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Zwei Männer getötet - Unfall grob fahrlässig verursacht

Bewährungsstrafe für Stadtbahnfahrerin

Die Stadtbahnfahrerin, die im Februar 2012 zwei Gleisarbeiter überfahren und tödlich verletzt hat, wurde vor dem Amtsgericht Stuttgart wegen grob fahrlässiger Tötung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

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JAN-PHILIPP SCHÜTZE

Stuttgart Das Schöffengericht hatte es bereits am zweiten Verhandlungstag als erwiesen angesehen, dass die damals 50 Jahre alte Stadtbahnfahrerin grob fahrlässig handelte, als sie mit stark überhöhter Geschwindigkeit auf zwei mit Schienenschleifarbeiten beschäftigten Gleisbauarbeiter zufuhr und diese mit der tonnenschweren Stadtbahn überrollte und tödlich verletzte. Warum die Stadtbahnfahrerin allerdings 20 Sekunden lang ohne zu bremsen auf die Baustelle zwischen den Haltestellen Sonnenberg und Riedsee zufuhr, wird für immer ein Rätsel bleiben. Klar ist nur, dass die beiden Gleisarbeiter keine Chance hatten, selbst dem drohenden Unglück zu entgehen.

Artikelbild: Bewährungsstrafe für Stadtbahnfahrerin Am 16. Februar 2012 starben nahe der Haltestelle Riedsee zwei Gleisbauarbeiter, nachdem sie von einer Stadtbahn erfasst wurden. Die Fahrerin der Unglücksbahn wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Foto: dpa / Oskar Eyb

Als Grund für den tragischen Unfall führte die vorsitzende Richterin Sabine Lehnert menschliches Versagen an. Wohl aus Konzentrationsmangel habe die Stadtbahnfahrerin die vor ihr liegende Baustelle trotz uneingeschränkter Sichtverhältnisse nicht erkannt. Die Frau, die seit 1993 bei der SSB als Fahrerin tätig war, habe weder die Arbeiter in ihren Schutzwesten und das daneben abgestellte gelbe SSB-Fahrzeug noch die Warnschilder entlang der Strecke bewusst wahrgenommen - und das, obwohl sie an diesem Morgen bereits zweimal mit ihrer Stadtbahn an der Baustelle vorbeigefahren war. Das Gericht verurteilte die Angeklagte wegen grob fahrlässiger Tötung in zwei Fällen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten, die zur Bewährung auf drei Jahre ausgesetzt wurde. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten gefordert, der Verteidiger der Angeklagten hatte für eine Bewährungsstrafe von einem Jahr plädiert.

Als Begründung für das Urteil, führte die Richterin an, die Frau, die seit dem Unfall in psychologischer Behandlung ist, sei durch ihre Schuldgefühle genug gestraft. "Sie wird ihr ganzes Leben lang daran denken." Die Frau, die während der Verhandlung immer wieder in Tränen ausbrach, werde wahrscheinlich nie mehr arbeiten können, zudem drohen ihr Schadensersatzansprüche seitens der Hinterbliebenen. Die Verurteilte selbst entschuldigte sich mit stockender Stimme bei den Angehörigen der Opfer. "Es tut mir sehr leid, ich weiß nicht, wie es passieren konnte." Lehnert hob besonders die schwerwiegenden Folgen des Unfalls hervor. "Zwei Familien sind zerstört worden." Der eine Arbeiter, Vater zweier Kinder im Alter von zwei und elf Jahren, verstarb drei Tage vor seinem 41. Geburtstag, das andere Opfer wurde 39 Jahre alt und hinterließ eine neunjährige Tochter. Keine Strafe könne dies ausgleichen, so Lehnert.

Von dem Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen wurden die beiden mitangeklagten SSB-Mitarbeiter. Im Falle des Leiters des SSB-Gleisbauhofs Wangen habe sich ein pflichtwidriges Verhalten nicht bestätigt, so Lehnert. Kritik äußerte Lehnert jedoch an den Arbeitsabläufen beim SSB-Gleisbauhof. "Da haben sich Missstände in der Organisation eingeschlichen." Sie hoffe, dass das Urteil zum Nachdenken anrege. "Mit einem Sicherungsposten hätte man den Unfall mit großer Wahrscheinlichkeit verhindern können." Doch auch der für die Bauabteilung zuständige Meister konnte den Gerichtssaal ohne Strafe verlassen. Die Staatsanwaltschaft und der Anwalt der Ehefrau eines der Opfer, der vor Gericht als Nebenkläger auftrat, kündigten daraufhin an, vor dem Landgericht in Berufung gehen zu wollen.

25.01.2013 - 08:33 Uhr

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