Andreas Evertz ist neuer Vorstandsvorsitzender bei der Walter AG
Nur noch wenige Tage, dann räumt Walter-Chef Peter Witteczek sein Büro für Andreas Evertz. Der frühere Flender-Geschäftsführer ist bei Walter seit Oktober Vize im Vorstand – und hält an dem ehrgeizigen Ziel fest, die Umsatzmilliarde bis 2014 zu erreichen. Dafür sieht es aktuell gut aus.
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Volker Rekittke
Tübingen. „Wir werden in diesem Jahr noch nicht ganz das Niveau von 2008 erreichen“, sagte gestern der designierte Walter-Vorstandsvorsitzende Andreas Evertz, 40. Aber man sieht sich beim Tübinger Hartmetallwerkzeug-Hersteller auf bestem Wege dazu: „Wir sind nicht weit weg“, ergänzte Noch-Vorstandschef Peter Witteczek, 65. Zum 1. April übergibt er, nach acht Jahren an der Walter-Spitze, den Job an seinen Nachfolger Evertz.
Noch vor einem halben Jahr hätte der künftige Walter-Chef in einem sehr viel schwierigeren Umfeld starten müssen. Nach 540 Millionen Euro 2008 war der Umsatz im vergangenen Krisenjahr um ein Drittel auf rund 360 Millionen Euro eingebrochen. Doch mittlerweile ziehen die Aufträge wieder an – „stärker als erwartet“, sagt Evertz. In den vergangenen Monaten habe sich die Produktion gegenüber dem – allerdings extrem schwachen – Vorjahr wieder „mehr als verdoppelt“.
Mit Kurzarbeit wurde das Personal gehalten – im vergangenen Monat wurden in Münsingen wieder 21 neue Mitarbeiter eingestellt, fünf weitere sollen folgen. Sie gehören zu jenen 100 Beschäftigten, deren befristete Verträge 2009 nicht verlängert wurden. Während die Kurzarbeit im Münsinger Werk seit Anfang Februar passé ist, wird sie in Tübingen wohl erst im Verlauf dieses Jahres beendet. Derzeit arbeitet noch die Hälfte der 600 Tübinger Walter-Mitarbeiter 20 Prozent weniger als üblich.
Der alte und der neue Walter-Chef: Peter Witteczek und Andreas Evertz. Bild: Faden
Der neue Walter-Chef Andreas Evertz stammt aus Bocholt. Bei der Bundeswehr, bei der er von 1988 bis 1997 die Offizierslaufbahn einschlug, studierte „der jüngste Hauptmann in Deutschland“ Maschinenbau an der Bundeswehruniversität in Hamburg. Dort sammelte er „viele Erfahrungen im Umgang mit Menschen“, in Teamarbeit, aber auch zahlreiche Führungskompetenzen. Evertz: „In welcher Ausbildung, in welchem Studium bekommt man das mit 21 Jahren vermittelt?“
Nach der Bundeswehr zur Flender-Gruppe
1997 schied er auf eigenen Wunsch bei der Bundeswehr aus, suchte neue Herausforderungen in der Wirtschaft. Evertz ging zur Flender-Gruppe, wo er bis 2002 im Management arbeitete – zuständig unter anderem für die Logistik, ein Bereich, den er schon von seiner Bundeswehr-Zeit her kannte. Bereits im Oktober 2000 zog Evertz nach Tübingen, von 2002 bis 2007 war er Geschäftsführer der Tübinger Flender GmbH. Im Jahr 2005 übernahm Siemens den Kilchberger Getriebemotoren-Hersteller (der heute Siemens Geared Motors heißt), und Evertz wurde bei dem Weltkonzern Leiter des Geschäftszweiges Getriebemotoren.
Den Wechsel in den Vorstand der Tübinger Walter AG zum 1. Januar 2008 erklärt Andreas Evertz so: „Ich wollte gestalten, mehr unternehmerisch tätig sein.“ Was bei einem großen Mittelständler wie Walter (auch wenn der seit 2001 Teil des schwedischen Sandvik-Konzerns ist) offensichtlich besser geht, als bei einem Multi wie Siemens. Vergangenen Oktober schließlich wurde Evertz stellvertretender Vorstandsvorsitzender – und damit designierter Nachfolger von Peter Witteczek.
Andreas Evertz lebt gern in Tübingen: „Das ist eine sehr schöne Stadt.“ Die allerdings in der Vergangenheit „einige Fehler bei der Industrieansiedlung gemacht hat“. Doch das ist Schnee von gestern. „Das Interesse für Unternehmen hat zugenommen“, ist die Erfahrung des neuen Walter-Chefs: „Wir werden in der Unistadt längst nicht mehr als leidiges Übel angesehen.“