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"Es muss nachgebessert werden"

Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz zu den Studentenprotesten

Professor Margret Wintermantel, Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), hat Verständnis für die Proteste der Studenten - nicht aber für die Solidarisierung mit den Kommilitonen in Österreich.

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ANDREAS CLASEN

Studenten in ganz Deutschland besetzen Hörsäle und demonstrieren für eine bessere Bildung. Haben Sie Verständnis für die Proteste?

Artikelbild: Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz zu den Studentenprotesten Habilitierte Psychologin: HRK-Präsidentin Margret Wintermantel. Foto: HRK

MARGRET WINTERMANTEL: Ja, habe ich. Ich finde es gut, wenn sie ihre Wünsche formulieren, denn es gibt Korrekturbedarf. Im Senat der HRK waren wir uns einig, dass Probleme im Studienverlauf im Dialog mit den Studierenden identifiziert und behoben werden sollen. Dieser Prozess läuft an den meisten Hochschulen zielführend. Die Solidarisierung mit den österreichischen Studierenden ist gutgemeint, doch haben sie dort ganz andere Probleme. Dass dies in einen Topf geworfen und durch Hörsaalbesetzungen zum Ausdruck gebracht wird, behindert eher den Dialog.

Welche Kritikpunkte der deutschen Studierenden halten sie für berechtigt und welche nicht?

WINTERMANTEL: Nicht akzeptieren kann ich den Kritikpunkt, die Wissenschaft werde ökonomisiert. Das sehe ich nicht. Berechtigt ist die Kritik an der hohen Prüfungsdichte in einigen Bachelor-Studiengängen. Dies kann und sollte man verändern. In einzelnen Studiengängen - nicht flächendeckend - ist die Stoffdichte zu hoch, weil man die Inhalte eines Diplomstudiengangs 1:1 in den Bachelor übertragen hat. Auch dies muss man ändern. Verständnis habe ich auch dafür, dass Studenten die Betreuungsrelation zwischen Studierenden und Lehrenden bemängeln. Wir brauchen mehr Personal in der Lehre, um die Qualität des Studiums zu halten und weiter zu verbessern.

Sind hier die Länder in der Pflicht?

WINTERMANTEL: Ja, da sind die Länder gefragt. Wir brauchen - und dabei beziehe ich mich auf Berechnungen des Wissenschaftsrats - 15 Prozent mehr finanzielle Mittel für die Lehre in den Hochschulen. Hier muss sich etwas bewegen.

Die Studenten kritisieren auch, dass es durch die politisch gewollte Profilbildung schwer geworden ist, zwischen Universitäten zu wechseln.

WINTERMANTEL: Es gibt tatsächlich mancherorts Probleme beim Wechsel eines Bachelor-Studierenden von einer Hochschule zu einer anderen. Wir haben über 9000 Studiengänge mit teilweise sehr speziellen Inhalten. Diese Differenzierung ist richtig und wertvoll, weil damit ein breites Studienangebot vorgehalten wird. Aber es gibt dann mitunter Schwierigkeiten beim Wechsel, eben weil die Inhalte sich zwischen den Studiengängen unterscheiden. Wir stellen auch fest, dass der Wechsel vom Bachelor- in ein Masterprogramm häufig für einen Hochschulwechsel genutzt wird. Mittels Verträgen - auch mit ausländischen Universitäten - über die gegenseitige Anerkennung der erbrachten Studienleistungen kann man hier weiterkommen. Viele solcher Abkommen gibt es bereits, und es werden immer mehr.

Wie kann man das Problem innerhalb Deutschlands lösen?

WINTERMANTEL: Eben auch durch Abkommen zwischen Hochschulen und generell durch eine kluge und liberale Anerkennungspraxis.

Das heißt, die Hochschulen, die Fachbereiche sollten hier bei der Anerkennung flexibler werden?

WINTERMANTEL: Ja, das würde ich mir wünschen.

Einigen Studenten wird geraten, gleich in Richtung Master zu studieren, weil ein Bachelor auf dem Arbeitsmarkt nichts wert sei.

WINTERMANTEL: Es gibt da große Unterschiede zwischen den Studienfächern an den Hochschulen. Und der Arbeitsmarkt ist in Bewegung; viele Arbeitgeber müssen noch lernen, was Bachelorabsolventen können. Im Moment haben wir ja noch gar nicht so viele auf dem Markt. Die bisherige Bilanz ist aber durchaus ermutigend.

Auf der letzten Kultusministerkonferenz wurden vor allem die Hochschulen in die Pflicht genommen, in Hinblick auf die Kritik der Studenten nachzubessern.

WINTERMANTEL: Die Kultusminister scheinen zu glauben, nur die Hochschulen müssten korrigieren. Tatsache ist, auch sie müssen sich bewegen und sowohl die länderspezifischen wie auch die làndergemeinsamen Bestimmungen lockern. Ich bin zuversichtlich dass diese Korrekturen erfolgen, sodass die Chancen der Bologna-Reform in Deutschland endlich wirklich genutzt werden.

13.11.2009 - 08:30 Uhr

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