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Die schwer durchschaubare Rentenformel

Erst 2014 können auch die Senioren im Westen auf eine deutliche Erhöhung hoffen

Im Wahljahr 2013 dürfte die Rentenerhöhung im Westen mager ausfallen, im Osten deutlich üppiger. Erst 2014 sollte es besser aussehen - eine Folge der komplizierten Berechnung, die schwer durchschaubar ist.

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DIETER KELLER

Würzburg Auch die Rentner sollen davon profitieren, wenn die Wirtschaft floriert und die Löhne und Gehälter steigen. Das ist das Grundprinzip der gesetzlichen Rentenversicherung, doch es ist längst durch so viele Faktoren durchlöchert, dass der normale Bürger kaum noch durchblickt. "Wir müssen wieder zu einfacheren Lösungen kommen, weil wir unsere Wohltaten den Leuten nicht nahe bringen können", stöhnt der Präsident der Deutschen Rentenversicherung Bund, Herbert Rische.

Artikelbild: Erst 2014 können auch die Senioren im Westen auf eine deutliche Erhöhung hoffen Rentner müssen sich mit einer knappen Rentenerhöhung zufrieden geben. Erst 2014 dürfte es im Westen deutlich mehr sein. Foto: dpa

Wie kompliziert die Rentenformel derzeit ist, zeigt die erste Prognose der Rentenerhöhung am 1. Juli 2013, die gestern die Rentenversicherung vorlegte: Mit etwa 1 Prozent dürfte sie im Westen mager ausfallen, im Osten liegt sie dagegen dreimal so hoch. Erst 2014 dürfte es im Westen wieder deutlich mehr sein. Noch sind das allerdings recht grobe Schätzungen, die sich noch deutlich ändern können.

Ein Problem ist der Zeitverzug: Basis für die Rentenerhöhung Mitte 2013 ist die Entwicklung der Bruttolöhne in diesem Jahr. Derzeit rechnet die Rentenversicherung damit, dass sie um 3,3 Prozent ansteigen. Außerdem profitieren die Rentner - mit 18 Monaten Zeitverzug - davon, dass der Rentenbeitrag Anfang dieses Jahres von 19,9 auf 19,6 Prozent gesenkt wurde, die Arbeitnehmer also mehr Geld in der Tasche haben. Nach der komplizierten Rentenformel bringt dies eine Rentenerhöhung von 0,4 Prozent. Vom stattlichen Ergebnis wird allerdings noch einiges abgezogen. Da ist unter anderem der Nachhaltigkeitsfaktor, der berücksichtigt, dass die Zahl der Rentner steigt und die der Erwerbstätigen sinkt. Zudem wirkt nach, dass in den vergangenen Jahren mehrfach eigentlich eine Rentenkürzung fällig gewesen wäre. Das wurde den Rentnern erspart. Doch sie wird nachgeholt: Schon 2012 wurde die Rentenerhöhung reduziert. Dies geschieht 2013 letztmals mit einem Abzug von 0,7 Prozentpunkte, allerdings nur im Westen - im Osten war das Nachholen schon in diesem Jahr abgeschlossen.

Das ist der eine Grund für den großen Unterschied zwischen Ost und West. Der zweite ist eine statistische Bereinigung, die besonders schwer zu durchschauen ist. Vereinfacht gesagt ist die Rentenerhöhung in diesem Jahr im Westen zu hoch ausgefallen und im Osten zu niedrig. Denn die genauen statistischen Daten lagen im Frühjahr noch nicht vor, als der Zuschlag zum 1. Juli berechnet wurde. Alleine dies hat zur Folge, dass die eigentlich fällige Rentenerhöhung im Westen um 0,6 Prozentpunkte gekürzt wird. Im Osten gibt es dagegen einen Zuschlag von 1,2 Prozentpunkten.

Kleiner Trost: Mitte 2014 dürfte die Rentenerhöhung auch im Westen deutlich höher ausfallen. Dann bringt alleine die Beitragssenkung Anfang 2013 den Rentnern zusätzlich 0,9 Prozent. Außerdem gibt es kaum noch Kürzungsfaktoren.

Die Unterschiede zwischen West und Ost dürften die Forderungen verstärken, 22 Jahre nach der Einheit auch das Rentenrecht zu vereinheitlichen - ein heikles Thema, an das sich die Koalition nicht mehr herantraut. Noch immer gibt es getrennte Rechnungen: Steigen die Gehälter im Osten stärker als im Westen, bekommen auch die Rentner dort einen höheren Zuschlag, um die Verhältnisse anzugleichen. Eine niedrigere Rentenerhöhung ist dagegen ausgeschlossen.

14.11.2012 - 08:30 Uhr

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