Volkshochschulverband will stärkeren Einsatz der Landesregierung
Lesen und schreiben ist vielen Erwachsenen ein Graus. Millionen Menschen haben damit größte Probleme - auch in Baden-Württemberg.
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SWP
Stuttgart Rund eine Million Menschen haben im Südwesten mit dem Lesen und Schreiben größte Schwierigkeiten. Das besagt eine Studie der Universität Hamburg. Bundesweit sind es 7,5 Millionen erwerbsfähige Menschen zwischen 18 und 64 Jahren, die manchmal zwar noch in der Lage sind, ihren Namen zu schreiben oder Sätze zu lesen, jedoch den Sinn zusammenhängender Texte nicht verstehen können.
Anlässlich des gestrigen Weltalphabetisierungstages beklagte Martina Haas, Fachreferentin Sprachen beim Volkshochschulverband Baden-Württemberg, den geringen Einsatz gegen Analphabetismus im Land. Dabei ist das Problem offensichtlich. Haas: "Für mich ist es erstaunlich, dass es junge Menschen gibt, die das Schulsystem der letzten 20 Jahre durchlaufen haben, und dennoch als funktionale Analphabeten gelten." Das bedeutet, diese Menschen starteten mit ganz gravierenden Lese- und Schreibdefiziten ins Berufsleben.
Die Fachreferentin warnt aber zugleich davor, den Zahlen zu großes Gewicht zu geben. Zum einen basieren die Daten auf Schätzungen. Zum anderen erfassen sie auch Erwerbsfähige, deren Muttersprache nicht Deutsch ist: "Wir gehen davon aus, dass etwa die Hälfte der funktionalen Analphabeten keine Muttersprachler sind."
Doch auch für deutsche Muttersprachler reichen die insgesamt rund 100 Alphabetisierungskurse, die baden-württembergische Volkshochschulen anbieten, nicht aus. Nicht selten fehlt eine wohnortnahe Versorgung.
Gerade bei Erwachsenen verhindert aber oft auch Schamgefühl nachträgliches Lernen. Das Online-Portal des Deutschen Volkshochschulverbandes, mit dem Männer und Frauen ihre Sprachkompetenzen ausbauen können, löst dieses Problem nur teilweise, da die Betroffenen nicht immer einen Computer mit Internetanschluss besitzen.
Bislang gibt es noch kein Förderprogramm zur Bekämpfung von Analphabetismus. In Baden-Württemberg hat die Enquetekommission "Fit fürs Leben in der Wissensgesellschaft - Berufliche Schulen, Aus- und Weiterbildung" jedoch Handlungsempfehlungen ausgesprochen, die auch die Alphabetisierung betreffen. "Wir hoffen hier auf eine Reaktion seitens der Landespolitik und auf finanzielle Unterstützung", sagte Haas gegenüber der SÜDWEST PRESSE. dpa/fim