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Mehr Jugendliche verfallen dem Glücksspiel

40 Prozent der 12- bis 17-Jährigen spielen Geldspielautomaten, Poker oder Sportwetten

In den letzten zehn Jahren hat sich das Angebot an Geldspielautomaten, Sportwetten und Online-Glücksspiel in Baden-Württemberg annähernd verdoppelt. Immer mehr Jugendliche werden spielsüchtig.

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ALEXANDER MÜLLER

Stuttgart Laut Landesgesundheitsamt gibt es 34 100 Spielsüchtige. Davon betroffen sind immer mehr Jugendliche und junge Menschen, warnen die Experten. Die Zahl der regelmäßigen Spieler zwischen 12 und 17 Jahren liege bei 40 Prozent. Die angedachten Schutzmaßnahmen seitens der Politik seien bei weitem noch nicht ausreichend.

Artikelbild: 40 Prozent der 12- bis 17-Jährigen spielen Geldspielautomaten, Poker oder Sportwetten Immer mehr Jugendliche verfallen den Geldspielautomaten oder setzen auf Sportwetten im Internet. Foto: dpa

Der Geldspielautomat steht in der Kneipe, im Internet können auf einfache Art und Weise die neuesten Sportwetten abgegeben werden, und in der Schule wird mit Freunden über das letzte Pokerturnier gesprochen. Die Hemmschwelle gerade für Jugendliche und junge Menschen ist enorm gesunken. Entsprechend groß ist der Zuwachs an regelmäßigen Glücksspielern, warnten Experten bei einer landesweiten Fachtagung der Diakonie Württemberg in Stuttgart.

"Die Flut der Spielanreize ist enorm", weiß Dr. Tobias Hayer vom Institut für Psychologie und Kognitionsforschung der Universität Bremen. In vielen Bereichen werden die Angebote gar als Lifestyle verkauft. So ließe sich der Gewinn des WM-Titels im Pokern des deutschen Studenten Pius Heinz geschickt vermarkten. Für viele sei der Weg über das Pokern im Internet der Einstieg in die Spielsucht. "Zunächst nur um Punkte, geht es dann auch schnell um Geld", weiß Hayer.

Die Rangliste der Glücksspiele führt aber immer noch der Geldspielautomat in Gaststätten und Bistros an. Auf den weiteren Plätzen folgen die Spielhallen und das Online-Glücksspiel. Betroffen seien vor allem junge Männer und insbesondere Jugendliche mit Migrationshintergrund sowie sozial Schwächere. "Für viele stellt das Spielen einen besonderen Kick dar", weiß Sandra Bauer von der Fachstelle für Glücksspiel der Evangelischen Gesellschaft in Stuttgart aus der täglichen Arbeit.

Aber auch vor allem die Aussicht auf schnellen Geldgewinn lockt viele an. Zudem werden die Spielstätten und Wettbüros immer mehr zum Treffpunkt der Jugendlichen. Dort setzt die Präventionsarbeit an, aber auch in Schulen oder Sportvereinen. Laut dem neuen Glücksspielgesetz des Landes müssen die Betreiber der Spielhallen ihre Mitarbeiter zu mehr Aufmerksamkeit animieren. Davon sei in der Praxis noch wenig zu spüren, erklärt Manuel Kaus von der Mobilen Jugendarbeit in Ulm-Wiblingen.

Den Ansatz von FDP-Wirtschaftsminister Philipp Rösler, ab 2018 nur noch einen Automaten in Gaststätten zuzulassen, begrüßen die Experten. Dennoch bleibe offen, "warum nicht gleich alle dieser Glücksspielgeräte verbannt werden", fragt sich Hayer. Man müsse die Spielgeschwindigkeit senken und die Gewinnausschüttung drastisch minimieren. Am besten sei es, lediglich wieder die bis in die 1980er-Jahre üblichen "Groschenautomaten" mit minimalem Geldgewinn zu erlauben, und die heutige Generation der Geldspielautomaten wieder in die Casinos zu verbannen. Vor allem in Gaststätten und im Internet gelte es die Hemmschwellen zu erhöhen, Sperrsysteme für die Jugendliche einzurichten. Von der Einführung der Spielerkarte sind die Experten überzeugt. Doch nur die personifizierte Version sorge auch wirklich für einen Schutz.

04.03.2013 - 08:30 Uhr

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