Die eigene Adresse im Internet zu verschleiern, ist nicht ganz einfach
Wer im Netz surft, hinterlässt eine breite Datenspur. Die Informationen werden von Diensten wie Youtube ausgenutzt, um Inhalte nur in Regionen anzubieten. Echte Anonymität ist aber nicht so leicht zu haben.
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CHRISTOPH DERNBACH, DPA
Durch den Tunnel ins Netz: Wer über eine VPN-Verbindung surft, kann seine Herkunft verschleiern. Nützlich ist das etwa bei gesperrten Youtube-Videos. Foto: dpa
"Leider ist dieses Video in Deutschland nicht verfügbar." Viele Youtube-Anwender kennen diese Fehlermeldung und ärgern sich, dass sie ein Webvideo hierzulande nicht anschauen können, nur weil sich Google und die Verwertungsgesellschaft Gema noch nicht über eine Vergütung der Musikrechte geeinigt haben.
Um Länderbegrenzungen bei Video-Portalen zu umgehen, kursieren im Netz viele Tricks, wie man die eigentliche Herkunft einer Daten-Abfrage verschleiern kann. Mit der Anonymisierung der eigenen Adresse begehen die Anwender übrigens keinen Rechtsbruch.
Eine Methode zur Verschleierung der Herkunft im Netz sind öffentlich zugängliche Proxy-Server. Das sind Rechner im Netz, über die der Browser seine Anforderung nach Webseiten schickt und über die er die Ergebnisse zurückerhält. Diese Server sind für die Übertragung von Video-Streams häufig nicht ausgelegt, weil die Verbindung über die Proxy-Server zu langsam ist. Zum Umgehen der Ländersperre bei Youtube reichen die Proxy-Lösungen aber zumeist aus. So können Nutzer des Browsers Firefox eine Erweiterung wie das Plugin "Stealthy" installieren.
Als verlässlichere Alternative preisen sich kommerzielle VPN-Anbieter wie Cyberghost, PureVPN, Perfect Privacy, Astrill oder HideMyAss zum Umgehen der Geo-Sperren an. VPN steht für Virtual Private Network und beschreibt ein Verfahren, wie man im offenen Internet Daten durch einen verschlüsselten Tunnel transportieren kann. Ein VPN wird beispielsweise dazu genutzt, um mobile Arbeitsplätze sicher an ein Firmennetzwerk anzukoppeln. Im Fall der "Anonymizer" wie Cyberghost oder Astrill wird das VPN verwendet, um eine abhörsichere Verbindung zwischen dem PC des Anwenders und einem Server des VPN-Anbieters aufzubauen, der in der Regel im Ausland steht. Auf diesem Weg hilft ein VPN den Anwendern dabei, beim Surfen im Netz oder dem Herunterladen von Dateien die eigene IP-Adresse zu verschleiern.
"Wenn man die Medien-Angebote von kommerziellen US-Portalen wie hulu.com oder Pandora nutzen möchte, muss man einen VPN-Anbieter auswählen, der in den USA beheimatet ist oder zumindest dort einen Server betreibt, damit die IP-Adresse US-amerikanisch bleibt", sagt Fachredakteur Lars Sobiraj vom Portal gulli.com. "Ansonsten bleibt die Sperre natürlich bestehen, sofern man erkennen kann, dass Sie aus dem Ausland auf die Angebote zugreifen wollen."
Die Szene der VPN-Anbieter ist ziemlich unübersichtlich. "Auf diesem Markt findet man mit Leichtigkeit Listen mit rund 140 verschiedenen Anbietern", sagt Johannes Endres, Redakteur der Fachzeitschrift "c"t". "Die kosten aber alle Geld - und die Anwender sollten sich gut überlegen, wer von diesen Anbietern vertrauenswürdig ist." Nach den Erfahrungen der Experten ermöglichen die gängigen VPN-Anbieter tatsächlich den Zugriff auf Dienste wie hulu.com oder Youtube-Videos, die sonst für den Zugriff aus Deutschland gesperrt wären. "Das heißt allerdings nicht, dass die User mit einem VPN tatsächlich anonym im Netz unterwegs sind", sagt Endres. Zum einen können die VPN-Dienstleister - zumindest theoretisch - das Verhalten im Netz den einzelnen Kunden zuordnen. Außerdem gibt es neben der IP-Adresse vielfältige Methoden, Nutzer im Netz zu identifizieren oder wiederzuerkennen.