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Edler Weinwettstreit

Doppelgold und einmal Silber für Unterjesinger Winzer

Es ist ein edler Wettstreit in der Familie: Wer macht den besseren Wein? Dieses Mal erhielt Christine Müller für eine Weißwein-Cuvée eine goldene Preismünze vom Württembergischen Weinbauverband. Doch auch Vater Richard Müller bekam für seinen Müller-Thurgau Gold und Silber für einen Gewürztraminer.

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Uschi Hahn

Unterjesingen. Er ist ein echtes Schwergewicht: 13,5 Prozent Alkohol hat der Weißwein von Christine Müller. Und schmeckt doch gar nicht breit und schwer. Es ist eine Cuvée, eine Mischung also aus zwei verschiedenen Rebsorten. Sorten, die hier eher unbekannt sind: Johanniter und Solaris. Die beiden haben wenig gemein. Außer der Tatsache, dass es pilzwiderstandsfähige Rebsorten sind. Gezüchtet in Freiburg, um Winzern den Anbau leichter zu machen, weil sie weniger Pflanzenschutzmittel spritzen müssen.

Richard Müller brachte seine 2011er Ernte eine goldene und eine silberne Preismünze ein. Christine ... Richard Müller brachte seine 2011er Ernte eine goldene und eine silberne Preismünze ein. Christine Müller heimste bei der Prämierung in Weinsberg Gold ein – für eine ganz außergewöhnliche Cuvée. Bild: Sommer

Etwa 30 Jahre Arbeit stecken in solch einer Neuzüchtung, bis sie auf den Markt kommt. Aber darum soll es hier gar nicht gehen. Es geht vielmehr um eine mit 35 Jahren noch junge Winzerin, die Freude am Experimentieren hat. Und ihren Vater, der mit 63 Jahren viel Wissen über den Weinbau hat – und mindestens so viel Ehrgeiz.

Als die Post am 6. Dezember kam, war es Christine Müller, die als erstes am Briefkasten war: Gold für ihre Piwi-Cuvée, eine trockene Spätlese. Sie rief gleich bei den Eltern an. Schließlich hatten sie ihre Weine gemeinsam zur Prämierung nach Weinsberg gebracht. Der Vater wollte mit einem trockenen Müller-Thurgau Qualitätswein und einer halbtrockenen Gewürztraminer Spätlese punkten. Doch auch bei ihm war Post aus Weinsberg angekommen: Gold für den Müller-Thurgau, Silber für den Gewürztraminer. Beide Klassiker überzeugen mit den sortentypischen Aromen und ausgewogener Säure. Wobei, und das muss er dann doch betonen, beim schmelzigen Gewürztraminer nur ganz wenig zu Gold gefehlt hat.

Im Winter auf der Feinhefe

Während es für den Rentner Müller schon die dritte Goldmünze ist, freut sich die Tochter – sie betreibt als studierte Lebensmittelchemikerin ein eigenes Weinlabor in Unterjesingen – über das zweite Weingold. „Das schönste Nikolausgeschenk“, wie sie strahlend sagt.

Die Weine der Müllers wachsen in Unterjesingen. Gemeinsam bewirtschaften sie 105 Ar Rebfläche, 65 die Tochter, 40 der Vater.

Die Trauben für ihren Goldwein hat Christine Müller 2011 geerntet. Der Solaris, in den unter anderem die Sorte Muskat Ottonell eingekreuzt wurde, war schon Ende August reif. Der Johanniter hing vier Wochen länger am Weinstock. In ihm steckt neben Riesling auch Ruländer, den viele besser als Grauburgunder kennen. Getrennt gekeltert, kamen die beiden als Jungweine gemeinsam ins Edelstahlfass.

Während der Wintermonate lagerte der Wein auf der sogenannten Feinhefe. Dieses Sur-lie-Verfahren macht Weißweine aromatischer und stabiler, findet Richard Müller. Auch er wählt die in Frankreich schon lange übliche Methode für den Ausbau seiner Weißweine. Aber das Verfahren ist auch heikel. Man muss den richtigen Moment abpassen, an dem der Wein im Frühjahr von der Hefe genommen werden muss, damit er keine Fehltöne entwickelt. „Bevor‘s warm wird und die Hefe wieder aktiv ist“, erklärt Christine Müller. Es sei eine Zeit, in der man den Wein „in der Woche zwei Mal probiert“.

Aus dem Mischungsverhältnis macht Christine Müller kein Geheimnis: „Ein bisschen mehr Johanniter, etwa 55 Prozent.“ Richard Müller bewertet das Experiment seiner Tochter als gelungen. „Eine gute Ehe“ sei das.

Eine Weinehe, bei der beide Partner ihr Bestes zum Geschmack beitragen: Von dem Johanniter kommen die Rieslingspritzigkeit und eine samtig-schmelzige Ruländertextur. Der Solaris, der trotz der frühen Lese 110 Öchsle vorzuweisen hatte, gibt der Cuvée nicht nur die für einen Weißwein erstaunliche Fülle sondern auch eine würzige Muskat-Note mit. Eine gelungene Mischung jedenfalls. Mal sehen, ob sich das noch steigern lässt. Der 2012er ist schon im Fass.

22.12.2012 - 08:30 Uhr | geändert: 22.12.2012 - 09:20 Uhr

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