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Langsam wächst der Technologiepark

Was es alles auf der Oberen Viehweide gibt

Das Biotechnologiezentrum (BTZ) auf der Oberen Viehweide kann Uni-Ausgründern keine Labore und Büros mehr anbieten: Alles ist belegt. Die Stadt hat deshalb großes Interesse an einem weiteren Forschungsgebäude. Doch anders als noch beim BTZ will sie diesmal keine Mietgarantie mehr übernehmen.

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Volker Rekittke

Tübingen. Im Technologiepark bei der Sternwarte (im Bild oben die markierte Fläche A) wird weiter gebaut: Noch diesen Herbst sollen die 30 Mitarbeiter/innen der Tübinger Bio-Informatik-Firma Hölle & Hüttner in ihr neues, 2200 Quadratmeter großes Domizil einziehen (die Baustelle am linken Bildrand). Und erst vor ein paar Monaten verdoppelte die Zahnmedizintechnik-Firma Cumdente ihre Betriebsflächen an der Paul-Ehrlich-Straße (rechts daneben). Erstmals seit der Fertigstellung im Jahr 2003 voll belegt ist das Biotechnologiezentrum (ebenfalls in Gebiet A, das Doppelgebäude rechts neben der Sternwarte).

Artikelbild: Was es alles auf der Oberen Viehweide gibt

Damit ausgründungswilligen Uni-Forschern mit guten Ideen auch weiterhin Labore und Büros angeboten werden können, würde sich Tübingens OB Boris Palmer über ein zweites Gründerzentrum „riesig freuen“. Die Stadt wünscht sich von der L-Bank-Tochter „Technologiepark Tübingen-Reutlingen GmbH“ (TTR), die bereits das BTZ baute, noch ein Technologiegebäude gleich nebenan. Allerdings ist für Palmer klar, dass die Stadt diesmal nicht das Belegungsrisiko übernehmen würde: „Es wird keine Mietgarantie geben.“ Denn die kostete die Stadt Tübingen seit 2003 bereits mehr als fünf Millionen Euro: fürs BTZ und für die Gebäude Vor dem Kreuzberg sowie im Reutlinger Industriegebiet. Der Technologiepark-Partner Reutlingen musste noch einmal die gleiche Summe investieren.

TTR-Geschäftsführer Thomas Dep hoff kann sich „durchaus vorstellen, in Tübingen ein zweites Gebäude zu errichten“, und das auch ohne Mietgarantie durch die Stadt: „Das BTZ ist für uns die Ausnahme, normalerweise tragen wir das Risiko selbst“ – etwa in den Technologieparks der L-Bank in Stuttgart und Karlsruhe, wie auch in den zwei TTR-Technologiegebäuden im Reutlinger Industriegebiet Mark West.

Biotech-Neubauten auch ohne Bebauungsplan

Doch nun baut TTR erst einmal anderswo: Im Spätsommer soll Baubeginn sein für das dritte Technologiegebäude in der Mark West. Einen Zeitplan für Tübingen nennt Dephoff indes nicht. Das hänge „von den städtebaulichen Voraussetzungen“ rund um die Sternwarte ab, und von der „Belegungsstruktur“ im BTZ. Soll heißen: Beschließt die Stadt endlich einen Bebauungsplan für den Technologiepark (Fläche A) auf der Viehweide und ist das Biotechnologiezentrum weiter so voll belegt wie derzeit, würde Dephoff, „einen Neubau perspektivisch angehen“.

Zwar werde derzeit an einem Bebauungsplan für das Areal gearbeitet, bestätigt Palmer. Für Investoren sei dies aber kein Hindernis: Schließlich habe die Stadt bereits den Bau von Cumdente sowie von Hölle & Hüttner genehmigt – und das ohne gültigen Bebauungsplan. Den alten, 2003 vom Rat verabschiedeten hatte der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim 2005 nach einer Anwohnerklage wegen befürchteter Lärmbelästigung gekippt. OB Palmer verspricht: „Wenn dort ein weiteres Biotechnologiegebäude entstehen soll, würden wir die Genehmigung so schnell hinbekommen, wie der Bauherr bauen will.“

Ein Bebauungsplan für das Areal wäre aber schon deshalb sinnvoll, weil darin auch die Parkplatzfrage geregelt werden könnte. Schon heute ist der große Parkplatz bei der Sternwarte wochentags mit Autos vollgestellt (linke Bildhälfte, die helle Fläche beim Gebäude mit der runden Kuppel – auf unserem Bild, das samstags entstand, ist sie leer). „Noch ist Parken dort umsonst“, sagt Palmer, „aber früher oder später werden Parkraumbewirtschaftung und Anwohnerparkplätze kommen.“ Werde im Technologiepark weiter gebaut, brauche man auch eine bessere Busverbindung – und eine Tiefgarage oder ein Parkhaus.

Noch völlig unklar ist, was aus der nördlich an das Biotechnologiezentrum grenzenden Fläche B werden soll. Bis zum Jahresende, so ist jetzt wieder mal zu hören, werden sich die letzten Mitarbeiter der Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere (BFA) aus Tübingen verabschieden.

Was wird aus den großen BFA-Flächen?

Die Tübinger Dependance des Friedrich-Loeffler-Instituts sollte eigentlich schon vor einem Jahr endgültig geschlossen werden. Allerdings war der Auszug der Forscher bereits mehrfach angekündigt – und dann wieder verschoben worden. Die meisten Wissenschaftler, die in Tübingen an Schweinepest oder Rinderwahn forschten, sind längst auf die Ostseeinsel Riems bei Greifswald umgezogen. Das BFA-Gelände gehört zum städtebaulichen Entwicklungsbereich. Die gesamte Fläche B bis zum Nordring ist im Besitz des Bundes – so wie auch die (nicht markierten) Flächen des Max-Planck-Campus. Unten rechts im Bild zu sehen sind (von rechts nach links): das Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik, das Friedrich-Miescher-Laboratorium sowie, direkt unterhalb des Biotechnologiezentrums (BTZ), das Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie.

Die Streuobstwiesen im Horemer südlich des Nordrings (Fläche C) waren im 2001 vom Rat beschlossenen Rahmenplan ebenfalls als Teil des seinerzeit auf den Flächen A bis D geplanten Technologieparks vorgesehen. Ob und wann diese Pläne je realisiert werden, ist völlig offen. Die Wiesen des Horemer gehören jedenfalls schon zum allergrößten Teil der Stadt Tübingen.

Ein Grundstück nördlich der Sternwarte ist im Eigentum des Landes (Fläche D). Dort hat das Uni-Klinikum 2006 einen Tier-OP gebaut. Das Gelände bietet Platz, um weitere kliniknahe Forschungsbereiche anzusiedeln, sagt der Leiter des staatlichen Bau- und Vermögensamtes Bernd Selbmann. An weiteren Flächen auf der Oberen Viehweide habe das Land „im Moment kein Interesse“.

Luftbild: Manfred Grohe

24.05.2011 - 16:00 Uhr | geändert: 24.05.2011 - 16:04 Uhr

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