29.12.2012 Drucken Empfehlen
 per eMail empfehlen


   

"Die fetten Jahre sind vorbei"

Energiewende stürzt große Stromkonzerne in eine strukturelle Krise

Die Energiewende untergräbt das Geschäftsmodell der Energiekonzerne: Der Öko-Boom geht an ihnen vorbei, kostet sie Absatz, treibt aber die Großhandelspreise für Strom aus ihren Kraftwerken in den Keller.

Anzeige


DPA

Frankfurt Sinkende Großhandelspreise für Strom, schwächelnde Nachfrage, drastische Sparprogramme: Die großen deutschen Energieversorger befinden sich zum Jahreswechsel in schwerer See. Und just in diesem Sturm müssen Eon, RWE und Co. ihre Konzerntanker auf einen neuen Kurs bringen, um im Zuge der deutschen Energiewende nicht auf Grund zu laufen. "2013 wird ebenfalls ein schwieriges Jahr", sagt Tuomas Erik Ekholm, Branchenexperte der Ratingagentur Standard & Poor"s (S&P).

Artikelbild: Energiewende stürzt große Stromkonzerne in eine strukturelle Krise Umbruch in der Stromwirtschaft: Im Bild konkurrieren Windkraftmühlen mit dem Kohlekraftwerk im niedersächsischen Mehrum. Foto: dpa

Vor allem die Branchenriesen stehen unter Druck. RWE ächzt unter hohen Schulden, Eon kassierte kürzlich seine ambitionierte Gewinnprognose für 2013, bei der Karlsruher ENBW brach der Stromumsatz ein. Alle drei sind auf Sparkurs, verkaufen Unternehmensanteile und senken Kosten. Das ist nötig, ändert aber nichts am grundlegenden Problem. Denn während Verbraucher für Strom immer tiefer in die Tasche greifen müssen, sind die Großhandelspreise abgestürzt, auch weil immer mehr Wind- und Solarstrom ins Netz fließt.

Dieser Sinkflug wird nach Einschätzung von Marktbeobachtern anhalten. Die Bank of America Merrill Lynch erwartet für das kommende Jahr auf dem deutschen Markt 14 Prozent niedrigere Börsenpreise. Noch dazu braucht die Wirtschaft in der europaweiten Konjunkturflaute weniger Strom. Eon hat deshalb bereits angekündigt, Kraftwerke zu schließen. Zudem will in Deutschland Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) die Verbraucher auf Stromsparen trimmen.

Für die Großkonzerne ist die Abkehr von der für sie einträglichen Atomkraft weiterhin das beherrschende Thema. In ihren Portfolios dominieren konventionelle Energieträger. RWE erzeugte in den ersten drei Quartalen 167 Mrd. Kilowattstunden (kWh) Strom, davon nur 8,5 Milliarden aus erneuerbaren Energien. Inzwischen liegen die Investitionsschwerpunkt klar bei erneuerbaren Energien. Eon steckt etwa jeden vierten investierten Euro in diesen Bereich, eine deutliche Steigerung.

Die "grünen" Sparten der Konzerne verkünden ehrgeizige Wachstumsziele. So will Eon seine installierte Öko-Leistung von zurzeit 4,2 Gigawatt bis 2020 fast verdreifachen. Eon und RWE setzen dabei in erster Linie auf Windkraft - auch auf hoher See, wo nur die Schwergewichte der Branche die horrenden Investitionskosten stemmen können. Allerdings hinkt die Netzanbindung der Offshore-Parks hinterher. Und das Wüstenstromprojekt Desertec, an dem beide Großkonzerne beteiligt sind, läuft Gefahr, zur Fata Morgana zu werden.

Zudem ermöglichen es die Erneuerbaren mit ihrer dezentralen Stromerzeugung kleineren Akteuren, den Großen ein Stück vom Kuchen abzunehmen. Nach Einschätzung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft werden die Stadtwerke an Bedeutung gewinnen. Die kommunalen Unternehmen wollen sich bis 2020 ein Fünftel der Kraftwerksleistung sichern - das wäre eine Verdoppelung binnen eines Jahrzehnts. Außerdem gibt es eine Gründungswelle bei Energiegenossenschaften, in denen Bürger sich zusammentun, um ihren eigenen grünen Strom zu erzeugen.

Angesichts dieser Gemengelage sind viele Marktbeobachter zurückhaltend. Beim Umbau hätten die Konzerne immer noch viel vor sich, aber sie kämen voran und seien solide aufgestellt, sagt Bonitätsprüfer Ekholm. Aber: "Die fetten Jahre sind vorbei."

29.12.2012 - 08:30 Uhr

Anzeige

(c) Alle Artikel, Bilder und sonstigen Inhalte der Website www.tagblatt.de sind urheberrechtlich geschützt. Eine Weiterverbreitung ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlags Schwäbisches Tagblatt gestattet.

Anzeige


Bildergalerien und Videos

Landesligatipps mit tzu, hdl und mv

Die Tübinger Band Skipjacks im Portrait

TVR-Teambuilding bei der Kartoffelernte

Neuntes Oldtimerfest in Reutlingen

Sternschnuppennacht am 12. August 2015

Wehrnafahra in Poltringen

4000 trotzten mit Rea Garvey dem Regen

Clueso lockte die Massen nach Rottenburg

Wehrnafahra: Skurrile Boote, seltsame Kostüme

SSV kickt den KSC 3:1 aus dem DFB-Pokal

Anzeige


Anzeige


Nachrichten aus ...
ReutlingenWannweilPliezhausenWalddorfh�slachAmmerbuchT�bingenDettenhausenKirchentellinsfurtKusterdingenGomaringenDusslingenOfterdingenMössingenNehrenBodelshausenHirrlingenNeustettenRottenburgStarzachHorb
Die Woche im Rückklick

Wissen, was war

Die Woche vom 1. bis 7. August: Bei Rohrverlegungsarbeiten kam auf der Dußlinger Baustelle ein Arbeiter ums Leben

Aktive Singles auf
date-click
Anzeige


Das TAGBLATT-Zeitungsarchiv
Artikelbild: Das Redaktionsarchiv des SCHWÄBISCHEN TAGBLATTS

Sie suchen? Wir finden.

Wer kennt das nicht: Ausgerechnet den Artikel zum Thema, das einen gerade beschäftigt, hat man verpasst. Oder man braucht dringend einen Überblick über eine regionale Fragestellung. Das TAGBLATT-Archiv hilft weiter.

Ihr Kontakt zur Redaktion
Schwäbisches Tagblatt 

07071/934-0

Tagblatt Online
07071/934-0
Steinlach Bote 07473/9507-0
Rottenburger Post 07472/1606-16
Reutlinger Blatt 07121/3259-50
Neckar Chronik Horb 07451/9009-30
Tagblatt Anzeiger 07071/934-0