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Der Partner bleibt an Bord

Westerwelle will trotz Kritik weiter mit seinem Lebensgefährten verreisen

Schon zum zweiten Mal begleitet Michael Mronz seinen Lebenspartner Guido Westerwelle bei einer großen Auslandsreise - ganz normal für einen Lebensgefährten oder die Vermischung von Geschäften?

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DIETER KELLER
Artikelbild: Westerwelle will trotz Kritik weiter mit seinem Lebensgefährten verreisen Gemeinsam unterwegs: Außenminister Guido Westerwelle (rechts) nimmt seinen Lebensgefährten, den Veranstaltungs-Manager Michael Mronz, gerne auf Auslandsreisen mit. Foto: dpa

Gemeinsam gingen Guido Westerwelle und Michael Mronz in Montevideo die Gangway vom Regierungsflieger herunter. Auf dem Flughafen der Hauptstadt von Uruguay wurden der Bundesaußenminister und sein Lebensgefährte ganz selbstverständlich begrüßt. Das will der FDP-Chef auch künftig so handhaben, obwohl in Deutschland heftig diskutiert wird, ob Mronz als Sportveranstaltungs-Manager Privates und Geschäftliches unzulässig miteinander verbindet.

Westerwelle jedenfalls sieht keinen Grund, künftig alleine zu verreisen: "Ich freue mich, dass sich Herr Mronz die Zeit nimmt, mich auf eigene Kosten zu begleiten, um sich in der Region über soziale Probleme zu informieren und dafür zu engagieren. Das wollen und werden wir fortsetzen." Schon dass er so eine Erklärung während der Auslandsreise abgab, war ungewöhnlich. Das Außenministerium betonte, Mronz bezahle - wie die begleitenden Unternehmer und die Journalisten - die Reise selbst. In der "Bild-Zeitung" gab der Betriebswirt zu Protokoll, er wolle sich insbesondere für Kinder sozial engagieren. Das geschieht im Rahmen einer "Bild"-Aktion, was schon mal freundliche Berichte in der Boulevardzeitung garantiert.

Dass das gemeinsame Auftreten so zum Thema wird, hat mehrere Gründe. Westerwelle ist der erste Bundesminister, der sich offen zu seinem Schwulsein bekennt. Daran muss sich die Öffentlichkeit ebenso erst gewöhnen wie er selbst. Als Außenminister kommt er auch am meisten herum. Wenn seine Amtsvorgänger ihre Ehefrauen mitnahmen, galt das als selbstverständlich, auch wenn Westerwelles direkter Vorgänger Frank-Walter Steinmeier (SDP) darauf verweist, seine Frau sei selten dabei gewesen: Als Richterin hatte sie keine Zeit und wohl auch kein Interesse.

Vieles erklärt auch Westerwelles schwieriges und spätes Outing. Lange hatte der heute 48-Jährige keinen festen Partner und stand auch in der Öffentlichkeit nicht dazu, schwul zu sein. Das änderte sich erst, als er 2003 den sechs Jahre jüngeren Mronz kennenlernte. Bei der Feier von Angela Merkels 50. Geburtstag trat er erstmals offen mit ihm auf. Schon weil er so lange solo war, lässt sich nachvollziehen, dass der FDP-Vorsitzende sehr stolz ist, einen Partner präsentieren zu können. Nach dem großen Erfolg bei der Bundestagswahl konnte er gar nicht oft genug zusammen mit ihm fotografiert werden.

Doch Westerwelle steht sich immer wieder selbst im Weg, schon weil bei ihm vieles aufgesetzt statt natürlich wirkt. Seine Art und sein Auftreten polarisieren, anders als beim früheren FDP-Chef Wolfgang Gerhardt oder seinem großen Vorbild Hans-Dietrich Genscher. Von Selbstkritik ist er wenig geplagt, und ihm fehlt das Händchen dafür, wann er lieber den Mund halten oder sich diplomatischer ausdrücken sollte. Ob zu große Nähe zu Spendern oder Vorträge gegen stolzes Honorar, alles mag legal zugehen. Doch ausgerechnet ihm als Vollblutpolitiker fehlt das Gespür: Entscheidend ist, wie die Summe seines Auftretens ankommt.

Schließlich hat Mronz auch keinen unverfänglichen Beruf wie Richterin im Falle von Steinmeiers Frau oder wie der Arzt Jörn Kubicki, Partner des Regierenden Berliner Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD). Als Veranstaltungs-Manager gerät er fast zwangsläufig in den Geruch, Privates und Geschäftliches zu vermischen. Etwa wenn er die Eröffnung eines Luxushotels in Bonn mit organisiert und seinen Partner mitbringt, der auch noch der örtliche Bundestagsabgeordnete ist. Wie es Westerwelles Art ist, pries er das Hotel in den höchsten Tönen und handelte sich prompt den Vorwurf ein, er verquicke Beruf und Privatleben.

Mronz ist zudem unvorsichtig. Etwa wenn er morgen abseits vom Hauptprogramm der Lateinamerika-Reise des Außenministers in Rio de Janeiro das Maracana-Stadion besucht. Brasilien richtet 2014 die Fußball-Weltmeisterschaft und zwei Jahre später die Olympischen Spiele aus. Da ist schnell der Vorwurf bei der Hand, das habe doch sicher einen geschäftlichen Hintergrund. Bei Westerwelle führt so etwas aber höchstens zur Trotzreaktion: Jetzt erst recht.

11.03.2010 - 08:30 Uhr
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