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Thomas Rinderknecht näht unter dem Label „Elf-zwo“

Taschen aus Altschläuchen und Praktisches aus LKW-Planen

Aus Feuerwehrschläuchen, Lastwagenplanen und Sicherheitsgurten näht der Tübinger Thomas Rinderknecht Taschen und Gürtel. Als Label-Namen verwendet er die Telefonnummer der Feuerwehr „Elf-zwo“.

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Martin Zimmermann

Tübingen. Gebrauchte Feuerwehrschläuche, alte Einsatzwesten, US-Army-Tarnhemden, Bundeswehrdecken, Postsäcke und Geldsäcke der Deutschen Bundesbank: In Thomas Rinderknechts Werkstatt stapeln sich Dinge, die sonst auf dem Müll gelandet wären und nun auf ein zweites Leben als Designer-Taschen und Gürtel warten.

Der gelernte Polsterer Thomas Rinderknecht hat ein eigenes Label „Elf-zwo“. Unter diesem Namen ... Der gelernte Polsterer Thomas Rinderknecht hat ein eigenes Label „Elf-zwo“. Unter diesem Namen recycelt er Altmaterial. Bild: Metz

„Aus allem was sich in eine Nähmaschine spannen lässt, lässt sich auch eine Tasche nähen“, sagt der gelernte Polsterer. Für Fussballfans nähte er schon Rucksäcke aus halbierten Lederbällen. Traktorschläuche und Fahrradschläuche wurden zu Shoppingtaschen. Rinderknecht ist ein leidenschaftlicher Bastler. Einer, der nichts wegwirft. Nichts aus dem man nicht noch irgendetwas Schönes nähen kann. Einer der Stunden im Internet verbringt, um Dinge zu ersteigern, die andere Schwaben „Gruschd“ nennen: taiwanesische Postsäcke, Bundeswehrdecken, Geldsäcke der Bundesbank. Hinter dem Eingang seiner Werkstatt steht ein Ford Modell A, Baujahr 1928. Der Oldtimer wird ebenso repariert wie es die ledernen Masken und Armschoner schlagender Studentenverbindungen werden. „Was sich nicht reparieren lässt, lässt sich recyceln“, sagt Rinderknecht.

Auf die Idee Gürtel aus alten Feuerwehrschläuchen zu nähen, brachte ihn ein befreundeter Feuerwehrmann. „Der Kumpel brachte mir einen Schlauch mit und wollte, dass ich einen robusten Gürtel daraus nähe“, erinnert sich Rinderknecht. Das Problem dabei: Wenn die dicken Schläuche zurechtgeschnitten werden, fransen sie aus. Die Lösung für das Problem war recht einfach. Rinderknecht näht die Gürtel aus dünneren Schläuchen, wie sie früher für Handspritzen verwendet wurden. Aus den dickeren Schläuchen, die er mit einem Rundmesser aufschlitzt, näht er nun Handtaschen und Handytaschen. Ihr Innenteil besteht dabei aus LKW-Planen und das Trageband aus PKW-Sicherheitsgurten. Aus Versicherungsgründen werden die Sicherheitsgurte von Autos nicht gebraucht verkauft, Rinderknecht verwendet deshalb neue Gurte.

Die Jugendfeuerwehr fährt drauf ab

Auch alte Feuerwehrschläuche und Einsatzwesten sind für den Kunsthandwerker schwer zu bekommen. Bei der Tübinger Feuerwehr kommt ausgemustertes Material entweder in den Reißwolf oder es wird an Entwicklungsländer gespendet. Deshalb ist es für Rinderknecht nicht immer ganz einfach, an seine Rohmaterialien zu kommen. So stammen etwa die gelben Schläuche mit dem Aufdruck TÜ-16-N aus einer Lieferung, die nie im Einsatz war, sondern wegen eines Herstellungsfehlers von der Tübinger Feuerwehr zurückgewiesen wurde.

Alte Schläuche bekommt er aber auch inoffiziell von seiner Kundschaft, die zu einem großen Teil aus Angehörigen von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk besteht. „Die Taschen werden auch von vielen jungen Leuten, etwa Mitgliedern der Jugendfeuerwehr, getragen“, sagt Rinderknecht. Seine Kreationen verkauft der Tübinger vor allem im Internet über seine Homepage www.elf-zwo.com, auf Kunsthandwerkermärkten und in seiner Werkstatt vor dem Kreuzberg.

Allein vom Verkauf seiner Taschen leben kann der Vater von drei Töchtern bisher nicht, obwohl er vor Weihnachten kaum mit der Arbeit nachkam. Auch einen Lehrling will Rinderknecht nicht einstellen. Nur seiner zehnjährigen Tochter bringt er das Nähen mit den 30 Jahre alten Maschinen bei: „Dieses Jahr hat sie ihre erste Sommerkollektion an Taschen genäht und sogar einige davon im Bekanntenkreis verkauft“, schmunzelt der stolze Vater.

29.12.2012 - 08:30 Uhr | geändert: 07.01.2013 - 17:33 Uhr

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