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"Wart ihr denn auch alle schön artig?"

Uwe Rakrabiap ist seit über 30 Jahren mit Leidenschaft als Weihnachtsmann unterwegs

Seit 31 Jahren sorgt Uwe Rakrabiap als Nikolaus oder Weihnachtsmann verkleidet in der Adventszeit für eine frohe Bescherung von Kindern und Erwachsenen. Doch auch die Nikoläuse spüren die Rezession.

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JAN-PHILIPP SCHÜTZE

Stuttgart "Ho-Ho-Ho, frohe Weihnachten", schallt es mit tiefer Stimme aus dem dichten Rauschebart, ehe ein beherzter Griff in den Jutesack eine Handvoll Schokolade, Mandarinen und Walnüsse zu Tage fördert - mit strahlenden Augen nehmen die Kinder die kleinen Geschenke des Weihnachtsmanns entgegen. "Aber immer schön artig bleiben", sagt Uwe Rakrabiap und zwinkert verschmitzt.

Artikelbild: Uwe Rakrabiap ist seit über 30 Jahren mit Leidenschaft als Weihnachtsmann unterwegs Sitzt der weiße Rauschebart auch richtig? Die weihnachtliche Verkleidung muss bis ins kleinste Detail stimmen. Foto: Jan-Philipp Schütze

Seit 31 Jahren schon schlüpft der Stuttgarter in der Adventszeit regelmäßig in die Rolle des Nikolaus oder des Weihnachtsmanns - im Auftrag der Agentur für Arbeit, die ihn und seine Kollegen an Familien, Firmen und soziale Einrichtungen vermittelt. Zu seinem "Amt" als dickbäuchiger Gabenbringer gelangte der heute 51-Jährige eher durch Zufall. "Ich habe Betriebswirtschaftslehre studiert und war auf der Suche nach einem Aushilfsjob", erinnert sich Rakrabiap, der mittlerweile hauptberuflich in einem international tätigen Import-Export-Unternehmen arbeitet.

Für den 51-Jährigen ist der Job als Hilfs-Santa eine Herzensangelegenheit. Geld bekommt er zwar auch für seine Einsätze - die Bezahlung hält sich im Vergleich zum Aufwand aber meist in Grenzen. Denn die Auftritte verlangen nicht nur einiges an Vorbereitung, sondern auch eine gehörige Portion an Einfühlungsvermögen. "Es gibt Kinder, die versuchen, ganz frech an meinem Bart zu ziehen, andere verstecken sich erstmal hinter dem Sofa." Er selbst versuche, mit allen ins Gespräch zu kommen. Doch ab und zu müsse der Weihnachtsmann auch streng sein. "Einmal sollte ich einem kleinen Jungen im Auftrag der Eltern die Leviten lesen", erinnert sich Rakrabiap. Der Bub wollte zuhause den Sankt Martin nachspielen - und hatte kurzerhand den Lieblingsschal der Mutter mit einer Schere in zwei Teile geschnitten. "Da musste ich mir selbst erstmal das Lachen verkneifen, ehe ich ihn mit ernster Stimme ermahnen konnte."

Alles in allem seien die Kinder heutzutage aber auch nicht artiger oder unartiger als früher. Für einen überzeugenden Auftritt sorgen nicht nur die freundlichen Augen, das herzliche Lachen und die dunkle Stimme Rakrabiaps, sondern vor allem die authentische Verkleidung, die bis ins kleinste Detail stimmen muss.

Doch auch die Leih-Weihnachtsmänner bekommen die Rezession zu spüren. Bei der Arbeitsagentur sind die Auftragszahlen seit Jahren rückläufig, die Tradition schwindet zusehends. "Die Leute lassen sich nicht mehr so für Weihnachten begeistern wie früher", sagt Rakrabiap. auch die Geschenke für die Kinder seien nicht mehr so üppig. Zum Nikolaustag überbringe er in den Familien heuer meist Schokolade oder kleine Spielsachen. "Größere Geschenke gibt es dann erst zu Heiligabend." Ans Aufhören denke er aber noch lange nicht, betont Rakrabiap, der mittlerweile die Hälfte seiner Aufträge über Vermittlungsportale im Internet erhält. Eine Vorweihnachtszeit ohne Nikolaus-Einsätze? Für den Routinier kaum vorstellbar. "Da würde mir wirklich etwas fehlen."

24.12.2012 - 08:30 Uhr

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