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Schokomänner von der Alb

Rübezahl produziert 50 Millionen Nikoläuse

Heute ist ihr Tag: Die Nikoläuse und Weihnachtsmänner aus Schokolade haben ihren großen Auftritt. Die meisten von ihnen kommen aus Dettingen unter Teck, vom Weltmarktführer für Schokofiguren Rübezahl.

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JOANNA STOLAREK

Ulm Der Nikolaus ist ein Schwabe. Der aus Schokolade auf jeden Fall. Denn der Weltmarktführer für die weihnachtlichen Schokofiguren produziert in Dettingen unter Teck, am Rande der Schwäbischen Alb. 400 000 Weihnachtsmänner laufen hier in der Saison jeden Tag vom Band. Rund 50 Mio. der deutschlandweit 140 Mio. Weihnachtsmänner und Nikoläuse verlassen Jahr für Jahr das Fabrikgelände von Rübezahl und genauso viele Osterhasen. Die Produktion der Langohren aus Schokolade ist gerade angelaufen: "Sie sind zunächst für den australischen Markt, also Übersee", erklärt Dieter Schäfer, Pressesprecher bei Rübezahl. "Wir sind immer eine Saison voraus. Nach Ostern fangen wir dann schon wieder mit den Nikoläusen an."

Das Geschäft mit der süßen Saisonware ist knallhart kalkuliert. Wer Nikoläuse mit dem "private label", also ohne eigene Marke verkaufen will, "muss fast konkurrenzlos preiswert sein und trotzdem eine hohe Qualität liefern", erklärt Claus Cersovsky, geschäftsführender Gesellschaftler von Rübezahl. Zurzeit exportiert das Familienunternehmen rund 40 Prozent seiner Produktion, vor allem nach Österreich, Italien, Frankreich, USA und Kanada. Aber auch in China und Israel stehen die "süßen Schokomänner" im Regal.

Dabei ist der Klassiker aus Vollmilchschokolade im traditionellen Design - der alte weißbärtige Mann mit einem roten Gewand - am beliebtesten. Es gebe aber auch durchaus Trends, sagt Schäfer, zu Mischformen und anderer Farbgestaltung. Der Schokoladenexperte räumt zugleich mit dem Gerücht auf: Alte Schoko-Nikoläuse würden nach dem Saisonende zu Schoko-Osterhasen umgeschmolzen: "Das wäre viel zu teuer und qualitativ schwierig", sagt er.

Die Schokolust der Deutschen ist ungebrochen: Knapp 46 EUR geben die Bundesbürger im Schnitt pro Jahr für Schokolade aus. Die Branche macht die Hälfte ihres jährlichen Umsatzes von insgesamt knapp 5 Mrd. EUR rund um Weihnachten und Ostern. Trotz aller Schwierigkeiten, bleibt der Markt stabil, sagt Torben Erbrath vom Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie. Rohstoffkosten bei Zucker und Kakao hätten zwar den Preis der Schokolade steigen lassen, doch die Menschen bleiben ihr treu: 9,6 Kilogramm Schokolade verzehrt jeder Deutsche pro Jahr, nur die Schweizer schaffen einige Gramm pro Kopf mehr.

Rübezahl produziert vor allem für Discounter und den Lebensmitteleinzelhandel unter den jeweiligen Handelsnamen oder Süßwaren rund um die Spielfiguren der Schlümpfe oder Spongebob. Nur wer auf den Absender schaut, entdeckt den Namen Rübezahl oder Friedel - eine Marke, die das Unternehmen vor zehn Jahren dazugekauft hat.

Der Druck des Handels ist groß. Die steigenden Kosten konnte Rübezahl nur über Wachstum finanzieren. "In den letzten 20 Jahren hat das Unternehmen den Ausstoß verzwanzigfacht, in den letzten fünf Jahren fast verdoppelt", erklärt Schäfer. Seit zwei Jahren sei aber klar, dass Saisonartikel ohne starke Namen kein großes Wachstumspotenzial mehr in Deutschland haben.

Deswegen traf die Familie Cersovsky bereits 1994 eine wichtige Entscheidung. Während der Vater Peter noch komplett auf Nikoläuse und Co. gesetzt hatte, entschieden die beiden Söhne Claus und Olivier, sich unabhängiger vom Saisongeschäft zu machen. Sie stiegen mit der Marke Sun Rice in den Markt für Puffreisschokoladen ein. Sie trägt nun ein Viertel zum Umsatz bei, der insgesamt rund 150 Mio. EUR betrug .

Vor vier Jahren kaufte Rübezahl die Traditionsmarke Gubor, 2010 die Insolvenzmasse der Firma Weseke Dragees in Borken und im Mai beteiligte sich das Unternehmen am Zuckerwarenspezialisten Reutter in Rosengarten bei Schwäbisch Hall. Die Strategie heißt dabei, noch unabhängiger werden vom Saisongeschäft mit den Nikoläusen.

06.12.2012 - 08:30 Uhr

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