11.03.2010 Drucken Empfehlen
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Ein Hacker im Büro des Ministerpräsidenten

Seehofers Büroleiter versuchte Konkurrenten auszuspionieren

Nach dem Rauswurf des Büroleiters von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer spricht die Opposition von Filz und Intrigenwirtschaft.

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IRIS HILBERTH
Artikelbild: Seehofers Büroleiter versuchte Konkurrenten auszuspionieren Der suspendierte Markus Zorzi gilt eigentlich als äußerst korrekter Beamter.

Die Mitteilung aus der Bayerischen Staatskanzlei am Dienstag Nachmittag war dürr, gerade mal drei Zeilen lang, aber sie hatte es in sich: "Der Leiter des Büros des Ministerpräsidenten wurde wegen eines Dienstvergehens von seinen Aufgaben entbunden. Ein Disziplinarverfahren wird eingeleitet."

Wie verschiedene Medien berichten, soll Markus Zorzi versucht haben, den Dienstcomputer seines Nachfolgers als Landesgeschäftsführer der CSU, Bernhard Schwab, auszuspionieren und heimlich dessen E-Mails zu lesen. Zorzi war erst vor drei Monaten von seinem Spitzenposten in der Landesleitung in das Büro von Ministerpräsident Horst Seehofer gewechselt.

Bereits Ende vergangener Woche soll Schwab stutzig geworden sein. Mit seinem Computer stimmte etwas nicht. Bei einem Sicherheitscheck kam schließlich heraus, dass jemand versucht hatte, von außen in seinen Rechner einzudringen. Bald wurde klar, dass der Hacker ausgerechnet in der Staatskanzlei und noch dazu im Büro des Ministerpräsidenten saß. Zorzi soll inzwischen alles eingeräumt haben.

Seehofer zögerte nicht lange und feuerte seinen Büroleiter mit sofortiger Wirkung. Er ist nicht der erste Mann auf diesem Posten, der unter Seehofer als Ministerpräsident plötzlich gehen musste. Zorzis Vorgänger Gerhard Reichel hatte das Büro im vierten Stock der Staatskanzlei im Sommer vergangenen Jahres verlassen müssen, da der Chef mit dessen Terminkoordination unzufrieden war.

Warum nun der als äußerst korrekt geltende Zorzi ein solches Interesse an den E-Mails des Parteifreunds hatte, dass der Jurist selbst strafrechtliche Konsequenzen in Kauf nahm, blieb bislang unklar. Zorzi selbst wollte dazu keine Stellungnahme abgeben. So blieb es bei Spekulationen.

Einige vermuten, Zorzi hätte aus "fehlgeleitetem Ehrgeiz" versucht, an Informationen ranzukommen. Damit hätte er vor Seehofer glänzen können, wie gut er informiert und vernetzt sei. Möglicherweise auch deshalb, weil er nicht auf das Wissen verzichten wollte, das er rund zehn Jahre lang als Landesgeschäftsführer hatte.

Vielleicht, meinen andere, hat er auch herausfinden wollen, ob sich nach dem Streit zwischen Seehofer und Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich etwas gegen den Ministerpräsidenten zusammenbraut.

Bekannt ist, dass sich Zorzi und Schwab nicht sonderlich gut leiden können. Schwab gilt noch immer als Stoiber-Vertrauter - einst war er dessen Sprecher. Und es soll in der CSU beim einen oder anderen noch immer Misstrauen gegenüber ehemaligen Stoiber-Leuten geben. So wird vermutet, Zorzi habe womöglich die Angst getrieben, Seilschaften des Ex-Parteichefs könnten in der Landesleitung agieren.

Dass ausgerechnet Zorzi den Parteifreund ausspähte, soll Seehofer sehr bestürzt haben. Immerhin hatte er für die Vertrauensposition jemanden angeheuert, der stets im Hintergrund wirkte und dessen Arbeit er sehr schätzte. Jetzt musste er Zorzi entlassen, denn Bespitzelungsvorwürfe in seinem Umfeld kann sich der Ministerpräsident nicht leisten.

Für die Opposition ist klar, dass die Affäre mit den bayerischen Verhältnissen zu tun hat. "Zu so etwas kommt es, wenn Staat und Partei so vermengt werden, dass führende Mitarbeiter zwischen CSU-Parteizentrale und Staatskanzlei nicht mehr unterscheiden können", kritisierte SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher. Die Grünen sehen ein "erschreckendes Ausmaß von Missgunst und Misstrauen" in der Regierungspartei.

Schließlich ist es nicht das erste Mal, dass solche Vorwürfe an die Staatskanzlei in München adressiert werden. Edmund Stoiber hatte sich mit der Behandlung derartiger Vorgänge vor rund drei Jahren selbst ein Bein gestellt. Die Fürther Landrätin und CSU-interne Kritikerin Gabriele Pauli hatte Stoibers Büroleiter Michael Höhenberger vorgeworfen, er hätte versucht, ihr Privatleben auszuspähen. Der damalige CSU-Chef und Ministerpräsident nahm die Sache zu wenig ernst - doch am Ende musste Höhenberger gehen und Stoibers Abstieg bis zu seinem Rücktritt wenige Wochen war nicht mehr zu bremsen.

11.03.2010 - 08:30 Uhr
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