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Arbeitstag von 24 Stunden

Ärztin am Olgahospital: Ein Traumjob

Kürzlich gab es im Tarifstreit über die Gehälter der Klinikärzte eine Einigung. Sie erhalten 2,9 Prozent mehr Gehalt. Viele Mediziner müssen einen Spagat zwischen Traumjob und 24-Stunden-Schicht meistern.

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TATJANA GARTNER
Artikelbild: Ärztin am Olgahospital: Ein Traumjob Anästhesistin Verena Bitter überwacht im Olgahospital in Stuttgart während einer Operation den Patienten. Sie motiviert auch das OP-Team. Fotos: dpa

Stuttgart Der beißende Geruch von Desinfektionsmittel liegt in der Luft, das monotone Piepsen des EKG hallt durch den weiß gekachelten Raum. Durch einen der zahlreichen Schläuche, die von dem bewegungslosen Körper auf dem Operationstisch ausgehen, sickert in unregelmäßigen Abständen Blut - nicht alle können diesen Anblick ertragen. Doch Verena Bitter, Fachärztin für Anästhesie und Intensivmedizin am "Olgäle", Stuttgarts Kinderklinik, macht das nichts aus. "Die erste Operation, die ich in meinem Freiwilligen Sozialen Jahr vor dem Studium gesehen habe, war die Geburt von Zwillingen", erinnert sich die 39-Jährige. Zuerst habe sie sich unwohl gefühlt und nur mit großem Abstand zugesehen. Die Neugierde habe schließlich gesiegt und sie sei immer näher herangegangen.

Artikelbild: Ärztin am Olgahospital: Ein Traumjob An Wochenenden arbeitet Verena Bitter bis zu 24 Stunden am Stück. "Das schönste an meinem Beruf ist es, anderen Menschen helfen zu können", sagt sie.

Heute löst Bitter ihre Kollegin bei einer besonders langen Operation ab: Ein 14-Jähriger wird wegen einer Fehlstellung an der Hüfte operiert. Während die Chirurgen ihre eigene Arbeit über mehrere Monitore beobachten können, sitzt die Anästhesistin am Kopfende, überprüft Atmung und Hirnströme, macht sich regelmäßig Notizen und achtet auf die Dosierung des Betäubungsmittels. Bei langen Operationen sei der Anästhesist auch dafür da, das OP-Team zu motivieren, so Bitter. "Man muss allerdings wissen, wann ein Scherz angebracht ist. Wenn man merkt, dass das Klima angespannt ist, weil beim Eingriff vielleicht Probleme auftreten, sollte man sich besser zurückhalten."

Nach drei Stunden ist die Operation des Jugendlichen geschafft - doch Bitters Schicht ist noch lange nicht zu Ende. Sechsmal im Monat arbeite sie 18, am Wochenende sogar 24 Stunden am Stück. Die Spätdienste dauern elf Stunden. Doch Bitter trotzt den Strapazen: "Ich liebe meinen Job und kann mir nichts Schöneres vorstellen. Die hohe Belastung und die eingeschränkte Freizeit gehen einem aber an die Substanz - je älter man wird, desto elementarer wird das empfunden."

Am Ärztestreik hätte sie sich beteiligt. Mit der Erhöhung von 2,9 Prozent sei sie zufrieden. Aber die Tatsache, dass die Bereitschaftsdienstentgelte pro Stunde auch nur um 2,9 Prozent erhöht worden sind, störe sie sehr: "Damit wird die hohe Verantwortung im nächtlichen Arbeiten keineswegs vergolten", findet die Ärztin

Erschöpft, aber glücklich über den guten Verlauf der Operation verlässt Bitter den Raum und macht sich auf den Weg in die Tagesklinik. "Die Arbeit hier ist besonders anstrengend, weil die Eltern meist eine sehr hohe Erwartungshaltung haben. Die Kinder dagegen sind meist ängstlich. Es ist meine Aufgabe, sie zu beruhigen und aufzuheitern."

Auf dem Bett liegt ein elfjähriges Mädchen - ihren Augen sind geröteten, sie hat geweint. Scheu blickt sie die Anästhesistin an. "Sie ist im Schulhof auf einer Pfütze ausgerutscht", erzählt die Mutter, "dabei hat sie sich den linken Unterschenkel gebrochen". Bitter setzt sich ans Bett und spricht ruhig und freundlich mit dem Kind: Über Hobbys, Haustiere und über den Hergang des Unfalls. "Wir lassen dich einfach schön schlafen, Süße", beruhigt die Ärztin. "Vielen Dank", sagt die Mutter des Mädchens, als Bitter das Zimmer verlässt.

Die Ärztin ist sich sicher: "Das schönste an meinem Beruf ist es, anderen Menschen helfen zu können. Es ist ein tolles Gefühl, wenn man etwas von der Liebe und Mühe zurückbekommt, die man zu vermitteln versucht."

03.02.2012 - 08:30 Uhr | geändert: 03.02.2012 - 08:54 Uhr

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