Haus und Hof stets im Blick
Hechinger Firma bietet Videoüberwachung via Internet an
Mit der Technologie, die eine Hechinger Firma anbietet, kann man Einbrechern live auf die Langfinger sehen. Ein Kontrollblick aufs Handy genügt.
Susanne Mutschler
Hechingen. „Mal sehn, was zu Hause los ist“: Peter Steinhilber, einer der beiden Geschäftsführer der Hechinger Firma za-Internet, zückt sein iPhone und kontrolliert mit einem Blick die fünf Video-Überwachungskameras, die er in und an seinem Haus in Bodelshausen installiert hat. Auf dem Display sieht er, dass gerade ein Auto vor der Türe parkt. Er zoomt die Nummerntafel näher heran und ist beruhigt. Die aktuellen Kamerablicke ins Innere des Hauses sind unaufregend.
„Jede Bewegung wird aufgezeichnet und bis zu einem Jahr lang gespeichert“, erklärt Steinhilber. Und, was potentiellen Käufern vielleicht am wichtigsten ist, als Gefahr erkannte Bewegungen werden als aktiver Alarm an das Mobiltelefon zurückgemeldet. Dabei seien die Parameter so eingestellt, dass eine Katze als Auslöser nicht ausreicht. „Es muss schon ein Mensch sein.“
Seit 2003 hat sich die Hechinger Firma auf die Videoüberwachung von Firmen- und Privatbesitz spezialisiert. Das Besondere an ihrem System sei die kinderleichte Handhabung, betont Kompagnon Michael Reuschling. Als „Chefentwickler“ tüftelte der Diplomingenieur für technische Informatik sechs Monate lang herum, bis die Grundversion schließlich Marktreife erlangt hatte. Der Kunde brauche nichts außer der digitalen Aufzeichnungsstation, einer überschaubar kleinen Box mit dem lautmalenden Namen C-Mor (see more = mehr sehen) und den Kameras. Die gibt es in reicher Auswahl von Stecknadelkopf-klein bis Fass-groß.
Mit dieser Ausstattung könne man von überall auf der Welt und über jeden Internetzugang, ob Computer oder Mobiltelefon, ein wachsames Auge auf seinen Besitz haben, erklärte Reuschling sein Prinzip des „plug and play“: einfach einstöpseln und loslegen.
Die Qualität der Aufzeichnungen sei so gut, dass sie im Zweifelsfall jederzeit als Beweismaterial tauge. Die Polizei habe schon manches Lob weitergegeben, wenn durch eine der Hechinger Anlagen ein Einbrecher geschnappt wurde.
Beinahe 1000 solcher Netzwerkbasierender Überwachungsstationen tun bereits ihren Dienst. Vom anfänglichen Zwei-Mann-Betrieb für Internet-Dienstleistungen ist die Firma in Lotzenäcker zu einem Unternehmen mit fünf festangestellten und fünf freien Mitarbeitern angewachsen. Zwei weitere Mitarbeiter sitzen in der Tochterfirma in Los Angeles. Die amerikanischen Ballungszentren seien ein großer Markt, weiß Reuschling. Auch aus Afrika und vereinzelt aus Asien sind schon Anfragen nach Hechingen gekommen.
Vor allem Firmen wünschen sich die Hechinger Sicherheitstechnik, doch das Interesse unter Privatleuten nehme zu, informiert Steinhilber. Darunter seien etwa vorsichtige Leute, die in der Nacht jedem verdächtigen Geräusch auf die Spur gehen wollen, ohne sich aus dem Bett zu bewegen, Ferienhausbesitzer, die sich vom unversehrten Zustand ihrer „Fincas“ überzeugen wollen oder Landwirte, die jederzeit einen Blick auf ihre Tiere im Stall werfen möchten. „Die können nachts nach dem kranken Pferd oder der kalbenden Kuh schauen, ohne die Gummistiefel anzuziehen“, sagt Steinhilber.
Mitunter gebe es allerdings auch Firmeninhaber, deren Wunsch nach umfassender Kontrolle die Hechinger C-Mor-Hersteller überrascht. Wenn jemand Videokameras in Sanitärräumen anbringen will, sieht er sich gezwungen, zunächst einmal über die gesetzliche Lage aufzuklären, stellte Reuschling fest. „Das wäre ein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte.“