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Ein Hochpreis-Standort - „Wirtschaft trifft Kommune“

IHK und Stadt tauschten sich aus

Eine flächendeckende Breitband-Versorgung, die Gewerbesteuer, Bauplätze für Betriebe und Parkplätze waren Themen bei einer Veranstaltung, auf der sich Boris Palmer als „der autofreundlichste OB seit 40 Jahren“ vorstellte.

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Mario Beisswenger

Tübingen. „Wir haben in Tübingen schon zu viel über Verkehr diskutiert.“ Hans-Ernst Maute, Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer (IHK), war das Thema sichtlich leid. Trotzdem wurde auf dem Treffen am Mittwoch im Museum auch über fehlende Parkplätze, das Abbiegerecht in die Mühlstraße vom Österberg herunter oder die Anbindung Tübingens ans überregionale Netz debattiert.

Freundlicher Applaus nach der Rede von Boris Palmer bei „Wirtschaft trifft Kommune“ in den Oberen ... Freundlicher Applaus nach der Rede von Boris Palmer bei „Wirtschaft trifft Kommune“ in den Oberen Museumssälen. Bild: Sommer

Palmer sah sich angesichts der Fragen aus den Reihen von gut 150 Vertretern aus Wirtschaft und Lokalpolitik zu einer kühnen These genötigt. „Ich bin der autofreundlichste OB seit mindestens 40 Jahren.“ Seine Belege: Ex-OB Eugen Schmid habe Tempo 30 eingeführt, ihn habe das Regierungspräsidium dazu gezwungen. Schmid habe mit der Hechinger Straße eine Verkehrsader zurückgebaut, er keine einzige. Statt Busspuren habe die Verwaltung unter seiner Führung Abbiegespuren für Autos erweitert. Die Teilsperrung der Mühlstraße ginge auch aufs Konto seines Vor-Vorgängers.

„Sie sind immer gut zu Fuß mit Ihrem Mund“, zollte Maute dem OB ob dieser Argumentation Respekt. Mit Ideen wie der City-Maut liefere Palmer immer wieder die nötigen Tropfen Öl, um das ohnehin diskussionsfreudige Tübinger Publikum anzufeuern. Ergebnis: „Das autofeindliche Image lebt davon.“ Was in anderen Städten klaglos akzeptiert werde, eine gewisse Entfernung zwischen gewünschtem Ziel und Parkhaus etwa, erscheine in Tübingen als perfide Idee des OBs, um einem das Autofahren zu verleiden.

Maute ging den Verwaltungschef nicht besonders hart an. Seinen Vortrag beendete er mit: „Ich finde, dass Tübingen ein sehr guter Wirtschaftsstandort ist.“ Das liege an der Verfügbarkeit qualifizierter Mitarbeiter, dem kulturellen Angebot und dem öffentlichen Nahverkehr. Maute rieb Palmer aber unter die Nase, dass Tübingen bei einer Befragung von Unternehmen im ganzen Regierungsbezirk bei Themen wie Gewerbesteuer, der Wirtschaftsfreundlichkeit, der Miethöhe von Gewerbeimmobilien und bei der Verfügbarkeit von Wohnungen auf den hintersten Plätzen liege.

Palmer wies bei der Gewerbesteuer auf den Gleichstand mit Reutlingen hin, bedauerte aber die Sache mit der Wirtschaftsfreundlichkeit besonders. Das liege wohl an der langen Vakanz an der Spitze der Wirtschaftsförderungsgesellschaft WIT. Mit dem seit November tätigen Thorsten Flink – er stellte sich mit „Flink wie schnell“ selbst kurz vor – werde sich das aber sicher bessern.

Den hinteren Platz wegen hoher Gewerbemieten nahm Palmer dagegen an. „Wir sind ein Hochpreis-Standort.“ Im Schnitt liegt Tübingen bei 7,38 Euro pro Quadratmeter, Reutlingen und Rottenburg bei gut 5,70, Balingen bei 3,89. Auf die Nachfrage nach Neubauflächen für Einfamilienhäuser – die kam aus dem Publikum – ging Palmer auch ein. „Das sind die Grundstücke, die am schwersten zu vermarkten sind“ wegen der sehr hohen Preise. Die Kraft der Stadt möchte er da lieber auf Schaffung von bezahlbarem Wohnraum für möglichst Viele verwenden.

Eine Vollversorgung mit 50 Megabit

Auf die Frage des Verlegers Titus Häussermann, wie denn die Chancen stehen, dass Bebenhausen eine bessere Anbindung ans Internet bekommt, präsentierte der OB eine Überraschung. Nach dem bisher quälend langsamen Netzausbau in den Teilorten, werde er in den nächsten Tagen eine Vereinbarung unterzeichnen, die binnen Kurzem flächendeckend eine 50-Megabit-Versorgung im ganzen Stadtgebiet möglich mache. Details dazu wollte er auch auf Anfrage nicht nennen.

Eine Reihe von Fragen drehte sich um die Belebung der Altstadt. Palmer verwies auf kaum lösbare Konflikte zwischen Party-Publikum und Anliegern und die Bemühung, die Aufenthaltsqualität der Innenstadt zu erhöhen. Er warb für das Reglement der Altstadtsatzung, die ein „Downgrading“ verhindere. Auch hier sprang ihm Maute zur Seite. Als Privatperson und nicht als IHK-Vertreter mochte er keine schrankenlose Erweiterung der Handelszeiten. „Eine Never-sleeping-City nach dem Vorbild New York geht zu Lasten des Einzelhandels.“

Neue Gewerbegebiete soll es geben
OB Boris Palmer legte einen Liste von möglichen neuen Gewerbeflächen vor. Im Flächennutzungsplan verzeichnet sind in der Weststadt 4,5 Hektar im Anschluss an den Handwerkerpark. Am Güterbahnhof wäre auf 3,2 Hektar Platz, entlang des Hirschauer Rittwegs auf etwa 7 Hektar. Dazu kommen kleinere Flächen zwischen Unterjesingen und Pfrondorf. Das Gelände der früheren Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere auf der Waldhäuser Höhe könnte auf 9 Hektar forschungsnahe Firmen aufnehmen.
Ins Auge fasst die Stadt auch das gut 12 Hektar große Wasserschutzgebiet „In der Au“ am B 28-Knoten. Die Traufwiesen in der Neckaraue beim Baumarkt könnten 5,2 Hektar für Firmen bringen. Beim Supermarkt in Weilheim wären 2 Hektar drin, im Gewann „Vor dem Großholz“ 2,6. Vor allem für Universität und Kliniken will die Stadt auf Morgenstelle und Schnarrenberg Flächen sichern.
Ob die Stadt Zugriff auf diese Erweiterungen hat, wird sich zeigen, meinte Palmer. Welche Flächen sich verwirklichen lassen, hänge von der Genehmigung einer Änderung des Flächennutzungsplanes ab. In Hirschau „tritt die Ortschaft auf die Bremse“.


25.01.2013 - 08:30 Uhr | geändert: 25.01.2013 - 08:36 Uhr

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