wegen säumiger Zahler musste das Unternehmen Konkurs anmelden. Inzwischen liegen die Patentrechte bei der Firma Biggair Cube GmbH in Hanau. Dort laufen Vermietung und Verkauf der Übertragungswürfel zurzeit auf Hochtouren: In der Regel werden die Würfel für die Fußballwochen vermietet - für Preise zwischen 13 000 und 50 000 EUR, je nach Größe.
Aber auch Ganzevoort beschäftigt sich weiter mit aufblasbaren Geräten: Aktuell entsteht ein riesiges, aufblasbares Tischfußballfeld für zehn Spieler.