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Retter auf zwei Rädern

Stauberater des ADAC hilft bei Notlagen auf der Autobahn

Manche nennen ihn den "Retter auf zwei Rädern". Dieter Mäurer aus Stuttgart ist ehrenamtlicher Stauberater des ADAC und tritt auf den Plan, wenn Stillstand auf den Autobahnen droht.

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JAN-PHILIPP SCHÜTZE

Stuttgart Mäurer, gebürtiger Karlsruher und seit 30 Jahren leidenschaftlicher Motorradfahrer, ist heute auf seinem Lieblingsabschnitt rund um das Autobahnkreuz Stuttgart unterwegs. Schon am Morgen hat er in einer Lagerhalle des ADAC in Bad Cannstatt seine komfortable Tourenmaschine startklar gemacht. Von 11 Uhr an wird er für sieben Stunden auf den Autobahnen 8 und 81 nach Reisenden in Not Ausschau halten.

Artikelbild: Stauberater des ADAC hilft bei Notlagen auf der Autobahn Mit seinem Motorrad ist Stauberater Dieter Mäurer schnell vor Ort, wenn es auf der Autobahn zu einem Stau kommt. Rund sieben Stunden dauert ein Einsatztag auf der Autobahn. Kommt es zum Stau, darf Mäurer sich ganz legal zwischen den stehenden Autos durchschlängeln. Fotos: Schütze

Los gehts an der Raststätte Sindelfinger Wald im gemütlichen Tempo auf der A 8 in Richtung Stuttgarter Flughafen. Schon nach kurzer Zeit hört Mäurer über den Verkehrsfunk eine Meldung über zäh fließenden Verkehr in der Gegenrichtung. Die Ausfahrt zur Landesmesse hat Mäurer gerade verpasst, die Fahrt zur nächsten Ausfahrt würde viel Zeit kosten. Also schaltet der Stauberater unter den verdutzten Blicken der anderen Verkehrsteilnehmer flugs den Warnblinker ein, bremst auf dem Standstreifen ab und schlängelt sein Motorrad zwischen den Leitplanken hindurch auf die Autobahnausfahrt. Keineswegs ein illegales Manöver. Stauberater genießen ganz offiziell Sonderrechte auf der Straße, dürfen in Ausnahmefällen den Standstreifen benutzen, rechts überholen oder bei Stau gegen die Fahrtrichtung und zwischen den Autos durchfahren. Doch die Eile war in diesem Fall umsonst. Als Mäurer eintrifft, hat sich die Verkehrslage schon wieder entspannt. Die gekühlten Getränke für geplagte Autofahrer und die Spielsachen für quengelnde Kinder bleiben vorerst in den Seitenkoffern des Motorrads verstaut.

Artikelbild: Stauberater des ADAC hilft bei Notlagen auf der Autobahn Ein Ehepaar aus Wuppertal hatte einen Unfall. Mäurer ist zur Stelle.

Stattdessen ist erst einmal gutes Zureden gefragt. Kurz vor dem Parkplatz Sommerhofen steht ein Fahrzeug mit Wuppertaler Kennzeichen auf dem Seitenstreifen. Der Fahrer und seine Frau sind in heller Aufregung. Ein Lkw hat den Wagen des Ehepaars am hinteren Kotflügel touchiert und einige Meter mitgeschleift. Nun warten sie verärgert auf Polizei und Pannendienst. Die Heimreise vom Bodensee-Urlaub ist in der prallen Mittagssonne vorerst auf Eis gelegt. Während nur eine Armeslänge entfernt der Verkehr mit Tempo 100 vorbeidonnert, redet Mäurer beruhigend auf das Ehepaar ein und erklärt, dass es sicherer wäre, auf dem naheliegenden Parkplatz auf Hilfe zu warten. Mit Erfolg - die beiden fahren das demolierte aber fahrtüchtige Auto in Sicherheit.

Die Aufgaben des Stauberaters sind vielfältig. Er hilft nach Pannen und Unfällen beim Absichern, leistet im Notfall Erste Hilfe oder organisiert den Abschleppwagen. Er gibt Staumeldungen an die Reisenden weiter und hält Kontakt zur Polizei. Da er ständig an kritischen Punkten der Autobahn unterwegs ist, kann es vorkommen, dass Mäurer aus nächster Nähe Zeuge eines Unfalls wird. "Manchmal bin ich noch vor den Rettungskräften an der Unfallstelle." Er erzählt von brennenden Autos, umgekippten Wohnwagen und schlimmen Unfällen mit Verletzten und Todesfolge. Auf 20 bis 30 Einsatztage kommt er im Jahr. Vom ADAC erhält er eine Aufwandsentschädigung, das Geld sei aber nicht der Grund für sein Engagement. "Es macht mir einfach Spaß, den Menschen zu helfen."

Heute ist es bislang ruhig geblieben. Der Verkehrsfunk meldet zwar im Halbstundentakt lange Staus, die sich aber alle außerhalb von Mäurers Einsatzgebiet gebildet haben und damit nur dessen Kollegen viel Arbeit bescheren. Sieben Stauberater gibt es in Württemberg. Langeweile kommt bei dem gelernten Mechaniker und jetzigen Autoverkäufer trotzdem nicht auf. "Auch ohne Staus gibt es immer etwas zu tun", weiß Mäurer. Präsenz zu zeigen, den Autofahrern zu vermitteln, dass da jemand ist, der im Notfall sofort zur Stelle ist und einem hilft, das sei das oberste Ziel der Ehrenamtlichen. Unterwegs sind die Stauberater des ADAC deshalb vor allem an den Wochenenden der Hauptreisesaison von Pfingsten bis September, an Feiertagen und Brückentagen auch unter der Woche.

Gegen 14 Uhr peilt Mäurer die Fußgängerbrücke bei Kilometer 207 an. "Ein beliebter Treffpunkt von Stauberatern", erklärt er. Und ein guter Ausguck. Vor und hinter der Brücke verengt sich die A 8 nacheinander von fünf auf drei Spuren. "Hier kann man wunderschön erkennen, wie Staus entstehen", sagt Mäurer und grinst. Anstatt sich schon früh in den fließenden Verkehr einzuordnen, warten viele Autofahrer bis zuletzt mit dem Spurwechsel. Andere müssen abbremsen, Bremslichter leuchten auf, es kommt zusehends zum Stillstand. Heute fließt der Verkehr zwar, doch der nächste Stau ist nur eine Frage der Zeit.

11.08.2012 - 08:30 Uhr

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