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"Die fetten Jahre sind vorbei"

Energiewende stürzt große Stromkonzerne in eine strukturelle Krise

Die Energiewende untergräbt das Geschäftsmodell der Energiekonzerne: Der Öko-Boom geht an ihnen vorbei, kostet sie Absatz, treibt aber die Großhandelspreise für Strom aus ihren Kraftwerken in den Keller.

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DPA

Frankfurt Sinkende Großhandelspreise für Strom, schwächelnde Nachfrage, drastische Sparprogramme: Die großen deutschen Energieversorger befinden sich zum Jahreswechsel in schwerer See. Und just in diesem Sturm müssen Eon, RWE und Co. ihre Konzerntanker auf einen neuen Kurs bringen, um im Zuge der deutschen Energiewende nicht auf Grund zu laufen. "2013 wird ebenfalls ein schwieriges Jahr", sagt Tuomas Erik Ekholm, Branchenexperte der Ratingagentur Standard & Poor"s (S&P).

Artikelbild: Energiewende stürzt große Stromkonzerne in eine strukturelle Krise Umbruch in der Stromwirtschaft: Im Bild konkurrieren Windkraftmühlen mit dem Kohlekraftwerk im niedersächsischen Mehrum. Foto: dpa

Vor allem die Branchenriesen stehen unter Druck. RWE ächzt unter hohen Schulden, Eon kassierte kürzlich seine ambitionierte Gewinnprognose für 2013, bei der Karlsruher ENBW brach der Stromumsatz ein. Alle drei sind auf Sparkurs, verkaufen Unternehmensanteile und senken Kosten. Das ist nötig, ändert aber nichts am grundlegenden Problem. Denn während Verbraucher für Strom immer tiefer in die Tasche greifen müssen, sind die Großhandelspreise abgestürzt, auch weil immer mehr Wind- und Solarstrom ins Netz fließt.

Dieser Sinkflug wird nach Einschätzung von Marktbeobachtern anhalten. Die Bank of America Merrill Lynch erwartet für das kommende Jahr auf dem deutschen Markt 14 Prozent niedrigere Börsenpreise. Noch dazu braucht die Wirtschaft in der europaweiten Konjunkturflaute weniger Strom. Eon hat deshalb bereits angekündigt, Kraftwerke zu schließen. Zudem will in Deutschland Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) die Verbraucher auf Stromsparen trimmen.

Für die Großkonzerne ist die Abkehr von der für sie einträglichen Atomkraft weiterhin das beherrschende Thema. In ihren Portfolios dominieren konventionelle Energieträger. RWE erzeugte in den ersten drei Quartalen 167 Mrd. Kilowattstunden (kWh) Strom, davon nur 8,5 Milliarden aus erneuerbaren Energien. Inzwischen liegen die Investitionsschwerpunkt klar bei erneuerbaren Energien. Eon steckt etwa jeden vierten investierten Euro in diesen Bereich, eine deutliche Steigerung.

Die "grünen" Sparten der Konzerne verkünden ehrgeizige Wachstumsziele. So will Eon seine installierte Öko-Leistung von zurzeit 4,2 Gigawatt bis 2020 fast verdreifachen. Eon und RWE setzen dabei in erster Linie auf Windkraft - auch auf hoher See, wo nur die Schwergewichte der Branche die horrenden Investitionskosten stemmen können. Allerdings hinkt die Netzanbindung der Offshore-Parks hinterher. Und das Wüstenstromprojekt Desertec, an dem beide Großkonzerne beteiligt sind, läuft Gefahr, zur Fata Morgana zu werden.

Zudem ermöglichen es die Erneuerbaren mit ihrer dezentralen Stromerzeugung kleineren Akteuren, den Großen ein Stück vom Kuchen abzunehmen. Nach Einschätzung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft werden die Stadtwerke an Bedeutung gewinnen. Die kommunalen Unternehmen wollen sich bis 2020 ein Fünftel der Kraftwerksleistung sichern - das wäre eine Verdoppelung binnen eines Jahrzehnts. Außerdem gibt es eine Gründungswelle bei Energiegenossenschaften, in denen Bürger sich zusammentun, um ihren eigenen grünen Strom zu erzeugen.

Angesichts dieser Gemengelage sind viele Marktbeobachter zurückhaltend. Beim Umbau hätten die Konzerne immer noch viel vor sich, aber sie kämen voran und seien solide aufgestellt, sagt Bonitätsprüfer Ekholm. Aber: "Die fetten Jahre sind vorbei."

29.12.2012 - 08:30 Uhr

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