Bank- und Finanzexperten fordern Austritt Griechenlands
Deutsche Ökonomen fordern vor dem Gipfel ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone. Ex-EZB-Chefvolkswirt Ottmar Issing hält zudem einen Schuldenschnitt von mindestens 50 Prozent für nötig.
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FRANK KÖNIG UND DPA
Ulm/Düsseldorf/Berlin Deutsche Ökonomen haben sich gegen eine von Frankreich vorgeschlagene Hebelung des Euro-Rettungsschirms EFSF über eine Banklizenz ausgesprochen. "Deutschland ist gut beraten, die entsprechenden französischen Pläne zu verhindern", sagte der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther, der Onlineausgabe des "Handelsblatts". Es dürfe "keinesfalls zu einer Banklizenz für den EFSF kommen, weil dies die Geldpolitik ins Spiel bringt", warnte Hüther.
Das hoch verschuldete Griechenland muss nach Ansicht des früheren Chefvolkswirts der europäischen Zentralbank (EZB), Otmar Issing, aus der Euro-Zone ausscheiden. Der langjährige Notenbanker sagte dem Magazin "Stern", Athen werde im kommenden Jahr eine Schuldenquote von 160 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichen - "den Schuldendienst für diese horrende Last kann das Land schlicht und einfach nicht mehr leisten". Ohne einen "gravierenden Schuldenschnitt" werde Griechenland nicht mehr auf die Beine kommen. Ein Verzicht von Gläubigern auf ihr Geld müsse "mindestens 50 Prozent" betragen. Das gehe nicht innerhalb der Währungsunion.
Issing warnte vor eine Ansteckung anderer Euroländer durch die aktuelle Krise. Dies müsse verhindert werden, denn etwa Italien sei "viel zu groß, um von anderen gerettet zu werden". In einem solchen Falle könne das ganze Finanzsystem zusammenbrechen.
Auch der Vorstandschef der Commerzbank, Martin Blessing, fordert eine Bankrotterklärung und damit einen Schuldenschnitt für Griechenland. Abschreibungen in den Bankenbilanzen allein reichten nicht aus, sagte Blessing. Eine Umschuldung sei geboten. Freiwillig würden die Banken einen solchen Schritt aber wohl nicht akzeptieren, so Blessing weiter. Das gehe nur "indem Griechenland selbst seine Zahlungsunfähigkeit erklärt". Ob das Land den Euro behalte, müsse es selbst entscheiden.
Je früher die Pleite Griechenlands kommt, desto besser und desto billiger. Das sagte Bankwissenschaftler Hans-Peter Burghof von der Uni Hohenheim vor Firmenkunden der Unicredit Ulm. Die Deutschen dürften nicht versuchen, souveräne Staaten zu einer finanziellen Disziplin zu zwingen, die das Volk nicht will: "Wenn die Griechen Pleite gehen wollen, haben wir uns nicht einzumischen." Falls von deutscher Seite Zwang ausgeübt werde, "zerstört das Europa." Die Situation für die Griechen sei unhaltbar.
Burghof zeigte sich verärgert, wie der EZB mit einem politisch motivierten Zwang zum Kauf von Staatsanleihen "das Rückgrat gebrochen" wurde. Dadurch gebe es keine solide Währungspolitik mehr. Weil die EZB wegen ihrer Anleihe-Schuldner an höheren Leitzinsen nicht mehr interessiert sei, werde die Inflation zunehmen. Dadurch werde den Staaten signalisiert: Jeder der Schulden abbaut, ist der Dumme. Am Ende stehe ein "gigantischer Vermögenstransfer": von den Sparern zu den Schuldenmachern.
Die ständige Aufstockung der Rettungsschirme stelle ebenfalls eine Gefahr für Europa dar, weil es die Spannungen, die unter diesem Schirm weiterbestehen, eventuell nicht mehr aushält. Zur ökonomischen Realität gehörten unterschiedliche Zinsen, und: Länder mit geringer Finanzdisziplin "brauchen dringend einen hohen Zins".