14.11.2012 Drucken Empfehlen
 per eMail empfehlen


   

Die schwer durchschaubare Rentenformel

Erst 2014 können auch die Senioren im Westen auf eine deutliche Erhöhung hoffen

Im Wahljahr 2013 dürfte die Rentenerhöhung im Westen mager ausfallen, im Osten deutlich üppiger. Erst 2014 sollte es besser aussehen - eine Folge der komplizierten Berechnung, die schwer durchschaubar ist.

Anzeige


DIETER KELLER

Würzburg Auch die Rentner sollen davon profitieren, wenn die Wirtschaft floriert und die Löhne und Gehälter steigen. Das ist das Grundprinzip der gesetzlichen Rentenversicherung, doch es ist längst durch so viele Faktoren durchlöchert, dass der normale Bürger kaum noch durchblickt. "Wir müssen wieder zu einfacheren Lösungen kommen, weil wir unsere Wohltaten den Leuten nicht nahe bringen können", stöhnt der Präsident der Deutschen Rentenversicherung Bund, Herbert Rische.

Artikelbild: Erst 2014 können auch die Senioren im Westen auf eine deutliche Erhöhung hoffen Rentner müssen sich mit einer knappen Rentenerhöhung zufrieden geben. Erst 2014 dürfte es im Westen deutlich mehr sein. Foto: dpa

Wie kompliziert die Rentenformel derzeit ist, zeigt die erste Prognose der Rentenerhöhung am 1. Juli 2013, die gestern die Rentenversicherung vorlegte: Mit etwa 1 Prozent dürfte sie im Westen mager ausfallen, im Osten liegt sie dagegen dreimal so hoch. Erst 2014 dürfte es im Westen wieder deutlich mehr sein. Noch sind das allerdings recht grobe Schätzungen, die sich noch deutlich ändern können.

Ein Problem ist der Zeitverzug: Basis für die Rentenerhöhung Mitte 2013 ist die Entwicklung der Bruttolöhne in diesem Jahr. Derzeit rechnet die Rentenversicherung damit, dass sie um 3,3 Prozent ansteigen. Außerdem profitieren die Rentner - mit 18 Monaten Zeitverzug - davon, dass der Rentenbeitrag Anfang dieses Jahres von 19,9 auf 19,6 Prozent gesenkt wurde, die Arbeitnehmer also mehr Geld in der Tasche haben. Nach der komplizierten Rentenformel bringt dies eine Rentenerhöhung von 0,4 Prozent. Vom stattlichen Ergebnis wird allerdings noch einiges abgezogen. Da ist unter anderem der Nachhaltigkeitsfaktor, der berücksichtigt, dass die Zahl der Rentner steigt und die der Erwerbstätigen sinkt. Zudem wirkt nach, dass in den vergangenen Jahren mehrfach eigentlich eine Rentenkürzung fällig gewesen wäre. Das wurde den Rentnern erspart. Doch sie wird nachgeholt: Schon 2012 wurde die Rentenerhöhung reduziert. Dies geschieht 2013 letztmals mit einem Abzug von 0,7 Prozentpunkte, allerdings nur im Westen - im Osten war das Nachholen schon in diesem Jahr abgeschlossen.

Das ist der eine Grund für den großen Unterschied zwischen Ost und West. Der zweite ist eine statistische Bereinigung, die besonders schwer zu durchschauen ist. Vereinfacht gesagt ist die Rentenerhöhung in diesem Jahr im Westen zu hoch ausgefallen und im Osten zu niedrig. Denn die genauen statistischen Daten lagen im Frühjahr noch nicht vor, als der Zuschlag zum 1. Juli berechnet wurde. Alleine dies hat zur Folge, dass die eigentlich fällige Rentenerhöhung im Westen um 0,6 Prozentpunkte gekürzt wird. Im Osten gibt es dagegen einen Zuschlag von 1,2 Prozentpunkten.

