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Das Handy ersetzt den Geldbeutel

Elektronisches Bezahlen im Supermarkt mit Mobiltelefon und spezieller Karte

Warum einen Geldbeutel mit sich herumschleppen, wenn es doch das Handy gibt? Immer mehr Mobiltelefone haben einen Chip fürs Bezahlen. Doch noch ist unklar, welche Technik sich durchsetzt.

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THOMAS VEITINGER

Ulm Es soll ja Jugendliche und Erwachsene geben, die ständig an ihrem Handy herumfummeln. Wenn sie ihr Lieblingsgerät schon dauernd in der Hand haben, können sie damit auch zahlen, denken sich wohl manche Unternehmen: NFC heißt die Technik, die das Begleichen von Rechnungen mit dem Handy möglich macht. Bei Near Field Communication (Nahbereichskommunikation) wird das Mobilfunkgerät etwa an der Kasse einer Tankstelle oder im Supermarkt zum Bezahlen kurz an ein Terminal gehalten - fertig. Der im Handy enthaltene Chip übernimmt die kontaktlose Abwicklung. Unterschrift, Eintippen einer Geheimnummer oder Vorzeigen des Ausweises sind bei kleineren Beträgen nicht nötig.

Artikelbild: Elektronisches Bezahlen im Supermarkt mit Mobiltelefon und spezieller Karte Auch so lässt sich per Handy bezahlen: Payleven und Pepperbill ermöglichen mobiles Bezahlen in Gastronomiebetrieben. Foto: Payleven

Derzeit gibt es in Deutschland bereits Möglichkeiten für das "Bezahlen 2.0". Bei der Deutschen Bahn lassen sich so Fahrkarten in Bahnhöfen an "Touchpoints" kaufen. Dabei muss die NFC-Funktion nicht im Gerät selbst eingebaut sein. Mit dem Bezahlsystem "mpass" etwa kann seit Oktober bei der Drogeriekette Douglas, der Buchhandlung Thalia und dem Selbstbedienungsrestaurant Vapiano der Einkauf abgeschlossen werden. Auch Supermärkte und Tankstellen machen mit. Voraussetzung ist aber kein bestimmtes Handy, sondern ein NFC-Sticker mit Chip und Antenne, der aufs Handy geklebt wird.

Artikelbild: Elektronisches Bezahlen im Supermarkt mit Mobiltelefon und spezieller Karte

"Tausende Händler" sollen dadurch hierzulande angebunden sein, berichtet Katja Hauß, Pressesprecherin des Mobilfunkanbieters Telefónica mit seiner deutschen Marke O2. "Es ist noch zu früh, um über weitreichende Erfahrungen zu sprechen." "mpass" wurde im Jahr 2008 von O2 und seinem Konkurrenten Vodafone ins Leben gerufen, 2011 stieß die Telekom dazu.

Auch der Handel steht NFC grundsätzlich positiv gegenüber. "Die meisten Händler halten es für eine gute Technik", sagt Ulrich Binnebößel vom Handelsverband Deutschland (HDE). Dennoch seien die Kaufleute bei dem Thema Getriebene. Denn hinter NFC steht ein Kreditkarten-Vorgang - und dieser ist in Deutschland mit 3 Prozent vom Umsatz für Händler die teuerste Art der Abwicklung, bei der EC-Karte sind es nur 0,3 Prozent.

"Der Handel betreibt das Bezahlen mit Handy nur dann aktiv, wenn entweder die Kosten sinken oder der Kunde danach verlangt", glaubt Binnebößel. Doch eine günstigere Variante könnte auf sich warten lassen. Denn die Banken wollen an dem Bezahlvorgang verdienen und sperren sich gegen den Zugriff Dritter auf die Bankkonten der Kunden. Laut HDE-Experte diskutiert die EU-Kommission bereits über eine Erlaubnis.

Deutsche lieben Bargeld. Nicht einmal 6 Prozent greifen zur Kreditkarte, aber 60 Prozent kramen an der Kasse Scheine oder Kleingeld aus ihrer Geldbörse - und das dauert. Ob das Zahlen allerdings mit Handy so viel schneller geht, ist laut Binnebößel unsicher. Ein Geschwindigkeitsvorteil sei erst dann gegeben, wenn viele Kunden mit ihrem Mobiltelefon bezahlten. Auch Steffen Steudel, Sprecher der Deutschen Kreditwirtschaft, hält "passendes Bargeld für die schnellste Art zu zahlen".

Vielleicht setzt sich NFC durch - aber nicht per Handy. Denn die Nahbereichskommunikation funktioniert auch auf Kreditkarten mit kontaktloser Bezahlfunktion. Visa bietet eine solche Möglichkeit unter anderem für Comdirect-Kunden an. Als Vorreiter gilt Mastercard mit "Paypass", bei dem Kunden ihre Kreditkarte an ein Terminal halten müssen; erst bei Beträgen über 25 EUR ist die Eingabe einer Geheimnummer oder eine Unterschrift nötig.

Sparkassen und Volksbanken wiederum erproben seit April ihre Variante "Girogo" im Großraum Hannover. Auch dabei ist der Betrag beschränkt - auf 20 EUR. Kunden fühlten sich unwohl, wenn im Vorbeigehen größere Beträge abgebucht werden, heißt es.

Und dann gibt es noch Bezahllösungen wie "Square" und "iZettle". Hierbei können vor allem mobile Händler wie Handwerker, Hausmeister oder Marktverkäufer mit einem kleinen Programm fürs Handy und einem Mini-Chipkartenleser Smartphones und Tablets in mobile Bezahlstationen verwandeln. Laut Alexander Hauser von der Volksbank Ulm-Biberach bedeute "iZettle" für diese Kundengruppen, "dass sie nie wieder ein Geschäft verpassen und aufwändige Abrechnungen ein Ende haben".

Noch gibt es also viele Lösungen, die nicht immer ganz ausgereift sind. Selbst Google hatte mit seiner Lösung "Wallet" in den USA einen schweren Start, weil der Suchmaschinen-Gigant anfangs nur mit Mastercard zusammenarbeitete und die Zahl teilnehmender Läden überschaubar war.

In der Ulmer Drogerie Douglas weiß eine Angestellte gar nicht, dass es die Bezahlmöglichkeit in ihrem Markt gibt. Eine Kollegin erinnert sich immerhin, dass bereits einmal mit einer NFC-Kreditkarte gezahlt worden ist - mit einem Mobiltelefon aber noch nie.

29.12.2012 - 08:30 Uhr

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