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Gute Arbeit, gutes Geld – aber nicht staatlich verordnet

Handwerk lehnt allgemeine Lohnuntergrenze ab

Gute Arbeit soll auch gut bezahlt werden. Für Handwerkskammerpräsident Joachim Möhrle gehört das zum Image attraktiver Arbeitgeber. Gesetzlich verordnete Mindestlöhne lehnt das Handwerk aber ab.

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Bernd Ulrich Steinhilber
Joachim Möhrle Joachim Möhrle

Reutlingen. „Lohnfindung ist alleinige Aufgabe von Arbeitgebern und Arbeitnehmern.“ Bei einem Pressegespräch am Mittwoch vor der Wintervollversammlung der Handwerkskammer ließ Kammerpräsident Joachim Möhrle keinen Zweifel an der Position des Handwerks: „Verhandlungen haben Vorrang vor staatlichen Festsetzungen“, weshalb zunächst einmal die Tarifparteien gefordert seien.

Artikelbild: Handwerk lehnt allgemeine Lohnuntergrenze ab

Tatsächlich treffe man in der Bundesrepublik unterschiedliche Verhältnisse an. Beispielsweise sehe im Osten der Tarifvertrag für das Elektrohandwerk einen unteren Stundenlohn von 6,89 Euro vor, im Westen sind es 9,70 Euro. Im Friseurhandwerk müssen Gesellen in Sachsen mit vier Euro auskommen, in Baden-Württemberg ist die Mindestvergütung doppelt so hoch – was ein Handwerker in Sachsen niemals stemmen könnte.

Umgekehrt würde ein Kollege in Baden-Württemberg für vier Euro keinen Mitarbeiter finden. Fazit: „Wir brauchen Lösungen, die regionale Besonderheiten und die Wettbewerbsbedingungen im Blick behalten.“

Indes könne man in Baden-Württemberg problemlos die Tarifverträge als allgemeinverbindlich erklären. Andererseits gebe es im Bundesgebiet weiße Flecken auf der Landkarte. „Wir haben teilweise keine Tarifparteien mehr“.

„In solchen Fällen, meinte Hauptgeschäftsführer Joachim Eisert, „könnten wir in eine Situation kommen, in der der gesetzliche Mindestlohn vorstellbar ist – wenn auch nur als Ultima Ratio.“

Gemeinschaftsschule und Energiewende

Uneingeschränkt glücklich ist das Handwerk aber mit der von der grün-roten Landesregierung geplanten Einführung der Gemeinschaftsschule. Längeres gemeinsames Lernen und die starke beruflichen Orientierung entspreche zwei seit Jahren erhobenen Forderungen des Handwerks. „Ich hoffe“, sagte Möhrle weiter, „dass tatsächlich eine leistungsstarke und sozial gerechte Schule entsteht, die Schülerinnen und Schüler nach individuellen Voraussetzungen fördert.“ Vor allem wünsche man sich „ausbildungsreife Jugendliche sowie eine bessere und gezieltere Unterstützung bei der Berufswahl.

Auch mit der „Energiewende“ hat das Handwerk keine Probleme, so lange die Versorgungssicherheit gewährleistet ist. „Wir versprechen uns davon einen Markt, vor allem, wenn die energetische Sanierung steuerlich absetzbar ist.“

Die Kammer selbst ist mit ihrem Jahresergebnissen zufrieden. Mit 2255 neuen Lehrverträgen liege man 5,8 Prozent (Landesdurchschnitt 0,9 Prozent) über dem Vorjahr. Und die Konjunktur, so Eisert, entwickele sich zufriedenstellend. Dem Handwerk in den fünf Kammerbezirken gehe es ausgezeichnet. Im vergangenen Jahr wurden von 75 000 Mitarbeitern über 7,5 Milliarden Euro umgesetzt.

09.12.2011 - 08:30 Uhr

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