Vier Garagentüftler gründeten Technologiefirma Intra2net
Die Tübinger Firma Intra2net hat eine „Garagen-Geschichte“ wie aus dem amerikanischen Silicon Valley. Aus einem Studententeam wurden erfolgreiche Firmengründer.
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Mario Beisswenger
Schon als Studenten finanzierten sie sich mit Programmieren ihr Studium. Die Firmengründer von Intra2Net (von links): Steffen Jarosch, Gerd von Egidy, Simon und Thomas Jarosch. Heute setzt die Firma im Jahr rund eine Million Euro um.Bild: Faden
Tübingen. „Begeistert – ja. Computerfreaks – nein.“ Steffen Jarosch versucht, die vier Gründer der Firma Intra2Net zu beschreiben. Neben ihm selbst sind das seine Brüder Simon und Thomas, und Gerd von Egidy, den sie seit ihrer Schulzeit kennen. „Nerds“ – Langweiler, die nichts anderes kennen als ihre Computer – seien sie auf keinen Fall gewesen. Als Studenten hätten sie halt gern an Computern gearbeitet, programmiert, Internet-Seiten gebaut. In der Zeit vor der Jahrtausendwende war das die beste Voraussetzung, um Geld zu verdienen. „Jeder, der damals einigermaßen HTML konnte, bekam einen Auftrag“, erzählt der heute 36-Jährige.
Geregelte Arbeitszeiten waren kein Thema
So war es auch bei den Vieren. Mit ihren Programmierer-Kenntnissen verdienten sie gutes Geld: Mit hundert Mark die Stunde ließ sich das Studium finanzieren. Musste nur noch das Problem gelöst werden, wie die gemeinsame Arbeit zu organisieren ist. Denn die vier jungen Männer pendelten zwischen Tübingen, Stuttgart und Nürnberg, mussten aber auf dieselben Daten und Mails zurückgreifen. Deshalb bauten sie sich eine Software zusammen: Sie bestand aus einer Firewall und einem Mail-Server-Programm mit sicherem Zugriff auf gemeinsame Daten über das Internet.
Das war die Geburtsstunde des „Intranators“, einem Gerät samt Software, das genau das kann, was die Programmierer-Gruppe für ihre Arbeit brauchte (siehe „Schnittstelle zwischen drinnen und draußen“). Dass sie damit auch ein auf dem Markt gesuchtes Produkt hatten, war den Beteiligten noch damals nicht klar – stellte sich aber bald heraus. Jarosch, heute Vorstand von Intra2Net, studierte damals Architektur und arbeitete als Praktikant in einem Architekturbüro. Dort kämpfte man mit den Tücken des aufkommenden Internets und des zunehmenden Mail-Verkehrs. Ein Dienstleister bot eine Lösung für die Probleme an – für 7500 Euro. Das ließ Jarosch aufhorchen. „Wir dachten, das können wir besser – für halb so viel Geld“, erzählt Jarosch. Sein Chef schlug ein und ist bis heute Kunde bei Intra2net.
Andere Kunden kamen dazu, Architekten, Ingenieurbüros, Handwerker. 2001 wurde Intra2net als Aktiengesellschaft gegründet, erstes Domizil war in Lustnau.
Es war nicht wirklich eine Garage, in der man damals gearbeitet habe. Aber als Anfangszwanziger habe man geringe Ansprüche. Die Lebenshaltungskosten waren. Geregelte Arbeitszeit sei „nicht so das Thema“ gewesen. Während einer der Gründer nach einer Spätschicht noch unterm Schreibtisch schlief, konnte ein anderer schon wieder auf Kundenfang gehen.
Anfangs versuchten die vier Gründer, ihren Intranator selbst an die Firmen zu bringen. Das war nicht so einfach. Die Dienstleister, die bei kleinen Firmen und Büros die EDV betreuen, sahen in den Tübingern Konkurrenz. Nach zwei Jahren änderte Intra2net die Strategie und vertreibt seitdem nur noch über Partner, vor allem in Deutschland und zum kleineren Teil in Österreich und der Schweiz. Deren Zahl ist inzwischen auf 200 gewachsen. Geholfen hat beim Markteintritt die Auszeichnung mit dem Cyber-One, einem Preis für junge Technologie-Unternehmen. Heute setzt Intra2Net vom Firmenbüro im Französischen Viertel aus rund eine Million Euro im Jahr um.
Privat reden sie nie über die Arbeit
„Irgendwann gibt es dann einen Punkt, da kommen Sie allein mit Intuition aber ohne BWL-Kenntnisse nicht weiter“, sagt Jarosch. Er studierte an der Reutlinger Hochschule Betriebswirtschaftlehre. Er sei heute die Person für die betriebswirtschaftlichen Entscheidungen, die anderen verlegten sich mehr auf die Entwicklung.
Zum Erfolg gehörte auch das Produkt. Steffen Jarosch ist da wenig bescheiden: „Wir haben dasselbe, was große IT-Hersteller großen Kunden verkaufen.“ Nur zugeschnitten auf Firmen, die häufig keinen IT-Experten im Haus haben und eine Lösung suchten, die sie selber pflegen können. Die Hardware plus Software ist ab 1000 Euro zu haben, Installation und Einweisung kosten etwa nochmal so viel. Möglich werde Angebot und Preis durch das Betriebssystem Linux. Die Entwicklungsabteilung der Firma mit ihren elf Beschäftigten werde so durch Tausende von Programmieren auf der ganzen Welt unterstützt.
Einen Investor hat die Firma nie gebraucht, in den Anfangsjahren sprang allenfalls mal die Familie ein. Dass die Zusammenarbeit unter Brüdern auch nach zehn Jahren noch klappt, liege wohl an gewissenhafter Trennung von Arbeit und Freizeit. „Privat reden wir nie übers Geschäft“, sagt Jarosch, für den die Regel schon in der Mittagspause gilt. Damit das Unternehmer-Dasein nicht überhandnimmt, balanciert er Arbeit und Freizeit aus: „Am produktivsten ist man bei 40 bis 50 Stunden Arbeit in der Woche.“
Obwohl Intra2net den sicheren Zugriff aufs Firmennetz ermöglicht, nutzt er das von zu Hause fast nie. In seiner Freizeit sei er auch nur in Ausnahmefällen mobil zu erreichen. „Das bringt eine gewisse Ruhe rein.“ Lieber schaut er sich moderne Architektur an. Das freut ihn nämlich an seinem abgeschlossenen Erststudium: „Die Begeisterung dafür ist geblieben.“
Schnittstelle zwischen drinnen und draußen
Die Tübinger Firma Intra2net bietet mit dem Intranator sowohl eine Software wie eine Hardwarelösung an, die das Verhältnis von Firmennetzwerk und digitaler Außenwelt regelt. Das ermöglicht Mitarbeitern einer Firma einen gemeinsamen Internetzugang und die E-Mail-Nutzung. Das System filtert Viren und Trojaner und sortiert unerwünschte Spam-E-Mails aus. Der Zugriff auf Internet-Seiten lässt sich regeln, es gibt einen Mail-Server, einen gemeinsamen Terminkalender und Kontaktverwaltung. Zu den Kunden zählen in Tübingen unter anderem ein Autohaus und die Stadtbücherei. Intranatoren stehen bei der Stadtverwaltung von Radolfzell oder bei der Tunnelbau-Arge für Hamburgs Hafencity-U-Bahn.