Kleiner Trost: Mitte 2014 dürfte die Rentenerhöhung auch im Westen deutlich höher ausfallen. Dann bringt alleine die Beitragssenkung Anfang 2013 den Rentnern zusätzlich 0,9 Prozent. Außerdem gibt es kaum noch Kürzungsfaktoren.

Die Unterschiede zwischen West und Ost dürften die Forderungen verstärken, 22 Jahre nach der Einheit auch das Rentenrecht zu vereinheitlichen - ein heikles Thema, an das sich die Koalition nicht mehr herantraut. Noch immer gibt es getrennte Rechnungen: Steigen die Gehälter im Osten stärker als im Westen, bekommen auch die Rentner dort einen höheren Zuschlag, um die Verhältnisse anzugleichen. Eine niedrigere Rentenerhöhung ist dagegen ausgeschlossen.

14.11.2012 - 08:30 Uhr

Anzeige

(c) Alle Artikel, Bilder und sonstigen Inhalte der Website www.tagblatt.de sind urheberrechtlich geschützt. Eine Weiterverbreitung ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlags Schwäbisches Tagblatt gestattet.

Bildergalerien und Videos

TSV Altingen – SGM Poltringen/Pfäffingen 4:1 Millipay Micropayment

Mobil ohne Auto 2014 im Neckar-Erlebnis-Tal

Umbrisch-Provenzalischer Markt in Tübingen 2014

Tübinger Erbe-Lauf 2014

Demonstration gegen Tierversuche

Primaten, Proteste, Palmer

Die drei Lieblingsorte der Kirchentellinsfurter Bürgermeisterkandidaten: Bernd Haug

Die drei Lieblingsorte der Bürgermeisterkandidaten: Petra Kriegeskorte

TV Derendingen schlägt SV03 Tübingen 4:1 Millipay Micropayment

Ammerbucher Fliegerfest 2014

Stadtfest in Mössingen: Erst feucht, dann fröhlich

Horst Raichle, Bürgermeisterkandidat Kirchentellinsfurt

Trailer zum Poltringer Fliegerfest 2014

SV Seebronn schlägt SV Hailfingen 5:1 Millipay Micropayment

Die Dirndlknacker in Hirrlingen

Walter Tigers präsentieren das neue Team

SSC Tübingen schlägt TSG II mit 5:1 Millipay Micropayment

Toter und Totalschäden: Ein Massencrash zum Üben

Anzeige


Nachrichten aus ...
ReutlingenWannweilPliezhausenWalddorfh�slachAmmerbuchT�bingenDettenhausenKirchentellinsfurtKusterdingenGomaringenDusslingenOfterdingenMössingenNehrenBodelshausenHirrlingenNeustettenRottenburgStarzachHorb
Anzeige


Die Woche im Rückklick
Auf solchen Booten kommen die Flüchtlinge nach Italien. Wer diese Fahrt überlebt, braucht dringend ...

Wissen, was war

Die Woche vom 13. bis 19. September: Flüchtlinge hinters Landratsamt und weiter Debatte um Tübinger Tierversuche

Aktive Singles auf
date-click
Anzeige


Zeitzeugnisse
Anton Schäfle in Uniform. Das Bild entstand Anfang Februar 1917.

„Ich habe nämlich erbärmlich Hunger“

Der 18-jährige Musketier Anton Schäfle hat seinen Eltern seit seiner Ausbildung zum Soldaten im November 1916 bis zu seinem Fronteinsatz im Juni 1917 Briefe und Feldpostkarten geschickt. Die Wannweilerin Claudia Treutlein hat die Texte entziffert, fehlende Informationen recherchiert, alles dem TAGBLATT für die Veröffentlichung überlassen. Briefe und Karten sind ein Zeugnis des Hungers, den die Soldaten im Ersten Weltkrieg an der Front erleiden mussten. Nicht nur deshalb konnte sich Anton Schäfle für den Ersten Weltkrieg nicht begeistern; der Hof daheim war ihm viel wichtiger.

Anzeige


Ihr Kontakt zur Redaktion