Studenten protestierten in Stuttgart nicht nur für bessere Bildung
Der bundesweite Bildungsstreik geht weiter: Rund 2500 Studenten und Schüler demonstrierten am Samstag für eine bessere Bildung, doch auch andere Gruppierungen nutzten die Gunst der Stunde.
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SIMONE SCHROETER
Drei Maskierte auf dem Stuttgarter Bahnhof: Beim Bildungsstreik ging es nicht nur um Bildung. Foto: AP
"Wenn nicht jetzt, wann dann?" ertönt es aus den Lautsprechern. Studenten und Schüler, teils in gelben T-Shirts, teils mit Fahnen und Schildern, teils mit Pfeifen und Trommeln, sind am Samstag in die Lautenschlagerstraße, unweit des Hauptbahnhofs, in Stuttgart gekommen. "Fast wie bei einer Karnevalsveranstaltung", beschreibt eine Passantin die Situation.
Doch das Anliegen der Studenten und Schüler ist ernst: Sie demonstrieren im Rahmen des seit gut zwei Wochen andauernden, bundesweiten Bildungsstreiks unter anderem für mehr Mitspracherecht, eine Umgestaltung der Bachelor- und Masterstudiengänge sowie für mehr öffentliche Finanzierung.
Neben den aktiven Demonstranten, die sich am Mikrofon zu Wort melden oder mit Plakaten ihre Meinung kundtun, verhält sich die Mehrzahl der Teilnehmer zurückhaltend und folgt schlicht den Anführern. Andere nutzen die Veranstaltung für eigene Zwecke: Neben einer Vielzahl von Bildungsstreik-Flyern werden Handzettel gegen Bundeswehreinsätze in Afghanistan, gegen Kapitalismus, für Jugendbildungsreisen oder für eine veränderte Drogenpolitik verteilt.
Der Höhepunkt der Veranstaltung ist der Auftritt dreier maskierter Männer auf dem Bahnhofsdach. Unter dem Beifall der Menge befestigen sie ein meterlanges Transparent mit der Aufschrift "Kriege sabotieren, Kapitalismus überwinden" an der Vorderseite des Bahnhofes. Plötzlich zünden sie Leuchtraketen um noch mehr Aufmerksamkeit zu erlangen - eine Aktion, die die Polizei mit Taschenkontrollen beim Protest eigentlich vermeiden wollte. "Im Versammlungsrecht steht, dass die Zusammenkunft friedlich und ohne Vermummung abzulaufen hat", erklärt einer der eingesetzten Polizisten.
"Die nutzen das hier für alles", sagt die Studentin Antonia Herzog. Sie selbst demonstriert nicht. "Ich denke, Widerstand ist das Motto hier, egal gegen was. Es ist lächerlich", erläutert sie ihre Meinung.
Wie ihr geht es, so scheint es, vielen: Angemeldet waren rund 4000 Demonstranten aus ganz Baden-Württemberg. Gekommen sind nach Angaben der Polizei 2500. Nach Statistischem Bundesamt sind das nicht einmal ein Prozent der baden-württembergischen Studenten, die Schüler nicht mit eingerechnet.
Der Grund, warum so wenige an den Protesten teilnehmen, liegt für den Stuttgarter Studenten Thomas Wagner nahe. "Ich habe keine Lust an solchen Demonstrationen teilzunehmen. Ich halte die Forderungen zwar für sinnvoll, weiß aber jetzt schon, was sich ändern wird: Nämlich gar nichts", erklärt der 22-Jährige. "Die meisten Politiker haben für solche Veranstaltungen doch eh nur ein müdes Lächeln übrig." Den Zeitpunkt der Demonstrationen direkt nach den Wahlen hält er allerdings für richtig: "Wenn nicht jetzt, wann dann?"