Das Tübinger Biotechnologie-Unternehmen Cegat gewann bei der Verleihung des Deutschen Gründerpreises in Berlin den Titel in der Kategorie „Bestes Startup“.
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Ulrike Pfeil
Dirk Biskup
Tübingen / Berlin. Die Auszeichnung, die erst während der Gründerpreis-Veranstaltung am Dienstagabend bekannt gegeben wurde, war auch für die Cegat-Gründer Saskia und Dirk Biskup eine Überraschung. Als Nominierte für den Preis waren sie zwar nach Berlin gereist, doch es gab in der Startup-Kategorie noch zwei weitere Finalisten. „Wir wussten gar nichts“, sagte Saskia Biskup gestern am Telefon in Berlin dem TAGBLATT. „Es war Spannung bis zur letzten Sekunde.“
Saskia Biskup
Der Gründerpreis weckte enormes Medieninteresse an der Tübinger Firma, die seit 2009 im Biotechnologiezentrum bei der Sternwarte im Bereich Gendiagnostik tätig ist – und an ihrer Chefin, die als erste Frau für ein Startup ausgezeichnet wurde. Gestern war Saskia Biskup im „Morgenmagazin“, laufend gab sie Interviews für Zeitungen und Rundfunkanstalten.
Die Publicity ist der eine Nutzen aus dem nicht dotierten Preis. Die Gewinner bekommen außerdem für zwei Jahre einen Unternehmer als „Business-Paten“ und Unterstützung von Consulting- und Marketing-Firmen. Solche Förderung kann Cegat gerade gut brauchen. Die Firma mit derzeit 14 Mitarbeitern befindet sich nach Auskunft von Saskia Biskup „in einer schwierigen Phase“, da sie weiter wachsen soll. Drei neue Stellen sind schon ausgeschrieben.
Saskia Biskup, promovierte Biologin und Medizinerin, und ihr Mann Dirk Biskup, promovierter Betriebswirt, waren weltweit die ersten mit der Geschäftsidee, die neuen Möglichkeiten der schnellen Gen-Analyse mit der humangenetischen Diagnostik zu verbinden. Mit einem Gerät für die Hochdurchsatzsequenzierung von Erbgut und der Entwicklung so genannter Diagnostik-Panels ist es ihrem Labor möglich, sämtliche für eine Krankheit in Betracht kommenden Gene gleichzeitig zu entschlüsseln und auf bestimmte Krankheitsbilder zu untersuchen.
Die Methode wurde zuvor nur in der Forschung angewandt. Eine umfassende Genuntersuchung dauerte vorher bis zu zwei Jahre; durch die Cegat-Methode wurde sie auf vier Wochen reduziert. Optimiert wurden laut Saskia Biskup vor allem der Weg von der Probe zur Analyse, die Kommunikation mit Kliniken und Ärzten und die Interpretation der Daten. Ärzte, Kliniken und Forschungseinrichtungen bekommen nun in kurzer Zeit einen aussagekräftigen medizinischen Befund. Dies bringt Zeitersparnis für Patienten, die etwa an Demenz, Parkinson, Dystonie, Epilepsie, neuromuskulären Erkrankungen oder erblichen Augenerkrankungen leiden, und spart Kosten im Gesundheitswesen.
Obwohl die Firmengründer in das sehr teure Frequenzierungsgerät investieren mussten, erreichten sie bereits im ersten Geschäftsjahr einen Ausgleich zwischen Kosten und Erlös. Für das Jahr 2011 strebt Cegat einen Umsatz von 1,5 bis zwei Millionen Euro an.
Aufträge bekommt Cegat aus aller Welt. „Man kann Gen-Proben sehr gut mit der Post verschicken“, sagt Biskup. Die Firma wird sich also zunächst nur in Tübingen vergrößern; das Gebäude des Technologieparks biete dafür noch genügend Raum. „Tübingen“, sagt Saskia Biskup, „ist ein Super-Standort.“ Und die Stadt ist stolz auf die erfolgreichen Biotech-Unternehmer: Oberbürgermeister Boris Palmer schickte gleich eine Glückwunsch-Mail.
Archivbilder: Sommer, Metz
Info: Der Deutsche Gründerpreis wurde vom Magazin Stern, den Sparkassen, ZDF und Porsche initiiert. Die Auswahl trifft ein Kuratorium aus hochrangigen Wirtschaftsexperten.